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28.08.2019

Umweltverschmutzer gefährden Leben


Hans-Joachim Friebe, Sven M. Kübler und Carsten Bröcker sind entsetzt über den Fund an der Gruitener Umgehungsstraße. HT-Foto: Antje Götze-Römer
Wenn Müll in den Mägen von Tieren landet, kann dies zu lebensgefährlichen Verletzungen führen.

Haan - In der Nachbarstadt Solingen hat die Verwaltung einen ganz besonderen Weg im Umgang mit wilden Müllkippen gefunden: Wer dort Müll illegal in Grünanlagen oder an anderen dafür nicht vorgesehenen Stellen entsorgt, muss künftig damit rechnen, dass diese wilde Kippe „ausgeschildert“ wird: „Mensch, ist das Kunst oder kann das weg?“ heißt es dann von großen Plakaten an der Abladestelle für ein paar Tage.
Dies ist Teil einer Kampagne, bei der Bürger dabei mithelfen sollen, die Stadt sauberer zu halten. Dabei geht es darum, die wilden Müllkippen zu melden oder Dreckecken und Schmierereien selbst zu beseitigen.
Der Gruitener Hans-Joachim Friebe kannte diese Kampagne nicht, gleichwohl aber ist er als Bürger und Landschaftswärter aktiv geworden und hat am vorvergangenen Wochenende auf einer Strecke von nur 200 Metern an der Umgehungsstraße in Gruiten den Unrat sogenannter Mitmenschen aufgesammelt. Pfandflaschen, Feuerzeuge, Plastik in allen möglichen Variationen, Getränkedosen und jede Menge Zigarettenkippen hat Friebe gesammelt. Die fragwürdigen Fundstücke hat er auf einem Weg in Gruiten zu einem Kunstwerk drapiert. Es stellt ein Grabmal dar, in Form eines Kreuzes, auf dem Altar liegen die unzähligen Feuerzeuge. Restmüll in Tüten flankiert die Installation. „Es ist erschreckend, wie mit unserer Umwelt umgegangen wird. Bares Geld wird einfach aus dem Autofenster geworfen. Das ist auch ein Zeichen des Werteverfalls“, empört sich Friebe über die Umweltsünder. Immerhin: Nur ein einziger weggeworfener Zigarettenstummel verseucht satte 40 Liter Trinkwasser.
Einen ganz anderen Aspekt beleuchtet Landwirt Carsten Bröcker. Er bewirtschaftet auf Haaner und Wuppertaler Gebiet einige hundert Hektar Ackerfläche, vornehmlich um Futter für seine Rinder anzubauen. Auch er hat mit wildem Müll zu kämpfen. Während Hans-Joachim Friebe am anderen Ende von Gruiten Wohlstandsmüll aufgesammelt hat, entdeckte der Landwirt auf einem seiner Äcker „wieder einmal“ Rückstände einer nächtlichen Party: Bierflaschen, Plastikverpackungen, Getränkedosen und vor allem Glasscherben. „Wenn das Gras auf dem Acker hoch steht, ist dieser Unrat nicht mehr zu erkennen und gelangt so nicht nur in die Erntemaschinen, sondern auch in die Mägen meiner Rinder. Kleinste Plastik-, Metall- und Glasstückchen gelangen so in unsere Fleischproduktion. Die wird natürlich geprüft und kann bei so einem Fund nicht mehr verkauft werden“, erklärt Bröcker.
Noch schlimmer als der Umsatzverlust sei aber die Tatsache, dass die Tiere verenden, wenn sie scharfe Gegenstände fressen. „Das Rind ist ein Wiederkäuer und wenn mehrfach ein Stück von einer Getränkedose durch die Verdauungsorgane der Tiere wandert, kann man sich denken, was dann passiert“, sagt Carsten Bröcker. Durch das Metall werden die Tiere quasi von innen aufgeschlitzt und verbluten dann. Es wird Zeit, dass die Menschen mal nachdenken, bevor sie achtlos etwas wegwerfen. agr
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