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01.08.2018

Viele Besucher wollen Mondfinsternis sehen


Viele Besucher hatten sich mit Stühlen, Ferngläsern und Getränken auf die Ankunft des „Blutmondes“ vorbereitet. HT-Foto: Stephan Korfe
Mehr als hundert Menschen folgten der Einladung zum gemeinsamen Astro-Erlebnis.

Haan – Nachdem der Hagebaumarkt am Freitag, 27. Juli, geschlossen hatte, füllte sich der Parkplatz langsam wieder mit Menschen. Mit Menschen, die Klappstühle und Kameras aus Autos luden. Mit Menschen, die mit dem Hund oder dem Fahrrad gekommen waren, und Menschen aus der Nachbarschaft, die sich ganz spontan zum „Gucken“ entschlossen hatten.
Alle waren der Einladung von Hobby-Astronom Folke Schmelcher gefolgt, um die längste Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts mitzuerleben. „Ehrlich gesagt hätte ich nicht erwartet, dass so viele Menschen kommen würden,“ staunte Schmelcher, der bald eine lange Schlange vor seinen Teleskopen zählen konnte.
Aber ganz offensichtlich hatte das astronomische Ereignis eine solche Anziehungskraft ausgelöst, dass man bis zum Einbruch der Dunkelheit mehr als 100 Personen auf dem Parkplatz zählen konnte. Und manche von ihnen hatten sich sogar aufwendig vorbereitet.
Marlene Altmann etwa, die mit Tischchen, Tischdecke, Rotwein, Crackern, Käse, eingelegten Gurken und außerdem noch mit einem Fernglas gerüstet, auf den Mond wartete. „Ich bin damals extra von Haan nach Karlsruhe gefahren, um die Sonnenfinsternis damals zu sehen, aber dann war sie im Nebel nicht zu erkennen“, erzählt sie. „Dann bin ich mit meinen Sachen weiter nach Saarlouis und da hat es dann geklappt!“
Kein Wunder also, dass sie sich auch die totale Mondfinsternis nicht entgehen und für alle Eventualitäten gewappnet sein wollte.
Andere, wie Niklas zum Beispiel, hatten weniger Aufwand betrieben, waren jedoch nicht minder begeistert. „Ich finde es toll, dass man einmal die Chance hat, den Mond inklusive ‘Spezialeffekte‘ zu sehen“, sagte der Schüler. Einmal meinte er damit das Ereignis an sich. Außerdem spielte der Schüler natürlich noch auf die rötliche Färbung des Mondes an. Hielt man diese geheimnisvolle Rotfärbung früher für ein Zeichen der Götter, weiß man heute, dass Lichtbrechungen in der Erdatmosphäre für Farbe sorgen. Dabei werden die kurzwelligen blauen Lichtwellen der Sonne in der Erdatmosphäre vollständig gestreut, während die langwelligen roten Wellen gebrochen und zum Mond abgelenkt werden. Dadurch erscheint der Mond rötlich.
Aber erst einmal erschien der Mond am Freitag eine lange Zeit gar nicht. Erst ganz allmählich, als es auf dem Parkplatz dunkler wurde - die Laternen blieben zum Glück ausgeschaltet - konnte man die Mondscheibe verschwommen rötlich schimmernd hinter dem Baumarktgebäude aufsteigen stehen.
„Ein Teleskop braucht man dafür ja nicht“, sagte Folke Schmelcher. „Aber für den Mars, um da vielleicht die Polkappen zu sehen!“
Denn das war das zweite besondere Himmelsereignis an diesem Freitagabend. Der Mars stand der Erde so nahe wie seit 15 Jahren nicht mehr. Und der Rote Planet sollte etwas tiefer, unterhalb der Mondbahn, zu sehen sein. Doch trotz Ferngläsern, Kameras und Teleskopen ließen sich beide Himmelskörper zusammen, noch dazu in Rot, nur erahnen.
Entsprechend ratlos waren denn auch die Ausrufe der Zuschauer: „Ist das jetzt der Mars?“ - „Ist das die rote Leuchtschrift vom Hagebaumarkt?“ - „Ist das die ISS?“ oder auch: „Ich hatte mir das jetzt irgendwie spektakulärer vorgestellt.“
Ob „spektakulär“ oder nicht, immerhin war es am Freitagabend mit 103 Minuten die längste totale Mondfinsternis in diesem Jahrhundert – die nächste - und dazu noch drei Minuten längere - wird es laut dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erst wieder am 9. Juni 2123 wieder geben. sk
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