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19.06.2019

Sommermusik findet Schuberts Schätze


Das Ensemble 58 überzeugte mit Schuberts Oktett 803 in F-Dur: Andreas Illgner, Stefan Zeh, Laura Weinig, Thomas Fischer und , Clemens Regul (v.l.). HT-Foto: Sylke Jacobs
Im Rahmen der Reihe Gruitener Sommer-Musik zeigte das Ensemble 53 sein Können.

Gruiten – Diese Noten trugen in eine andere Welt! Auch, wenn Schuberts Oktett millionenfach rauf und runter gespielt wurde, es klingt immer wieder bezaubernd, besonders wenn ein Ensemble so fein nuanciert und aufeinander abgestimmt musiziert, wie am Sonntag, 16. Juni, das „Ensemble 53“.
Die acht Musiker, die sich vor drei Jahren zusammenfanden, um Franz Schuberts Oktett 803 in F-Dur zu spielen, sind nicht nur extrem ambitioniert, sondern auch äußerst talentiert. Jeder verfügt über ein hohes Maß an Können und Virtuosität, so dass sie allesamt das Zeug zum Profi-Musiker hätten.
Ein Musikhochschulstudium absolvierten jedoch nur zwei von ihnen, Susanne Eggern (Fagott) und Thomas Fischer (Kontrabass). Auch Eva (Klarinette) und Clemens Regul (Violoncello), die in Gruiten zu Hause waren, pflegen ihre Leidenschaft der Kammermusik. Ähnlich wie die anderen Orchestermitglieder, Andreas Illgner (erste Violine), Stefan Zeh (zweite Violine), Laura Weinig (Viola) und Michael Carl (Horn).
Kantor Dirk Schwabeland, durfte sich beim zweiten Konzert der Sommermusik über eine Vielzahl an Gästen freuen.
Ganz ehrlich: Wann je zuvor, hatte man Schuberts Oktett in sechs Sätzen, schöner, purer und näher erleben können, als in der klangvollen Kirche im Dorf?
Zu Beginn die zarte Partitur der sich herantastenden Streicher, dann der gleichsam sternenklare Einsatz der Bläser. Eine Klangreise, die unablässig ins Schwärmen versetzte, so schön und doch aufregend war die Darbietung.
Ja, es war ein musikalischer Marathon: Die Geigen, die ein atemberaubendes Tempo vorlegten und in der nächsten Sekunde zu brennen drohten, der tiefe durchdringende Kontrabass, der unermüdlich die Konturen zu schärfen schien, der fordernde, teils blitzartige Einsatz des Violincellos und die Blasinstrumente, die alles in ein helles fantastisches Moment einwickelten. Bereits vor einem Jahr führte das Ensemble das Stück zum ersten Mal auf, doch bis zum heutigen Konzert, hatten die acht Musiker noch einmal ordentlich an den Feinheiten gefeilt. „Wir hatten das Glück, gecoacht zu werden“, erzählte Eva Regul. Christof Weinig, Vater von Laura (Viola) und Kontrabassist der Duisburger Philharmonie, nahm sich die Zeit für ein paar professionelle Trainingseinheiten.
Schuberts einstündiges Oktett wurde immer wieder kritisch unter die Lupe genommen, zum einen aufgrund der Länge, zum anderen, weil es sich teilweise an Beethovens Septett orientierte. Definitiv wähnte sich Franz Schubert, der nur 31 Jahre alt wurde, im Schlagschatten seines großen Vorbildes Ludwig van Beethoven. In seiner kurzen Schaffenszeit schuf er jedoch Kammermusikwerke höchster Kunst und Kreativität. Besonders das Oktett war eines seiner Spitzenwerke.
Eine wahre Spitzenleistung erbrachte auch das Ensemble 53, sowohl sicht-, als auch hörbar. Da konnte das Publikum gar nicht mehr aufhören zu klatschen. Der frenetische Beifall hielt so lange an, bis das Orchester nicht um eine Zugabe drumherum kam. „Oh, mit so viel Beifall hatten wir nicht gerechnet, ganz ehrlich, eine Zugabe haben wir nicht vorbereitet, aber wir können noch einmal eine Satzfolge aus dem ersten Abschnitt spielen“, meinte Andreas Illgner. syja
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