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10.04.2019

Suche nach Zeitkapsel ist echte Detektivarbeit


Haans Bürgermeisterin Dr. Bettina Warnecke begutachtet die Urkunde aus der Zeitkapsel, an deren aufwendiger Suche Lothar Weller und Josef Ahrweiler (v.l.) beteiligt waren. HT-Foto: Antje Götze-Röm
Die historischen
Dokumente aus dem Bürgerhaus werden der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht.

Gruiten – An eine packende Piratengeschichte erinnert die Suche des Gruitener Geschichtskreises nach der Zeitkapsel, die am 3. August 1973 bei der Grundsteinlegung des Bürgerhauses eingemauert worden war. Die Heimatforscher hatten sich daran erinnert, als der mittlerweile weit fortgeschrittene Abriss des Gebäudes angekündigt wurde. Dokumentiert war auch der Inhalt des Metallgefäßes, der spätere Generationen, an das Gruiten vom Anfang der 1970-er Jahre erinnern soll: eine handgeschriebene Urkunde aus Ziegenleder zur Grundsteinlegung, eine aktuelle Tageszeitung, der Haushaltsplan der seinerzeit noch selbstständigen Gemeinde Gruiten, eine Broschüre zur Dorfgeschichte sowie Münzen und eine Flasche Borgmann Korn.
„Was folgte, war echte Detektivarbeit“, beschreibt Wolfgang Stötzner als Vorsitzender des Bürger- und Verkehrsvereins Gruiten (BVV) die Recherche, bei der Josef Ahrweiler vom Geschichtskreis federführend war. Dabei schien es zunächst, dass der Ort, an dem der Gruitener Bürgermeister August Thewes die Kapsel vor knapp 46 Jahren versenkt hatte, relativ leicht zu finden sei. Denn auf Archivfotos war er gut auszumachen.
Bei einer von der Stadt genehmigten Begehung des Abrissgeländes und im Vergleich mit aktuellen Fotos, die Lothar Weller den Schatzsuchern zur Verfügung gestellt hatte, gab es dann aber eine Überraschung. „Anhand der Anordnung von Ziegeln und Fugen hat Josef Ahrweiler festgestellt, dass die Mauer mit der Gedenktafel, hinter der die Zeitkapsel versenkt worden war, überhaupt nicht mehr existiert“, berichtet Stötzner. Schlussfolgerung am Stammtisch des Geschichtskreises: Die Mauer ist ein Fake.
Bei weiteren Recherchen stellten die Heimatforscher dann tatsächlich fest, dass es Gang und Gebe ist, Mauern für Grundsteinlegungen zu errichten und nachher wieder einzureißen.
Doch Aufgeben war für Ahrweiler keine Option. Anhand vieler Fotos und mit Hilfe selbsterstellter Grundrisse forschte er weiter. „Vor ungefähr vier Wochen ist er dann fündig geworden“, erklärt Wolfgang Stötzner. „In der Wand gegenüber dem Kassenhäuschen des Schwimmbads, das auch zum Bürgerhaus-Komplex gehörte.“
Kein Wunder, dass die für den vergangenen Donnerstag anberaumte und mit Spannung erwartete öffentliche Öffnung der Zeitkapsel im Bürgersaal auf großes Interesse stieß. „Doch als die Bürgermeisterin und unser Schmied Peter Meyer den Inhalt ausleerten, gab es ein großes Erstaunen“, berichtet Stötzner. Grund: Offensichtlich sind bei der Verlagerung der Zeitkapsel in die Schwimmbadmauer die Münzen und der Schnaps abhandengekommen.
Weil die Zeitkapsel an sich schon spannend ist, möchte der BVV die zeitgeschichtlich wertvollen Dokumente – beziehungsweise eine Kopie der tageslichtanfälligen Urkunde – allen Interessenten zugänglich machen. Zu diesem Zweck soll möglichst kurzfristig eine Vitrine im Eingangsbereich des Bürgersaals aufgestellt werden. In deren Umfeld wird dann auch die nicht minder spannende Suche dokumentiert. ff
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