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13.03.2019

Polizisten kommen zu 4500 Senioren


Bei der Auftaktveranstaltung zur laufenden Aktionswoche informieren Landrat Thomas Hendele und Polizeihauptkommissar Wolfgang Nellen (v. r.) eine Besucherin der Marktpassage über Telefonbetrug. HT-F
In Haan startet in dieser Woche die kreisweite Offensive gegen Trickbetrug per Telefon. In
einem Fall wurden 170 000 Euro erbeutet.

Haan – Etwa 900 Mal sind im vergangenen Jahr im Kreis Mettmann Senioren von Betrügern angerufen worden, die sich zumeist als hilfsbereite Polizeibeamte oder notleidende Enkel ausgegeben und zur Übergabe von Bargeld oder Wertgegenständen aufgefordert haben. In 20 Fällen kamen die Täter zum Erfolg und holten bei den im Laufe des Telefonats abgesprochenen Besuchen eine Gesamtbeute von 1,1 Millionen Euro ab.
„Auch in Haan gab es mehrere Anrufwellen und vollendete Taten“, berichtet der Leitende Polizeidirektor Manfred Frorath. Weil die perfide Masche für die Täter lukrativ und ungefährlich sei, habe sich die Lage 2019 noch verschärft. „In den ersten beiden Monaten gab es rund 500 Anrufe, bei denen die Betrüger fünfmal erfolgreich waren. Das hat zu einer sechsstelligen Schadenssumme geführt“, berichtet der Leiter der Abteilung Polizei im Kreis Mettmann. „In einem Fall ist das Opfer um Ersparnisse in Höhe von 170 000 Euro gebracht worden.“
Kein Wunder, dass die Polizei nicht nur bei der Fahndung, sondern auch bei der Prävention in die Offensive geht. Haan ist die erste Stadt im Kreis Mettmann in der die Aktionswoche „falsche Polizisten“ stattfindet. Und deren Aufwand ist immens. „Noch bis Freitag klingeln die Mitglieder meines achtköpfigen Teams bei allen Haaner und Haanerinnen über 70 Jahre und erklären ihnen persönlich und mit Infomaterial die Vorgehensweise der Täter und wie sie sich schützen können“, erklärt Polizeihauptkommissar Wolfgang Nellen, als Ansprechpartner bei der Polizei. „Wer mehrmals nicht angetroffen wird, dem stecken wir die Infos in den Briefkasten“, kündigt der designierte Leiter der Wache auf der Dieker Straße an.
Dazu ist das Infomobil der Polizei die ganze Woche über im Stadtgebiet unterwegs. Am heutigen Mittwoch steht es zum Beispiel von 8 bis 13 Uhr auf dem Wochenmarkt in der Fußgängerzone. Dass die älteren Haaner das Thema brennend interessiert wurde schon bei der Auftaktveranstaltung am vergangenen Samstag in der Marktpassage deutlich. Das Video einer Tatrekonstruktion, das sich die Bürger auch in dieser Woche noch im Infomobil anschauen können, machte die Betrachter aufgrund der Skrupellosigkeit der Täter regelrecht wütend.
„Die Zahl der uns vorliegenden Fälle ist ja schon riesig“, sagt Landrat Thomas Hendele, der als Leiter der Kreispolizeibehörde zum Start der Aktionswoche nach Haan gekommen war. „Aber wir gehen von einer noch viel größeren Dunkelziffer aus.“ Er gehe davon aus, dass sich viele betrogene Senioren aus Scham nicht bei der Polizei meldeten. Sie wollen nicht als leichtgläubig oder tüdelig dastehen. „Zu dieser Sorge besteht aber überhaupt kein Grund“, macht Hendele allen Betroffenen Mut, die Straftat anzuzeigen. „Die Opfer kommen aus allen sozialen Schichten bis hin zum emeritierten Hochschulprofessor.“
Zur Vorgehensweise der skrupellosen Täter geht Manfred Frorath davon aus, dass sie sich der üblichen Telefonbücher bedienten. „Bei einer Fahrzeugkontrolle in Langenfeld haben wir eins gefunden, in dem der Verdächtige genau die generationstypischen Namen wie Karl, Wilhelm oder Elfriede und Helga angekreuzt hatte.“ ff
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