07.08.2019

Kantor praktiziert Marathon an der Orgel


Frederik Punsmann sammelt Spenden für die neue Orgeltruhe. HT-Foto Susanne Schaper
Frederik Punsmann, Kantor der Haaner Katholiken, spielte zwölf Stunden lang auf der Orgel.

Haan “ Der Hintergrund für diese ungewöhnliche Aktion ist die Finanzierung einer neuen transportablen Orgeltruhe, für die vor Ort gespendet werden konnte. Kantor Frederik Punsmann hatte Lieder aus dem „Gotteslob“, dem gemeinsamen Gebet- und Gesangbuch der katholischen Bistümer gewählt, die die Gemeinde und interessierte Gäste durch das Kirchenjahr führten.
Den Anfang machten am Freitag, 2. August, um 9 Uhr die Lieder Nummer 81 bis 102, „Morgen, Mittag und Abend“, um 10 Uhr dann der „Sonntag und die Messgesänge“, bevor um 12 Uhr Advents- und 13 Uhr Weihnachtslieder gespielt wurden. Fastenzeit, die „Feier der Heiligen Woche“, Osterzeit, Christi Himmelfahrt und Pfingsten waren dann um 15, 16, 17.30 und 19 Uhr an der Reihe, bevor der Orgelmarathon von 20 Uhr bis 21 Uhr mit dem „Leben in Gott“ endete.
Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Mitsingkonzert kam Frederik Punsmann, als er überlegte, wie die neue Orgeltruhe für die Gemeinde finanziert werden könnte. „Ein Marathonlauf kam nicht in Frage, das hat zu wenig mit der Kirche zu tun. Da bin ich auf die Idee gekommen, zwölf Stunden lang Orgel zu spielen und interessierte Menschen zum Mitsingen und Spenden einzuladen“, erzählte der Kantor im Gespräch mit dem Haaner Treff.
Neuneinhalb Stunden hatte Frederik Punsmann zu diesem Zeitpunkt schon gespielt und gerade erst vier kurze Pausen gemacht. Kleine Snacks und Getränke hatte er vorab auf der Orgel platziert. „So lange habe ich noch nie am Stück Orgel gespielt. Klar tun mir der Rücken und die Arme weh und morgen habe ich bestimmt Muskelkater. Aber die Muskeln und Sehnen in den Händen sind in Ordnung“, gab der Organist zu.
Die Resonanz auf das Mitsing-Konzert war absolut positiv. „Ich habe in der Zeitung davon gelesen. Ich singe selbst im Gospelchor ˜Auftakt™ und finde Kirchenmusik gut. Es ist klasse, wenn sich jemand so für ein Ziel engagiert und darum ist es für mich sofort klar gewesen, dass ich dabei bin und auch spende“, erzählte Hildegard Hufschmidt, die mit ihrem Lebensgefährten Detlef Niepenberg aus Hilden gekommen war.
Romy Becker besuchte die Kirche an diesem besonderen Freitag sogar dreimal: „Da ist so viel Idealismus hinter dieser Aktion, da wollte ich unbedingt dabei sein und das anerkennen. Ich bin schon ganz erschöpft vom Singen und brauche erstmal eine Pause. Ich werde um 20 Uhr wieder dabei sein, um auch am Ende mitzusingen“, erzählte die Sängerin, die Chormitglied im „Kirchenchor Cäcilia“ ist.
Während des Tages war die Kirche immer besucht, in Spitzenzeiten mit 16 bis 17 Menschen, teilweise wurde Kantor Frederik Punsmann auch nur von ein bis zwei Sängern unterstützt. Einige Gäste kamen gezielt für bestimmte Themen. „Es waren Leute hier, die wollten unbedingt mal Weihnachtslieder im August in der Kirche singen“, schmunzelt Frederik Punsmann.
Rund 19.000 Euro kostet die neue Orgeltruhe. Sie soll die beiden großen Instrumente in den beiden katholischen Kirchen in Haan und Gruiten ergänzen. Die großen Orgeln eignen sich hervorragend, um sämtliche Orgelmusik seit etwa Johann Sebastian Bach zu spielen. Für das Repertoire des Neuen Geistlichen Liedes und des Gospels gibt es in jeder Kirche elektrische Pianos. Was bislang fehlt, ist ein Instrument, mit dem noch ältere Musik vor allem mit Ensembles und Chören musiziert werden kann. Diese Lücke soll die Orgeltruhe schließen: Sie leicht transportabel, wartungsarm, stimmbar und sehr klangschön. Die lässt sich als Begleit- als auch als Soloinstrument einsetzen.
Mehr als 600 Euro konnte der engagierte Musiker mit seiner Aktion in bar einnehmen, etwa das Doppelte wurde per Überweisung gespendet. Spenden sind auch weiterhin möglich. sus
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