„Wasserstofftechnologie könnte der ‘Gamechanger’ werden“ – Haaner Treff

„Wasserstofftechnologie könnte der ‘Gamechanger’ werden“

Der Haaner Treff sprach mit Christian Untrieser (MdL) über
Bildung, Jugend und Wissenschaft.

Von Antje Götze-Römer
Haan – Dr. Christian Untrieser sitzt für den Wahlkreis Mettmann I für die CDU im Düsseldorfer Landtag. Der Haaner Treff führte mit ihm das Sommerinterview am Alten Markt in Haan.
Haaner Treff (HT): Die Pandemie hat uns alle viele Monate beschäftigt. Was konnte man daraus für die Bildungspolitik lernen?
Dr. Christian Untrieser (CU): Vor allem haben wir im vergangenen Herbst, als die Mutationen auftraten und sich schnell verbreitet haben, gelernt, dass wir für den kommenden Herbst nichts ausschließen können. Wir wissen alle noch nicht, was passiert. Darum ist Impfen besonders wichtig.
Wir haben aber vor allem festgestellt, wie wichtig Präsenzunterricht ist. Digitales arbeiten ist ein wichtiger Faktor und wir haben speziell auch in Haan eine sehr gute technische Ausstattung erreicht. Aber die Ausstattung darf keine Theorie bleiben.
HT: Wie wird den Lernrückständen bei Kindern und Jugendlichen entgegengewirkt?
CU: Die Zeit ohne Präsenzunterricht ist weder an den Lehrern noch an den Familien und speziell den Kindern spurlos vorbei gegangen. Aber wir wissen auch, dass es Kinder gibt, die es leichter hatten und solche, die es viel schwerer hatten. Es gibt verschiedene Ansätze dem entgegenzuwirken. Das Lernzeitprogramm „Extrazeit“ beispielsweise oder Lernangebote in den Ferien.
Vielleicht sollte ein Jahr länger in der Schule zu bleiben, aber kein Stigma mehr darstellen und wir müssen lernen entspannter mit absolvierten Schuljahren umzugehen. Ganz ehrlich: einen Arbeitgeber interessiert es doch überhaupt nicht, wie lange jemand die Schulbank gedrückt hat. Auch im Studium ist das völlig uninteressant. Die Wirtschaft möchte vor allem geeignete Mitarbeiter. Und Eignung definiert sich nicht über Schuljahre.
HT: Wir kann der Wirtschaft weiter unter die Arme gegriffen werden?
CU: Die Wirtschaft und das Arbeitsleben unterliegen einem ständigen Wandel, nicht nur zu Coronazeiten. Es ist gut, dass die Hilfen schnell bereitgestellt wurden und auch bei den Menschen angekommen sind. Fakt ist aber, dass die Wirtschaft unseres Landes funktioniert und die Mechanismen greifen. Wir haben eher das Problem, dass wir zu viel Arbeit für zu wenig Menschen haben. Die Gastronomie beklagt Personalmangel derzeit, weil ihre Kräfte Arbeit in anderen Branchen gefunden haben.
Das Zauberwort lautet wahrscheinlich Digitalisierung. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Zug bald schon ohne Lokführer auskommt, weil ein Computer dessen Arbeit übernommen hat. In der Pflege gibt es Bereiche, beispielsweise das Verteilen von Essen, der digitalisiert werden kann. In den USA gibt es bereits komplett digitale Gastrolösungen.
Gerade in der Gastronomie könnte die derzeitige Situation dazu führen, dass die Arbeitgeber den Weg finden zu Festanstellungen und höheren Löhnen.
HT: Sie sind seit kurzem in der Landtagsfraktion der Beauftragte für Wasserstoff und Wasserstofflösungen. Was hat Sie dazu motiviert dieses Amt anzunehmen?
CU: Wasserstoff ist der ‘Champagner der Energiewende’. Es gibt bereits viele Projekte in NRW und im Kreis Mettmann, die sich mit dieser Technologie beschäftigen. Wir haben den Landrat auch aufgefordert das der Kreis Mettmann dem Verband ‘Wasserstoffregion Rhein-Ruhr-Wupper“ beitritt.
HT: Dann setzen Sie also nicht völlig auf E-Mobilität?
CU: Nein, denn Elektroantriebe haben ihre Grenzen – mal ganz abgesehen von den Beschaffungsproblemen der Rohstoffe für die Batterien. Für schwere Fahrzeuge, Lkws oder Flugzeuge ist ein Antrieb mit Strom nicht geeignet. Auch Industriebetriebe könnten auf Wasserstofftechnologie setzen und wären dann wirklich 100 Prozent ökologisch. Wir brauchen eine Mittelweg.
Im Übrigen befinden sich auch in PCs und Smartphones kritische Rohstoffe.
Wir müssen verstärkt nachschauen, wo diese Rohstoffe herkommen. Beispielsweise wird Kobalt auch in Australien gefördert – und zwar ohne Kinderarbeit.
Sinnvoll ist eine sparsame Verwendung der Rohstoffe. Hier müssen Verfahren entwickelt werden, die helfen weniger Rohstoffe zu verwenden. Und dass diese dann auch in einem hinreichenden Maße recyclet werden können.
Ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft tolle Entwicklungen sehen werden und wir den intelligenten Umgang mit Rohstoffen schnell lernen werden. Wasserstoff könnte aber zum ‘Gamechanger’ werden, wenn es darum geht die Klimaschutzziele einzuhalten.
HT: Eine Frage zum Schluss: Stellen Sie sich 2022 wieder zur Wahl?
CU: Ja, auf jeden Fall, die Arbeit im Landtag macht mir sehr viel Spaß.