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05.06.2019

Betroffene helfen Betroffenen


Dr. Kirsten Reiter und Dr. Thomas Ehmann (r.) begrüßen es sehr, dass die Selbsthilfegruppe jetzt in den Räumen des Haaner Krankenhaus angeboten werden kann, ebenso wie der Regionalsprecher des Vere
Der Verein ILCO hat seit drei Monaten eine Selbsthilfe-Gruppe für Stoma-
Patienten in Haan.

Haan - Michael Schmidt dürfte den Haanern, die bis vor rund zwei Jahren Kunden des Haaner Reformhauses waren, bestens bekannt sein. Jahrelang hat er das Geschäft am Neuen Markt geführt, dann ging er in den Ruhestand. Oder sollte man besser Unruhestand sagen?
Eine Darmkrebserkrankung im familiären Umfeld von Schmidt hat ihn in Kontakt mit dem Verein ILCO gebracht, der mit rund 7.000 Mitgliedern ein der größten Selbsthilfevereinigungen Deutschlands ist, und deren Regionalsprecher für das Bergische Land er jetzt ist.
Bei ILCO handelt es sich um eine Solidargemeinschaft von Menschen mit künstlichem Darmausgang (Stomaträger), von Menschen mit Darmkrebs sowie deren Angehörigen. Bundesweit gibt es rund 300 Gruppen, in denen sich Betroffene persönlich austauschen können. In der Region Bergisches Land gibt es nach Gruppen in Solingen, Remscheid, Wuppertal und Velbert nun in Haan eine fünfte Gruppe, die sich einmal im Monat trifft, um sich persönlich austauschen zu können. Der Name ILCO setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben der medizinischen Bezeichnungen Illeum (Dünndarm) und Colon (Dickdarm).
Seit etwa drei Monaten finden die Treffen der Haaner Gruppe jeweils am vierten Mittwoch im Monat von 16 bis 17 Uhr im Multifunktionsraum des St. Josef Krankenhauses an der Robert-Koch-Straße statt. Dort besteht die Möglichkeit mehr über die eigene Erkrankung zu erfahren, sich zum Thema Rückverlagerung des Stomas auszutauschen oder Gleichbetroffene kennenzulernen. Oft werden auch Referenten eingeladen, die zu Themen informieren, die sich die Gruppenteilnehmer gewünscht haben. „Die Selbsthilfevereinigung möchte Stomaträgern und Darmkrebspatienten zur Seite stehen, damit sie möglichst gut und selbstbestimmt mit ihrer Krankheit oder dem Stoma leben können“.
„Die permanenten Stomata sind aber seltener geworden“, weiß Schmidt. Das bestätigen auch Dr. Thomas Ehmann, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im St. Josef Krankenhaus, und Oberärztin Dr. Kirsten Reiter. „Die temporären Stomata werden nach einer Zeit von sechs bis acht Wochen und acht Monaten wieder rückverlegt. Bei manchen Krankheitsbildern allerdings sei dies nicht möglich“, erklärt Dr. Ehmann.
In Deutschland tragen etwa 150.000 Patienten ein Stoma, an Darmkrebs erkranken jährlich rund 60.000 Patienten. „Das ist mit die häufigste Krebserkrankung in Deutschland“, weiß Ehmann, gleichwohl durch Vorsorge mittels Darmspiegelung und die daraus möglicherweise resultierende Entfernung von Polypen im Darm als Vorstufe der Erkrankung die Entstehung eines Karzinoms in den vergangenen Jahren um rund 20 Prozent gesenkt werden konnte.
„Dickdarmkrebs bleibt oft sehr lange symptomlos. Wird er aber im Frühstadium entdeckt, ist er fast immer heilbar“ sagt der Chefarzt, aber er weiß auch, dass Darmkrebs einen tückischen Krankheitsverlauf hat. „Er verursacht lange Zeit keine Schmerzen oder sonstigen Symptome und wird daher oft zu spät erkannt“. Daher rät Ehmann auch dazu die Möglichkeit einer Darmspiegelung in Anspruch zu nehmen. Sie kann ab einem Alter von 55 Jahren von gesetzlich Versicherten zweimal im Abstand von 10 Jahren in Anspruch genommen werden.
Alternativ zur Darmspiegelung können gesetzlich Versicherte alle zwei Jahre einen Test auf verstecktes Blut im Stuhl durchführen lassen. Versicherte zwischen 50 und 54 Jahren haben einmal im Jahr Anspruch auf diesen Test. Wird eine Erkrankung erkannt, ist der nächste und wichtigste Schritt die operative Versorgung, bei der möglicherweise auch ein Stoma eingesetzt wird.
„Wir freuen uns sehr, dass uns das St. Josef Krankenhaus kostenfrei die Räumlichkeiten für unsere Gruppentreffen zur Verfügung stellt“, sagt Michael Schmidt, der an dieser Örtlichkeit vor allem die Nähe zu den Fachärzten schätzt. agr
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