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26.06.2019

Ausgleichsfläche an der Autobahn 46 funktioniert


Armin Dahl (l.) von der AGNU Haan und Peter Kannemann vom Bauhof der Stadt Haan sind mit der Entwicklung der Ausgleichsfläche für den Technologiepark zufrieden. HT-Foto: Antje Götze-Römer
Zwischen der A46 und dem Technologiepark ist eine Fläche mit einer außerordentlichen Vielfalt an Insekten entstanden.

Haan - Artensterben und „Stummer Frühling“ seien in den vergangenen Jahren nur einem kleinen Kreis von Menschen wichtig gewesen, „die breite Bevölkerung versinkt dagegen in der Ahnungslosigkeit“, sagt Armin Dahl von der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt Haan (AGNU).
Dahl hat dazu Bemerkenswertes zu berichten: Wer einmal mit einer Schulklasse durch eine blühende Wiese gegangen sei, der weiß wovon er rede: Artenkenntnis stehe offensichtlich nicht auf dem Lehrplan, und schon die Elterngeneration kenne nur eine Hand voll besonders auffälliger Tier- und Pflanzenarten.
„Ein Landwirt, der nicht weiß wie eine Margerite aussieht? Kein Witz, sondern selbst erlebt! Wozu sollte er sie auch kennen, die Pflanze zeigt ja „mageren“ nährstoffarmen Boden an, und welcher Bauer braucht das?“, wundert sich Dahl eigentlich nicht über die Unkenntnis.
Und auch die Behörden hätten jahrzehntelang das Klassenziel verfehlt, anders könne man die jüngste Pressemitteilung des Landesamtes für Umwelt nicht verstehen: Danach sei unklar, wie es um die große Mehrzahl der rund 25.000 Insektenarten in NRW bestellt sei. Deshalb sollen in Zusammenarbeit mit Universitäten in den nächsten drei Jahren die Bestände von Heuschrecken und Tagfaltern erfasst werden.
„Das Ganze wirft Fragen auf, sind doch die Tagfalter und Heuschrecken neben den Libellen die am besten bekannten, und auch vergleichsweise artenarme Tiergruppen“, weiß der Diplombiologe Dahl.
Die Universität Osnabrück soll es jetzt für 570.000 Euro richten. „Man darf gespannt sein, was davon wirklich bei den bislang vor allem ehrenamtlich tätigen Kartierern ankommt“, zweifelt Dahl an der finanziellen Unterstützung derer, die tatsächlich „ran“ müssen.
Aber sei es wie es will, die AGNU Haan habe im Sinne einer insektenfreundlichen Umwelt „ganz gut vorgelegt“. Zum Beispiel mit der Pflege der Steinbrüche, die mittlerweile ein Pilgerziel für Liebhaber des Kaisermantels sind. Und seit vergangenem Jahr mit der Ausgleichsfläche zwischen Autobahn A46, der Hofschaft Kriekhausen und dem neuen Haaner Technopark.
„Das Projekt ging bislang eher geräuschlos über die Bühne, so lange es dort nicht viel zu sehen gab. Aber ein wenig Glück gehört dazu, und so waren Frühjahr und Sommer 2018 für die Entwicklung der Insektenfauna optimal“, sagt Armin Dahl.
Mittlerweile hat sich auf den Flächen ein spektakuläres Blütenangebot eingestellt, und die Biomasse an Insekten sei beachtlich. „Mit eigentlich ziemlich einfachen Mitteln haben wir einiges geschafft“, ist die AGNU mit Recht stolz. 1.800 Quadratmeter Fläche wurden umzäunt und Saatmischungen ausgebracht, die speziell für die Anforderungen der Ausgleichsfläche geeinet sind. Es wurden Mischungen für insgesamt sieben Hektar Fläche geordert, eine für eine Frisch- und Fettwiese mit rund 40 Arten und Sorten,sowie eine Ackerrandgesellschaft für Magerstandort mit etwa 50 Arten und Sorten.
Neben der von der AGNU gepachteten Fläche hat der Bauhof der Stadt Haan zudem Flächen angelegt, die ebenfalls dem Bienen- und Insektenschutz gewidmet sind. Allerdings haben diese einen anderen Charakter als die Ausgleichsfläche. red/agr
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