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02.01.2019

Historischer Teil des Rathauses ist geschützt


Dieser Ausschnitt aus einer alten Postkarte zeigt den historischen Teil des Rathauses im Jahr 1919, an den später zwei Anbauten erfolgen sollten. Nur dieser historische Teil ist denkmalgeschützt und
Neubaupläne der Stadtverwaltung sorgten für lebhafte Diskussionen unter unseren Lesern.

Haan - Seit die Pläne zum Neubau und damit Standortwechsels des Rathauses in Haan bekannt wurden, haben sich mehrere Leser telefonisch oder schriftlich bei unserer Zeitung gemeldet und ihre Meinung zu dem Vorhaben geäußert.
Immer wieder tauchte dabei auch die Forderung auf das alte Rathaus abzureißen und an gleicher Stelle einen Neubau zu errichten. Grund genug für uns, einmal bei der Stadt Haan nachzufragen und uns erklären zu lassen, warum der historische Teil des Rathauses aufgrund des bestehenden Denkmalschutzes nicht abgerissen werden darf. Außerdem haben wir mit Stadtarchivarin Birgit Markley gesprochen, die viel Interessantes über „den alten Kasten“, wie das Rathaus von dem einen oder anderen bezeichnet wurde, zu berichten wußte.
Das Haaner Rathaus datiert von 1903, wird also in diesem Jahr stolze 116 Jahre alt. Das zweigeschossige Gebäude ist im Stil des Historismus errichtet mit Türmchen, großem Maßwerkfenster und geschmücktem Treppengiebel und verputzt mit Stuckornamenten. Im Inneren findet sich der historische Sitzungssaal.
Zwischen dem 9. und 14. Januar 1903 verschickte der damalige Gemeindebaumeister Wilhelm Stricker an die Haaner Schreinereien Wilhelm Pritschau, Peter Mütze, Karl Altmann und Josef Schüller Anfragen wegen der Anfertigung von 36 Stühlen, 1 Sessel und den entsprechenden Tischen für den Sitzungssaal des neuen Rathauses. Wie die Möbel aussehen sollen, wird in der Anfrage genau beschrieben.
Alle Tische, 36 Stühle und der Sessel für den Vorsitzenden sind heute noch vorhanden ebenso wie eine große Standuhr.
Seit 1982 steht dieser historische Teil des Gebäudes unter Denkmalschutz nach §2 (2) Denkmalschutzgesetz (DSchG).
Gleiches gilt für die Möblierung des Sitzungssaals. „Soweit bekannt, ist der Haaner Sitzungssaal der einzige im ganzen Rheinland, der in dieser geschlossenen Form – Raum mit genau dazu passend angefertigten Möbeln – noch erhalten ist. Die Möbel stehen deshalb auch unter Denkmalschutz“, sagt Birgit Markley.
„Denkmäler sind Sachen, an deren Erhaltung ein öffentliches Interesse besteht“, erklärt das Amt für Stadtplanung und Bauaufsicht der Stadt Haan. Ein öffentliches Interesse bestehe beispielsweise, wenn Sachen bedeutend sind für die Geschichte der Menschen oder für Städte und Siedlungen.
Das DSchG bestimmt, dass Denkmäler in Nordrhein-Westfalen zu schützen, zu pflegen, sinnvoll zu nutzen und wissenschaftlich zu erforschen sind. Der Denkmalschutz und die Denkmalpflege obliegen dem Land, den Gemeinden und Gemeindeverbänden.
„Bei öffentlichen Planungen und Maßnahmen sind die Belange des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege zu berücksichtigen“, sagt das Amt für Stadtplanung und Bauaufsicht. Anders ausgedrückt: Für jede Änderung am Denkmal ist eine denkmalrechtliche Erlaubnis bei der Unteren Denkmalbehörde einzuholen. Wenn der Denkmaleigentümer beispielsweise neue Türen und Fenster einsetzen will, das Dach verändern oder Bäume in seinem denkmalwerten Garten fällen möchte, muss er sich an die zuständige Untere Denkmalbehörde wenden.
Der Anbau an das Rathaus entlang der Mittelstraße erfolgte übrigens 1923 und war für die Unterbringung der Stadt-Sparkasse gedacht. Dieser Teil des Rathauses unterliegt nicht dem Denkmalschutz. agr
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