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03.07.2019

Klimaschützer klettern auf Bäume


60 Teilnehmer protestierten am vergangenen Wochenende gegen die Abholzungspläne und informierten sich über den Wald. HT-Foto: Dirk Lotze
Kundgebung der Gruppe „Osterholz bleibt“ informierte über Pläne der
Kalkwerke.

Gruiten - Mit Transparenten in den Händen und mit einem überraschenden Auftritt von Kletterern in den stattlichen Bäumen gestaltete die Wald- und Klimaschutzgruppe „Osterholz bleibt“ ihre erste Demonstration.
Gut 60 Teilnehmer richteten sich dagegen, Bäume abzuholzen und Abraumhalden zu erweitern. Die Runde bei Habbach nahe Gruiten und Schöller führte Sonntag, 30. Juni, an den Rand der Kalkwerke Oetelshofen.
Anwohnerin Marjolein Schlüter von der Organisatoren-Gruppe erklärte: „Wenn wir das Vorhaben nicht heraus bekommen hätten, wäre es durchgewunken worden. Dann wären die Menschen hier einfach mit der Rodung konfrontiert worden.“
Die Kalkwerke brauchen mehr Haldenplatz als erwartet, wenn sie den Kalk abbauen wollen wie geplant. Den lehmigen und sandigen Abfall aus der Förderung in einem Steinbruch zwischen zu lagern, würde die Kosten erhöhen, sagt die Firma. Auf den Halden könne er liegen bleiben.
Den Anträgen zufolge braucht Oetelshofen knapp zwei Hektar zusätzliche Waldfläche in Haan, drei Hektar in Wuppertal. Später will die Firma wieder aufforsten. Derzeit geben die Städte Haan und Wuppertal ihre Stellungnahmen ab, ebenso die Kreisverwaltung. Laut Planern werden für das Projekt Wanderwege nicht zerschnitten. Mehrere passieren das Gebiet allerdings in geringem Abstand.
Die Demonstration von „Osterholz bleibt“ zog über den Eulenkopfweg, gut 50 Meter von der Grube entfernt. Neanderlandsteig und Panoramaradweg Niederbergbahn verlaufen in Sichtweite. Teilnehmer kommentierten, wie spürbar der Wald die Hitze mildert.
Diana Lantzen, in Haan aufgewachsen, sagte: „Waldschutz ist Klimaschutz. Man kann bestimmt andere Wege finden, was den Kalk betrifft. Wir müssen doch nicht einen Wald abholzen, der unser Klima schützt.“
„Osterholz bleibt“ hat sich in den vergangenen Wochen weit vernetzt - mit Aktivisten des Hambacher Walds, die gegen eine Abholzung für RWE protestieren, und mit der Wuppertaler Stadtpolitik.
Stefan Kottas, früher Bundestagskandidat der Piratenpartei, erläuterte die Halden-Pläne. Über die Bäume sagte er: „Dieser Wald musste 120 Jahre wachsen, um so hoch zu werden.“ Oliver Graf (Piraten/ Ratsmitglied der Grünen-Fraktion in Wuppertal) fügte hinzu: „Mit Ausgleichsmaßnahmen ist das nicht zu ersetzen.“
Die Stellungnahme Wuppertals mit geringen Einwendungen gegen das Projekt könne man nur ablehnen. Seine Einschätzung: „Das Einzige, das etwas bewegen kann, ist Öffentlichkeit herzustellen. Und dabei sind wir auf einem guten Weg.“
Die Kletterer beteiligten sich diesmal eher als Fotomotiv denn als entschlossene Baumbesetzer. Auf dem Waldweg unter den Transparenten wurde angeregt diskutiert. Till Iseke vom Unternehmen bezog im Oetelshofen-Shirt Position: „Ich bin nicht hier, um Firmenmeinung nachzusprechen. Das hier ist mir ein Anliegen. Ich finde persönlich gut, dass Leute sich interessieren, für das, was in der Umgebung passiert. Hier werden sehr kritische Fragen gestellt und es wird heiß debattiert. Das würden wir deutlich mehr brauchen. Was mich stört, ist eine einseitige Betrachtung von komplexen Themen.“
Das Komplexe sei der Kalk, erläuterte Iseke: „Unser Unternehmen produziert Dinge, die jeder Mensch ganz dringend braucht und jeden Tag benutzt. Würden hier Diamanten produziert, die man nicht unbedingt braucht, dann würde es mir nicht so leicht fallen, hier zu stehen und zu argumentieren. Die Leute informieren sich nicht, was Kalk ist.“ Der Kalkstein aus Schöller dient als Baustoff, Füllmaterial, in der Rauchgasentschwefelung, in Chemie, der Eisen-, Stahl-, und Nichteisenindustrie.
Iseke fügte hinzu: „Den Wald roden wir natürlich nicht aus Spaß. Wir wollen das Material, das bei unserer Produktion entsteht, lagern und dann wieder aufforsten. Es geht also um unseren Abfall.“ Manche würden gern Müll dazu sagen, das sei halt „eine Begrifflichkeit“. Der Fachbegriff: „Gering belastete, mineralogische Abfälle.“
Als Zuschauerin kommentierte Landwirtin Ilona Finger, ihr Anliegen sei der Wasserhaushalt in dem Gebiet: „Wir brauchen Reserven. Wir hatten letztes Jahr keinen Wasserdruck mehr. Ich hoffe, dass wir jetzt nicht einen tobenden Mob hier hin bekommen, sondern dass wir qualitativ etwas erreichen.“
Von einem Mob kann vorerst keine Rede sein. Mehrere Familien beteiligten sich, die Polizei meldete „keine Vorkommnisse.“ Eine Frau musste vorübergehend zur Wache nach Hilden mitkommen, um ihre Personalien zu klären. Zwei weitere Personen sollen vor Ort kontrolliert worden sein.
Mit-Organisatorin Schlüter zog ein gemischtes Fazit: „Es sind ein paar Nachbarn gekommen. Ich hoffe, dass die anderen jetzt auch merken, dass es eine Möglichkeit gibt, sich zu widersetzen. Ich bin auf sehr viel Widerstand gestoßen, auch in der Politik. Das ist für die Firma Iseke jetzt das erste Mal, dass jemand kommt und sagt, nee, das finde ich nicht gut. Ich hoffe, dass viele Leute sich für diesen Wald und für jeden Baum einsetzen.“
Der nächste Waldrundgang startet kommenden Sonntag, 7. Juli, um 13 Uhr, am selben Ort: Wanderparkplatz am Panoramaradweg östlich der Grube 7. dilo
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