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23.05.2018

PCB Verdacht in Grundschule bestätigt


Aufgrund der Schadstoffbelastung der Raumluft im Altbau der Gemeinschaftsgrundschule Gruiten empfiehlt das Gebäudemanagement die bisher vorliegende Planung des Erweiterungsbaus zu ändern. HT-Archivf
Raumluftmessungen im Altbau der Grundschule Gruiten ergaben Belastung mit Schadstoffen.

Gruiten - Nach dem einstimmigen Ratsbeschluss zum Erweiterungsbau der Gemeinschaftsgrundschule Gruiten (GGS) im Februar diesen Jahres beauftragte das Gebäudemanagement der Stadt Haan im Zuge der weiteren Planungsarbeiten ein Ingenieurbüro mit der Erstellung eines Baugrundgutachtens.
Ziel dieses Gutachtens ist es, im Vorfeld Projektrisiken zu minimieren. Es beinhaltet unter anderem eine sondierende Schadstoffuntersuchung.
Nach Äußerung eines Anfangsverdachts des Gutachters bei der Erstbegehung des Altbaus der GGS, wurde das Gutachterbüro im März mit ergänzenden Untersuchungen der Raumluft auf Polychlorierte Biphenyle (PCB) beauftragt.
Die Ergebnisse der Untersuchung bestätigen nun den Anfangsverdacht. Die Ursache für die PCB-Raumluftbelastung ist auf die im Altbau vorhandenen stark PCB-belasteten Primärquellen (Farbanstriche) zurückzuführen.
Die hier als Weichmacher in offener Anwendung in den Anstrichen enthaltenen PCB sind in Abhängigkeit von ihrem Chlorgehalt mehr oder weniger stark flüchtig und gelangen so in die Raumluft der Schulräume.
Über die belastete Raumluft kommt es zur Sekundärkontamination sämtlicher mit ihr in Kontakt stehender Materialien.
Die sekundärkontaminierten Bauteile und Gegenstände wiederum geben die in die Oberfläche eingelagerten PCB nach und nach wieder an die Raumluft der Schulräume ab. Großflächige Sekundärkontaminationen können selbst nach einer vollständigen Beseitigung der Primärquellen erhöhte PCB-Raumluftkonzentrationen aufrechterhalten.
Neben den relativ hohen Belastungen der Primärquellen dürften im Schulaltbau auch alle vormals PCB-freien Oberflächen der Decken und Wände einschließlich der Materialien des Innenausbaus und aller im Gebäude vorhandener Gegenstände infolge von Sekundärkontaminationen über die Raumluftbelastung mehr oder minder stark mit PCB beaufschlagt sein.
Gemäß den Vorgaben der PCB-Richtlinie sind die im Altbau der Gemeinschaftsgrundschule Gruiten vorhandenen Primärquellen und vermutlich auch Teile der sekundärkontaminierten Baustoffe (Anstriche, Putze, Innenausbau) durch eine Beseitigung zu sanieren.
Ein Austausch der alten undichten lediglich einfachverglasten Fenster durch neue dichtschließende Fenster ist erst nach erfolgreicher Durchführung einer PCB-Sanierung möglich, da anderenfalls ein deutlicher Anstieg der Raumluftbelastung durch PCB in den Schulräumen zu befürchten ist.
Eine Empfehlung sieht eine weitere Raumluftmessung im Sommer 2018 sowie Probenentnahmen mittels Kernbohrungen vor.
Auf der Grundlage dieser ergänzenden Untersuchungen soll dann ein Sanierungskonzept für den Altbau ausgearbeitet werden.
Mittelfristig ist die Sanierung vorzusehen, ein kurzfristiger Handlungsbedarf bestehe gemäß Gutachten und PCB-Richtlinie nicht, heißt es in einer Mitteilung der Stadt Haan.
Während das Gebäudemanagement der Stadt Haan im letzten Jahr noch vorschlug, den Altbau und den neu zu planenden Erweiterungsbau durch eine Schnittstelle baulich miteinander zu verbinden, empfiehlt es nun nach Bekanntwerden der PCB-Belastung für die nächste Sitzung des Ausschusses für Bildung, Kultur und Sport (BKSA) am Mittwoch, 30. Mai, dass der Erweiterungsbau ohne Zeitverzug autark erstellt wird.
Parallel dazu soll die Planung der Altbausanierung erfolgen.
Bisher war der Erweiterungsbau der Grundschule in Gruiten mit Projekt- und Baukosten in Höhe von 4,62 Millionen Euro verteilt auf die Jahre 2017 bis 2020 im Haushalt eingeplant gewesen.
„Die PCB-Sanierung des zu erhaltenden Altbaus der Grundschule Gruiten ist erforderlich. Erfahrungsgemäß wird dies auf eine Kernsanierung zumindest von großen Teilen des Gebäudes hinauslaufen, unter anderem der Austausch von Putz, Installationen, allen Anstrichen, Bodenbelägen und so weiter“, sagt das Gebäudemanagement.
Dies war ursprünglich nicht geplant und führt unweigerlich zu einer Kostensteigerung Letzteres betrifft voraussichtlich ebenso die Abbruch-Bauteile der jetzigen Anbauten.
„Die Größenordnung der hieraus resultierenden Kosten der Altbausanierung kann erst nach Vorlage des Schadstoff-Sanierungskonzeptes und des integrierten gesamtheitlichen Altbau-Sanierungskonzeptes einschließlich Fassadensanierung- und Fenstererneuerung sowie der Sanierung des feuchtebelasteten Untergeschosses und der Grundleitungssanierung inklusive Schulhofentwässerung beziffert werden“, heißt es in der Beschlussvorlage, die dem BKSA in der kommenden Woche vorliegen wird.
Nach der Planung des Gebäudemanagements wird der Bau des autarken Erweiterungsbaus im Dezember 2020 fertig gestellt.
Mit ersten belastbaren Ergebnissen zum gesamten Sanierungskonzept des Altbaus wird nicht vor Ende 2018 gerechnet. agr
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