Klaus Wiener ist schon in Berlin – Haaner Treff

Klaus Wiener ist schon in Berlin

Direktmandat geht wieder an einen Politiker aus Haan.

Von Knut Reiffert
Das Bundestagsdirektmandat für den Wahlkreis 104 (Mettmann I) bleibt in Haan. Dr. Klaus Wiener folgt auf Michaela Noll. Beide wohnen in der Gartenstadt. Allerdings war es für Wiener am vergangenen Sonntag wie erwartet wesentlich knapper als für seine Vorgängerin, die bei den vier Wahlen zwischen 2005 und 2017 jeweils weit über 40 Prozent der Erststimmen für sich verbuchen konnte.
29,97 Prozent sind es für den 59-Jährigen, der sich schon am Montag auf den Weg in die Bundeshauptstadt gemacht hat und gestern die erste Fraktionssitzung auf dem Programm stehen hatte. „Als die Hälfte der Stimmen ausgezählt war, war ich mir sicher, dass es reicht“, blickt der selbsternannte „Quereinsteiger“ im Gespräch mit dem Haaner Treff auf den Wahlabend zurück. „Es war kontinuierlich zwei Handbreit Wasser unter dem Kiel“, beschreibt er den Vorsprung gegenüber seinen Mitbewerbern Christian Steinacker (SPD/24,91 Prozent) und Roland Schüren (Grüne/22,86 Prozent). AFD-Kandidat Martin Renner kommt auf 6,78 Prozent, zieht aber über die Landesliste wieder in den Bundestag ein.
„Es gibt ein lachendes und ein weinendes Auge“, beschreibt Wiener sein aktuelles Gefühlsleben. „Positiv ist, dass das Vertrauen der Wähler in mich zum Direktmandat gereicht hat.“ Negativ sei natürlich der Wahlausgang für die Union auf Bundesebene.
In Berlin will sich der Haaner entsprechend seiner beruflichen Kompetenz als Volkswirt einbringen: „Eine Mitarbeit in den Ausschüssen für Wirtschaft und Energie beziehungsweise Finanzen kann ich mir gut vorstellen.“ Andererseits findet er als miterziehender zweifacher Vater auch die Themen Bildung und Familie spannend.
Darauf, dass es künftig ein Wahlkreisbüro in Haan geben wird, will sich Wiener nicht festlegen. „Erstmal nutze ich die Infrastruktur von Michaela Noll in Mettmann mit der Nähe zur CDU-Kreisgeschäftsstelle und zum Landrat.“ Das sei aber nicht in Stein gemeißelt.
Ähnlich wie Klaus Wiener sieht auch Christian Steinacker den Wahlausgang mit gemischten Gefühlen – allerdings unter anderen Vorzeichen. „Trotz der Freude über den Gesamterfolg der SPD bin ich natürlich enttäuscht, dass es in einem seit Jahrzehnten von der CDU dominierten Wahlkreis so knapp nicht für das Direktmandat gereicht hat“, räumt er ein. Auch über die Landesliste wird der Mann aus Monheim-Baumberg den Einzug in den Bundestag um wenige Plätze verpassen.
Nach Berlin hat sich Steinacker gestern trotzdem aufgemacht – und zwar zu Fuß, um unter dem Motto „Christian geht nach Berlin“ Spenden für Sportvereine im Wahlkreis zu sammeln. „In den drei Wochen unterwegs werde ich mir auch Gedanken zu meiner weiteren politischen Karriere machen.“ Immerhin findet ja schon im Mai 2022 die Landtagswahl in NRW statt.
„Schade“, kommentiert Roland Schüren (Grüne) den Ausgang des Rennens um das Direktmandat gegenüber dem Haaner Treff. „Aufgrund der Resonanz, die ich an den Info-Ständen bekommen habe, hatte ich mehr erhofft.“ Darüber kann auch nicht hinwegtäuschen, dass Haan noch vor seinem Wohnort Hilden seine Hochburg war. Genau 60 Stimmen fehlen ihm in der Gartenstadt, um mit Klaus Wiener gleichzuziehen. In zwei der drei Gruitener Wahllokale lag Schüren sogar deutlich vor dem CDU-Direktkandidaten.
Die Unterstützung durch die Haaner, insbesondere durch den ehemaligen Bürgermeister Knut vom Bovert, sei sensationell gewesen, ist Schüren dankbar. „Ich werde den Grünen als einfaches Parteimitglied erhalten bleiben“, stellt er klar. „Aber ich habe von vornherein gesagt, dass die Themen, bei denen ich mich einbringen kann, im Bund spielen“, schließt er ein künftiges Engagement auf lokaler oder Landesebene aus. „Vielleicht noch in Europa. „Aber damit habe ich mich noch nicht beschäftigt.“

Wahlbeteiligung
81,42 Prozent der stimmberechtigten Haanerinnen und Haaner haben sich an der Bundestagswahl 2021 beteiligt. Im gesamten Wahlkreis 104 lag die Beteiligung bei 78,49 Prozent.

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