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09.01.2019

Mit Polka und Walzer ins neue Jahr geführt


Der Orchesterverein Solingen machte mit seinem Neujahrskonzert in der evangelischen Kirche den kulturellen Auftakt in Haan. HT-Foto: Susanne Schaper
Zum 20. Mal gab der Orchesterverein Solingen in Haan sein beliebtes
Neujahrskonzert.

Haan – Frage zum Jahresauftakt: „Was machen rund 400 Haaner am 1. Januar am Spätnachmittag? Antwort: Sie besuchen das Neujahrskonzert des Orchestervereins Solingen e.V. Drei Dinge sind dabei stets gleich: Die Jahreszeit, der Tag und der Beginn um 17 Uhr. Die Mischung aus Walzern, Polkas und Opern- und Operettenmelodien wechselt hingegen, so dass sich das Publikum jedes Jahr aufs Neue auf Überraschungen freuen kann. In diesem Jahr leitete Tobias Sykora das Orchester. Der 38-jährige dirigiert die Musiker erst seit Oktober letzten Jahres und steht damit in der Nachfolge von Clemens Fieguth und Michael Forster.
Den Auftakt des Konzertes machte die Ouvertüre zu „La Cenerentola“ von Gioachino Rossini.
„Das Stück ist eine große Herausforderung für ein Orchester“, erläuterte Tobias Sykora, der in den folgenden anderthalb Stunden charmant durch das schwungvolle Programm führte, die Stücke erklärte und kleine Anekdoten erzählte.
Dass die mehr als 40 Musiker die Ouvertüre beherrschten, zeigte sich schon nach wenigen Takten, als sich ihre Spielfreude auf das Publikum übertrug. Gewohnt professionell und auf hohem Niveau lieferte das Orchester – vorwiegend Laienmusiker aller Altersstufen – ein Konzert höchster Güte.
Zwei weitere musikalische Höhepunkte gab es gleich bei den nächsten beiden Stücken, „Ich bin die Christel von der Post“ aus der Operette „Der Vogelhändler“ und „Strahlender Mond“ aus der Operette „Der Vetter von Dingsda“, gesungen von Karola Pavone im grünen Abendkleid, die in diesem Jahr als Stargast in Haan dabei war. Die Sopranistin be- und verzauberte das Publikum mit ihrer klaren, tragenden Stimme, die eine gewaltige Fallhöhe hat.
Sie feuerte die Koloraturen geradezu heraus. Ihr leichtgängiger, durchdringender Sopran kam unglaublich temperamentvoll und mit einer Tiefe daher, die Gänsehaut machte. Nach jeder ihrer sechs Darbietungen wurde sie berechtigt mit langanhaltendem Applaus vom Publikum belohnt.
Auch im nächsten Stück, der „Annen-Polka“ aus „Eine Nacht in Venedig“ gelang es dem Orchester, die bereits aufgebaute Spannung zu halten. Dann wieder ein Auftritt der entzückenden Kavola Pavone, dieses Mal im schwarzen Abendkleid, die mit „Heut könnt’ einer sein Glück“ aus der Operette „Madame Pompadour“ bewies, dass sie auch schauspielerisches Talent hat, vor allem als sie „Josef, ach Josef“ im Duett mit dem Dirigenten sang, ihn dabei heftigst anflirtete und ihre körperlichen Reize bewusst einsetzte.
„Franz Lehár komponierte ‘Gold und Silber’ für die Fürstin Metternich und war enttäuscht, dass er nur mäßig beklatscht wurde“, erzählte Tobias Sykora in seiner Ankündigung für den nächsten Walzer.
Das Solinger Orchester setzte das Neuartige, Vibrierende der Melodie, das erst viel später erkannt wurde, gekonnt für das Haaner Publikum um.
Im nächsten Stück „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ aus der Operette „Der Favorit“ überraschte Karola Pavone das Publikum nun im roten Abendkleid und sang sich noch tiefer in die Herzen.
„Kernstück der „Cavalleria Rusticana“ von Pietro Mascagni ist das berühmte rein instrumentale Intermezzo. Sie stellt auch einen wesentlichen Teil des dritten und letzten Teils der Mafia-Trilogie ‘Der Pate’ dar“, erzählte Tobias Sykora, und die Musiker erzeugten eine dramatisch aufwühlende Stimmung im Gotteshaus.
Den Abschluss des Konzertes bildete das Stück „Ich schenk’ mein Herz“ aus der Operette die „Die Dubarry“, mit dem Dirigent, Orchester und Sopranistin ein letztes Mal ihr hervorragend aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel zeigen konnten.
Das restlos begeisterte Publikum signalisierte den Musikern mit kaum enden wollendem Applaus, wie sehr es das Konzert genossen hatte. Das Orchester revanchierte sich mit „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ von Franz Lehár als Zugabe. sus
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