Friederike von Wiser verabschiedet sich vom städtischen Gymnasium – Haaner Treff

Friederike von Wiser verabschiedet sich vom städtischen Gymnasium

Nach 14 Jahren am Gymnasium Haan wird Friederike von Wiser zum 31. Juli pensioniert.

Haan – Fast 40 Jahre war Friederike von Wiser im Dienst. „Als ich in den Schuldienst eintreten wollte, wurden kaum Lehrer eingestellt. Für mich stand es aber außer Frage, dass ich Lehrerin werden wollte. Ich habe um eine Stelle gekämpft. Meine Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt. Ich habe diesen Beruf mit Leidenschaft ausgeübt. Die Arbeit mit Schülern und Schülerinnen ist einfach das Wertvollste, was es gibt. Ich würde diesen Beruf immer wieder wählen“, erzählt die engagierte Schulleiterin, die es liebt, Verantwortung zu übernehmen und Potenziale bei den Schülern zu erkennen und zu fördern.
Friederike von Wiser wurde 1956 geboren und wohnt in Essen. Vor ihrer Zeit als Schulleiterin am Gymnasium Haan mit seinen 830 Schülern hat sie am Gymnasium Hochdahl als stellvertretende Schulleiterin gearbeitet. Davor war sie über 20 Jahre Lehrerin für Mathematik und Geografie an einem Essener Gymnasium.
„2007 bin ich ans Haaner Gymnasium gekommen. Schon damals ist das eine sehr lebendige Schule gewesen. Auf dem alten Grundstein, der beim Abriss des alten Gebäudes gefunden wurde, stand als Leitsatz, dass die Schüler in demokratischer Freiheit ausgebildet werden sollen“, erklärt Friederike von Wiser. Der europäische Gedanke sei immer gepflegt worden.
Daher sei sie besonders stolz gewesen, als das Gymnasium im Dezember 2013 als Europaschule zertifiziert wurde. Weitere Highlights seien in jedem Jahr die Einschulung der neuen Fünftklässler und die Verabschiedung der Abiturienten gewesen, auch als der erste Bagger mit seiner Arbeit begonnen habe und die Robotik-AG Vizeweltmeister wurde. Vor allem habe sie die vielen schönen kleinen Momente und Begegnungen geschätzt, Gespräche mit Schülern, Lehrern und Eltern.
Haben sich die Schüler seit Beginn ihrer Tätigkeit geändert? „Die Moden haben sich geändert und die Digitalisierung ist natürlich stark geworden. Das, was Jugend ausmacht, die Unbeschwertheit, das starke Gerechtigkeitsempfinden und die Direktheit sind gleich geblieben.
In den letzten Jahren sind die Schüler sehr viel lernwilliger geworden, der Wunsch nach internationalen Kontakten ist ausgeprägter, die Schüler sprechen viel besser Englisch“, hat Friederike von Wiser beobachtet.
Die Schule sei zu einem Lebensraum geworden, gerade in einer kleinen Stadt wie Haan. „Schule ist mehr als nur eine Stätte der Wissensvermittlung. Hier werden so viel mehr Kompetenzen ausgebildet. Das hat sich noch einmal besonders in der Zeit der Pandemie gezeigt. Schule ist toll, Schule ist ein Kosmos“, schwärmt die Schulleiterin.
Sie habe eine sehr intensive Zeit am Haaner Gymnasium erlebt: „Ich habe viele Menschen kennengelernt und mit vielen unterschiedlichen Menschen gearbeitet. Das ist es, was mich am meisten schmerzt, der Abschied von den Menschen – den Schülern, den Lehrern und den Eltern“, bedauert die Schulleiterin. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Haan sei ausgezeichnet gewesen.
Gibt es auch etwas, das sie nach der Pensionierung nicht vermissen wird? „Ja, die Fahrerei. Ich habe jeden Morgen um 6.30 Uhr das Haus verlassen und war selten vor 20.30 Uhr wieder zu Hause“, erklärt Friederike von Wiser, die selbst keine eigenen Kinder hat.
Besonders das letzte Jahr sei eine besondere Herausforderung gewesen: „Ich war immer in Sorge, dass sich ein Schüler oder Lehrer infiziert, was glücklicherweise nicht oft vorgekommen ist. Es war aber immer eine hohe Anspannung. Ich wünsche allen Schülern und Lehrern, dass das Virus bald besiegt sein wird“.
Nach ihrer Pensionierung möchte Friederike von Wiser erst einmal Ferien machen. „Ich bin Hobbyruderin, dafür werde ich jetzt mehr Zeit haben. Und ich möchte gern Osteuropa besser kennenlernen. Besonders Odessa reizt mich“, erzählt Friederike von Wiser, die sich auch in der Unterstützungsagentur „Qua-lis“ engagiert.
Wegen der Pandemie wird es keine Abschiedsfeier geben. Das 85-köpfige Kollegium hat seiner Chefin stattdessen eine Schatzkiste mit selbst gefertigten Geschenken wie Marmeladen, Chutneys und Handarbeiten, Büchern und Spirituosen gefüllt.
Die Stelle des Schulleiters wird nahtlos nach den Sommerferien neu besetzt sein. Der Rat hat in seiner Sitzung am Dienstag, 29. Juni, bereits ein einstimmiges Votum für eine Person ausgesprochen. sus