24.07.2019

„Die Erinnerung muss lebendig bleiben“


Paul Zimmermann vom Bergischen Geschichtsverein Haan enthüllte am vergangenen Samstag feierlich ein Legendenschild am Von-Stauffenberg-Weg. HT-Fotos (2): Antje Götze-Römer
Vor 75 Jahren scheiterte Graf von Stauffenberg mit seinem Attentat auf Hitler.

Haan - „Wir ehren an diesem Tag den Widerstand, nicht die Person von Stauffenberg“, betonte der Vorsitzende des Bergischen Geschichtsvereins Haan (BGV), Paul Zimmermann. Am Samstag, 20. Juli, enthüllte er in Anwesenheit gut eines Dutzends interessierter Bürger, Vertreter von Parteien und Fraktionen sowie der Stadtarchivarin Birgit Markley ein sogenanntes Legendenschild am Von-Stauffenberg-Weg.
Genau 75 Jahre zuvor war Claus Schenk Graf von Stauffenberg darin gescheitert mittels eines Attentats auf Hitler dem Terrorregime in Deutschland ein Ende zu machen. Nur wenige Stunden später wurde er im Hof des Berliner Bendlerblocks standrechtlich erschossen. Auch dort, dem heutigen Zweitsitz des Bundesministeriums für Verteidigung und Ort einer Gedenkstätte Deutscher Widerstand, fand am vergangenen Samstag eine Gedenkfeier statt.
Dass Zimmermann betonte, dass nicht der Person von Stauffenbergs, sondern des Widerstandes gedacht wird, kommt nicht von ungefähr - von Stauffenberg war nämlich durchaus kein Demokrat. Zunächst begrüßte er 1933 sogar die Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler, wurde jedoch während des Zweiten Weltkriegs eine der bekanntesten Persönlichkeiten des militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Graf von Stauffenberg war „ein glühender Patriot, ein leidenschaftlicher deutscher Nationalist“und unterstützte zunächst die nationalistischen und revisionistischen Aspekte des Nationalsozialismus, bevor er den verbrecherischen Charakter der nationalsozialistischen Diktatur erkannte und auch wegen der Aussichtslosigkeit der militärischen Gesamtlage des Deutschen Reiches nach Stalingrad zum aktiven Widerstand fand.
All dies lässt sich freilich nicht nachlesen auf dem neuen Legendenschild, aber sehr wohl gibt es Hinweise auf die Person von Stauffenberg.
Der stellvertretende Bürgermeister Jens Niklaus würdigte die Aktion des Geschichtsvereins als „eine sehr gute Initiative - gerade an diesem Tag“. Oft vergesse man, dass Straßenschilder mehr sind als nur eine Adresse, sonder auch historische Dokumente. Die Anbringung des Legendenschildes sei eine „Würdigung gegen das Vergessen“.
Genau das möchte der Bergische Geschichtsverein erreichen. „Die Erinnerung muss lebendig bleiben“, sagt Paul Zimmermann und erklärte, dass der BGV sich dafür einsetzen möchte, die den Straßen ihren Namen gebende Person und ihre historische Relevanz zu erklären und so einen Beitrag zur Stärkung der Erinnerungskultur zu leisten.
„Gerade die Widerstandsbewegung hat viele Namen hervorgebracht, beispielsweise die Geschwister Hans und Sophie Scholl oder Ludwig Beck“, sagte Zimmermann. Auch die Geschwister Scholl wurden hingerichtet, ebenso wie Ludwig Beck, der am Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 beteiligt war. Und auch ihnen sind Straßen in Haan gewidmet - gegen das Vergessen. Immerhin sei es heute bereits wieder so weit, dass Rechtsextreme hervortreten, Journalisten, Politiker und Ehrenamtler bedrohen und massiv angehen. „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem es kroch“, zitierte Zimmermann Berthold Brecht.
Das Legendenschild am Von-Stauffenberg-Weg ist nicht das erste in Haan. Die Haaner Heimatfreunde haben bereits welche im Stadtgebiet installiert, ebenso wie sich in Gruiten Legendenschilder mit lokalem Bezug finden. „Die Schilder des BGV sind eine hervorragende Ergänzung“, sagte Wilfried Pohler von den Haaner Heimatfreunden.
Derweil nimmt das Stadtarchiv (Telefon 02129/911118) für den BGV noch Ideen entgegen, wo weitere Legendenschilder montiert werden könnten. Die Kosten von rund 100 Euro werden über den BGV finanziert. agr
Zurück