Lions-Club verkauft Hochwasserwein – Haaner Treff

Lions-Club verkauft Hochwasserwein

Nach einer Spende an den BVV für die Gruitener Opfer soll nun Menschen an der Ahr geholfen werden.

Haan – Weil die Haaner Kirmes pandemiebedingt nicht stattfindet, kann der Lions Club Haan auch seinen beliebten Lions-Kirmes-Weinstand vor der Stadt-Sparkasse nicht durchführen.
Stattdessen hat deren Präsident Ralf M. Kronenberg über eine ehemalige Schulfreundin, die ein altes historisches Weingut in Bad Neuenahr betreibt, 840 Flaschen hochwertigen Flutwein gekauft. Diesen wird der Haaner Lions Club nun am Samstag, 11. September, von 10 bis 14 Uhr vor der Stadt-Sparkasse an der Kaiserstraße zum Selbstkostenpreis verkaufen. „Wir bleiben also beim Thema Wein und helfen, nach der bereits erfolgten großzügigen Unterstützung an die Haaner Flutopfer nun den leidtragenden Personen an der Ahr“ erklärt Kronenberg. Optional kann bei der Verkaufsaktion auch eine Lions-Spendenbox befüllt werden. Mit diesen Spendeneinnahmen werden lokalen Projekte in Haan finanziert.
Alles, was in den tiefen Kellern des Weingutes Peter Lingen lagerte, ist kaputt oder voller Schlamm. Vinothek, Verkaufsraum und Lager standen 2,20 Meter unter Wasser. „Vier Autos sind weggeschwommen, gottlob sind uns die Traktoren geblieben“, sagt Tanja Lingen, aus Solingen stammende Winzerin und eines der vielen Flutopfer an der Ahr.
Der Liebe wegen zog sie, die ihre Jugend in der Klingenstadt verbrachte, vor über 20 Jahren nach Bad Neuenahr. Tanja Griep heiratete Peter Lingen und zog damit in eines der ältesten Weingüter der Region. „Seit dem 16. Jahrhundert wird in unserer Familie Weinbau betrieben“, sagt die ehemalige Solinger Hockeyspielerin.
Die Weinmacherei sei eine Berufung, der auch die beiden Söhne Niklas (17) und Jan (19) folgen wollen. „Der Jüngere will Winzer werden, der Ältere Weinwirtschaft studieren“, sagt die Mutter stolz und begründet damit, warum die Lingens auch nach dieser Katastrophe nicht ans Aufgeben denken.
Wohl auch, weil die Menschen an der Ahr eine unglaubliche Hilfsbereitschaft erfahren haben. Wildfremde boten Hilfe an. Wenige Stunden nach der Flut standen acht Wehrmänner der befreundeten Feuerwehr aus Nußdorf am Bodensee vor der Tür und begannen mit Schmutzwasserpumpen die Keller der Lingens leer zu pumpen. Mehr noch: Ein junger Winzer aus dem verschonten Hochheim half erst auf dem Hof der Lingens, schnappte sich dann die Kisten des für Haan bestimmten Weines und spülte die 840 Flaschen durch und etikettierte sie. Das Etikett auf der Weinflasche zeigt das Weingut des Hochwasser-Weines.
Mit dem Erwerb könne man allmählich die Schäden der Flut bewältigen. Dabei helfen wollen nun die Mitglieder des Lions Club Haan. Die hatten kurz nach der Katastrophe schon spontan an den Bürger- und Verkehrsverein Gruiten zugunsten der lokal betroffenen Familien eine Spende geleistet.
Jetzt packen sie erneut an: „Durch dieses Hochwasser ist es zu vielen menschlichen Katastrophen gekommen, wir sehen aber zum Glück, wie durch die Solidarität an vielen Stellen geholfen wird. Mit dem Kauf des Weines und den Spenden können die Haaner Bürger gleich doppelt helfen“, meint Ralf M. Kronenberg.
Die Haaner Lions-Mitglieder werden den Wein am Samstagvormittag zum Preis von zehn Euro pro Flasche abgeben, allerdings und nur im Dreier- oder Sechserkarton vorsortiert.
So könnten mehr als 8.000 Euro für die Flutopfer zusammenkommen. Damit wieder aufgebaut werden kann, was das Wasser kaputt gemacht hat. So, wie an der Ahr bei der Winzerfamilie Lingen. Wie sie nass auf dem Balkon standen nachdem im Nachbarhaus eine Frau im Keller ertrunken und ihr Mann vom Wasser weggerissen worden war, daran erinnert sich Tanja Lingen wohl ihr Leben lang. „Und an dieses Rauschen, doch als dann gegen drei Uhr morgens das Wasser nicht mehr stieg, blieb immer noch diese Angst“, sagt die Solinger Winzerin. red