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06.03.2019

Krötenretter stellen Schutzzäune auf


Der neunjährige Anton präsentiert stolz einen „Doppeldecker“: Das Männchen lässt sich auf dem Rücken des Weibchens zum Geburtsteich tragen. HT-Foto: Susanne Schaper
In der vergangenen Woche baute die Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt mit Helfern einen Krötenschutzzaun auf.

Gruiten – Mild und feucht: Das ist die ideale Wetterlage für Kröten, um zu ihrem Geburtsteich zu wandern. Wann genau die Krötenwanderungszeit beginnt, hängt von der Temperatur ab. Am liebsten wandern und laichen die Tiere nachts und bei wärmerem Regenwetter. Bei etwa fünf Grad plus machen sie sich aus ihren Winterquartieren in Hecken, Mauern und Wäldern auf den Weg zu ihren Laichgewässern.
Am Hermgesberg in Gruiten sind die Kröten nun bei ihrer Wanderung sicher. Seit mehr als 25 Jahren baut Beate Wolfermann von der AGNU jedes Jahr im März dort mit freiwilligen Helfern einen Schutzzaun auf, der die Amphibien daran hindert, die Straße zu queren. Am vergangen Freitag, 1. März, traf sich eine Gruppe von rund 20 Kindern und Erwachsenen, die zu Schaufel und Spaten griff, um den etwa 200 Meter langen und 50 Zentimeter hohen Zaun aufzustellen und Löcher für die Fangeimer zu buddeln.
In den nächsten Wochen wird die Barriere die Amphibien aufhalten, einige plumpsen in einen Fangeimer. In diese Eimer füllten die freiwilligen Helfer eine Streuschicht mit Moos, Gras und Laub, damit die Tiere nicht austrocknen, bis sie über die Straße getragen werden. Barriere und Eimer werden täglich kontrolliert und die Tiere dann in Richtung Teich getragen.
Der neunjährige Anton ist schon das zweite Mal dabei, um bei der Krötenzaunaktion zu helfen. „In der Schule haben wir viel über Kröten gelernt. Es macht mir großen Spaß, mitzuhelfen, dass die Kröten nicht überfahren werden“, erzählt der Grundschüler.
Die Dauer der Krötenwanderung hängt vom Wetter ab, meist sind es etwa sechs Wochen. Bis zu drei Kilometern legen die kleinen Tiere bei ihrer Wanderung zurück, das Männchen meist huckepack auf dem Rücken des größeren Weibchens.
Während die Tiere auf dem Weg zu ihrem Laichgewässer Unterstützung bekommen, müssen sie den Rückweg vom Gewässer allein schaffen. „Während die Wanderung zum Laichgewässer bei allen Kröten etwa zur gleichen Zeit stattfindet, gibt es beim Rückweg große zeitliche Unterschiede. Wir haben ein wichtiges Ziel erreicht, wenn für den Nachwuchs gesorgt wurde. Ein Krötenweibchen trägt etwa 6.000 Eier im Leib“, erklärt Beate Wolfermann. Geht alles gut, kann so eine Kröte 30 Jahre alt werden.
Durch Beachtung einiger Regeln kann jeder zum Schutz der Kröten beitragen. Wandernde Kröten sterben nicht nur durch direktes Überfahren, sondern auch durch den Luftdruck unterm Auto. Also: Fuß vom Gas. Es ist der Strömungsdruck der Autos auf die Fahrbahn, der die Amphibien zerquetscht oder sie platzen lässt.
Am Hermgesberg sollten die Kröten in den Eimern gelassen werden. Die Tiere werden von den freiwilligen Helfern gezählt, um einen Überblick über die Entwicklung der Population zu erhalten. Wer woanders eine Kröte findet, sollte sie in der Richtung über die Straße tragen, in die sie schaut, auch in einem Wohngebiet. Es ist zwecklos, Kröten zu fangen und in den eigenen Teich zu setzen. Dort wandern sie meist wieder ab und machen sich auf den Weg zu ihrem Geburtsteich.
Übrigens: Beate Wolfermann möchte ihre Arbeit aus Altersgründen in jüngere Hände geben und sucht daher einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für die Krötenschutz-Aktion. sus
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