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29.05.2019

Haan hat jetzt sein eigenes Bier


Englisch-Lehrerin Christina Gorny (links) und Apotheker Dr. Matthias Gorny haben ihre Leidenschaft für Bier zum Nebenjob gemacht und eigene Kreationen entwickelt. HT-Foto: Knut Reiffert
Aus der kleinen „Zapfhaan“-Brauerei von Matthias und Christina Gorny
kommen fünf Sorten.

Haan – Davon träumt jeder Liebhaber von Hopfen und Malz: Einmal das eigene Bier brauen. Dass Dr. Matthias Gorny sich den Wunsch tatsächlich erfüllen kann, hängt auch mit seinem Beruf zusammen: Er ist Apotheker. Und zwar als Filialleiter der Elefanten-Apotheke am Neuen Markt.
„Die einzelnen Schritte beim Brauen sind alle mal Thema im Pharmaziestudium gewesen“, erläutert der 37-Jährige sein Vorwissen. „Aber eigentlich hatten wir nur Durst“, schiebt seine zwei Jahre jüngere Schwester Christina schmunzelnd noch einen Grund hinterher, warum man 2014 begonnen hat, sich mit der Herstellung von Gerstensaft zu beschäftigen. Sie unterrichtet Englisch und Evangelische Religion am Gymnasium in Leichlingen und kümmert sich mittlerweile vorrangig um Vertrieb und Marketing. Außerdem hatte sie spontan den Einfall, die Mini-Brauerei „Zapfhaan“ zu nennen. Dass das stolze Federtier aus dem Stadtwappen – wie beim Haaner Treff – im Logo auftauchen sollte, war ohnehin klar.
„Am Anfang habe ich aus Spaß mit dem Einkocher von Mutter und Oma experimentiert“, erinnert sich Matthias Gorny an die ersten Versuche. Als dabei durchaus akzeptable Ergebnisse zustande kamen, schaffte er sich zwei Fachbücher für Einsteiger an. „Außerdem gibt es viele Anleitungen und Rezepte im Internet.“
Aus dem ersten Alt-Versuch wird ein Starkbier
„Das erste Bier war ein Alt“ , weiß der Apotheker noch genau. „Das schmeckte sehr gut, hatte allerdings so 7 bis 8 Prozent Alkohol, war also eher ein Starkbier.“
Nach und nach kristallisierten sich fünf verschiedene Sorten (siehe Info) heraus. Getestet wurde jeweils im Freundeskreis der in Haan aufgewachsenen Geschwister. „Wir hatten sogar einmal ein Weihnachtsbier mit Glühweingewürz“, nennt Christina Gorny ein Experiment, das nicht so gut ankam. „Das haben wir dann aber auch nicht weiterverfolgt.“
Bevor man Anfang dieses Jahres so große Mengen produzieren konnte, dass es sich lohnte, mit „Zapfhaan“ an die Öffentlichkeit zu gehen, galt es allerdings enorme bauliche und vor allem bürokratische Hürden zu überwinden. So musste zum Beispiel für die 14 Quadratmeter große Produktionsstätte im Keller des elterlichen Einfamilienhauses an der Flurstraße bei der Stadt ein Gewerbe angemeldet und ein Bauantrag gestellt werden. Der Sachbearbeiter habe nur gegrinst und gemeint: „So etwas hatten wir noch nicht. Aber gut . . .“
Bei der Handwerkskammer Düsseldorf ließ sich Matthias Gorny als Brauer eintragen. Wiederholte Besuche gab es bereits von der Lebensmittelkontrolle und von der Berufsgenossenschaft. „Dabei ging es um die Kapazität der Entlüftungsanlage, weil durch die CO2-Entwicklung beim Brauen in engen Räumen Erstickungsgefahr besteht.“
Zusammen mit der Komplettsanierung und Kachelung des Raums, 70-Liter-Kochtöpfen und Induktionsherden aus der Gastronomie kommt eine Investition von 10 000 bis 15 000 Euro zusammen. Geradezu niedlich, ist dagegen die Biersteuer, die an den Zoll abgeführt werden muss. „Das sind so 6 bis 7 Euro im Monat“, berichtet Matthias Gorny. „Allerdings muss ich dafür ganz akribisch ein Biersteuerbuch führen, eine Biersteuererklärung abgeben und die Überweisung ist nur mit einem Formular und nicht online möglich.“
Die Zutaten für die fünf „Zapfhaan“-Sorten beziehen die Geschwister von einem Versender aus Süddeutschland. „Der bietet alles in kleineren Mengen an.“
Der monatliche Ausstoß von Haans erster Brauerei liegt bei einem Hektoliter alle 14 Tage. Welche Sorte gerade dran kommt, richtet sich nach der Nachfrage. „Beim Brauvorgang muss man immer so sechs Stunden dabei sein“, rechnet Matthias Gorny den zeitlichen Aufwand vor. Dazu kommen das Verkorken und der Vertrieb, der über die Homepage und Facebook läuft. „Weil die Flaschen bei uns abgeholt und zurückgebracht werden müssen, kommen die Kunden bislang vor allem aus Haan und den Nachbarstädten“, berichtet Christina Gorny.
Hervorragend angenommen wurden die „Zapfhaan“-Biere auch beim jüngsten Kneipenabend im Rockin’ Rooster Club an der Dieselstraße. Schon nach einer Stunde mussten die Geschwister Gorny nach Hause fahren um Nachschub zu holen. Das Pale-Ale-Deputat war weggetrunken, wenig später auch das Alt-Kontingent.
„Es läuft gerade sehr gut“, finden die beiden Haaner Brauer übereinstimmend. An eine Expansion denken sie trotzdem derzeit nicht ernsthaft. „Dann müssten wir aus unserem Keller raus und Räumlichkeiten anmieten“, erklärt Matthias Gorny. Außerdem hat er seiner Chefin Dr. Ulrike Peterseim versprochen, dass die Leitung der Elefanten-Apotheke bis auf weiteres Vorrang genießt. ff
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