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10.07.2019

„Hundertjähriger“ macht mächtig Theater


Gut zwei Stunden lang zogen Detlef Heinichen und Wolf-Dieter Gööck ihre Zuschauer mit dem „Hundertjährigen“ in den Bann und ernteten immer wieder Gelächter für ihre Präsentation. HT-Foto: S
Theatrium Steinau fasziniert Zuschauer mit Figurentheater in Haan im Rahmen der neanderland Biennale.

Haan – Zwei Beamte im Ruhestand, der Staatsanwalt Conny und der Kommissar Göran, treffen sich allmorgendlich beim Angeln. Anhand der Akten, die Conny aus dem Archiv schmuggelt, gehen sie ihre interessantesten Kriminalfälle noch einmal durch. Und damit beginnt die Inszenierung des „Hundertjährigen“ durch die Darsteller Detlef Heinichen und Wolf-Dieter Gööck vom Figurentheater Steinau.
Die beiden Schauspieler und Puppenspieler unterhielten mit dem Stück nach dem Debütroman des schwedischen Autors Jonas Jonasson aus dem Jahr 2009 am vergangenen Freitag, 6. Juli, mehr als zwei Stunden lang ihr Publikum in der gut gefüllten Aula des Schulzentrums Walder Straße.
Die beiden Künstler traten dort im Rahmen des Theaterfestivals neanderland Biennale auf. Das Publikum durfte miterleben, wie der hundertjährige Allan Karlsson und sein ebenfalls ergrauter siebzigjähriger Kumpel Julius, beinahe beiläufig zwei Ganoven ins Jenseits befördern und damit eine Verbrecherbande und die versammelte schwedische Polizei mobilisieren.
Zunächst des Mordes bezichtigt, waren sie schließlich doch wundersamerweise für unschuldig erklärt worden - ein Fall, der vor allem für den Ex-Staatsanwalt auch heute noch nicht als gelöst gelten kann. Das Publikum erlebt mit Allan und Julius zwei „Menschen wie du und ich“, denen das Alter irgendwie das Recht einräumt, sich subversiv und gesetzlos durchs Leben zu schlängeln.
Im Spannungsfeld zwischen organisierter Kriminalität und überforderter Staatsmacht erweisen sie sich als bewundernswert unangreifbar und werden am Ende mit einem grotesk-schönen Lebensabend belohnt. Am Rande werden Episoden aus Allans 100-jährigem Leben erzählt, in dem er angeblich den Weg nahezu aller politischen Größen des 20. Jahrhunderts gekreuzt und Einfluss auf die Weltgeschichte genommen hat.
So entrollt sich ein verknapptes, groteskes Panorama der jüngeren Weltgeschichte, und auch ein Baron von Münchhausen hätte seine Freude gehabt an diesem klug unterhaltenden Theaterabend.
Die beiden Darsteller spielten das Stück allein, sie nahmen als „Mensch“ die Rolle des angelnden Staatsanwaltes und Kommissars ein und mit ihren selbstgefertigten Puppen alle übrigen Rollen.
Die fantasievolle Ausstattung ermöglichte den Akteuren eine ganze Anzahl von Spieltechniken, die durch Schauspielszenen und vergnügt-deftige Musik ergänzt werden.
Durch den Austausch weniger selbst gefertigter Requisiten und durch kleine Filme an der Kulissenwand konnten die Spieler in Sekundenschnelle das Bühnenbild umwandeln: Aus dem Angelplatz wurde ein Bahnhof, das Büro des amerikanischen Präsidenten, der Himalaya, ein U-Boot.
Unter dem Gelächter des Publikums konnte so auch aus einem Stoffschwein, das der Kommissar von seiner Enkelin geliehen bekommen hatte, durch Überziehen eines langen grauen Strumpfes am Rüssel die Elefantendame Sonja werden: „Ist eben kein afrikanischer, sondern ein schwedischer Elefant“, kommentierte der Kommissar launig.
Detlef Heinichen und Wolf-Dieter Gööck spielten die Geschichte mit vollem Körpereinsatz und starker Mimik. Ihnen gelang es mühelos, ihre Zuschauer mit der Interpretation von Jonas Jonassons Roman in den Bann zu ziehen. Mit fröhlichem Applaus zeigte das Publikum am Schluss, wie begeistert es das Stück aufgenommen hatte. sus
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