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10.10.2018

Demenz-Infotag findet viel Beachtung


Jutta Barz von der AWO Haan konnte zahlreiche Besucher des Demenz-Infotages in der Aula des St. Josef Krankenhauses begrüßen. HT-Foto: Susanne Schaper
Das Demenznetz Haan hatte zum
4. Demenz-Infotag ins St. Josef Krankenhaus eingeladen.

Haan – Im Kreis Mettmann sind mehr als 7.000 Menschen an Demenz erkrankt. In Haan dürften es etwa 500 sein - Tendenz steigend.
Rund zwei Drittel der Erkrankten werden zu Hause betreut und gepflegt. Dieser Einsatz rund um die Uhr, sieben Tage die Woche führt die Angehörigen oft bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit.
Zum vierten Mal hatte daher das Demenznetz Haan, ein Zusammenschluss medizinischer, pflegerischer und sozialer Einrichtungen und Institutionen in Haan, am vergangenen Samstag, 6. Oktober, in die Aula des St. Josef Krankenhauses geladen, um über die Krankheit zu informieren und die Situation demenzkranker Menschen und ihrer Angehörigen zu verbessern.
Wie wichtig das Thema für die Haaner ist, zeigte die große Resonanz: Rund 100 Besucher kamen über den Nachmittag verteilt in die Aula.
“Es ist wichtig, dass Thema Demenz zu enttabuisieren. Beinahe jeder weiß von jemandem, der an Demenz erkrankt ist. Es ist wichtig zu zeigen, welche Hilfemöglichkeiten möglich sind“, erklärte Jutta Barz von der AWO in ihrer Eröffnungsrede.
„Demenz geht uns alle an“, war sich auch Bürgermeisterin Bettina Warnecke sicher, die die Schirmherrschaft für den Tag übernommen hatte. In ihrem Grußwort wies sie auf die Aktualität und die Bedeutung des Themas hin und dankte den Akteuren des Demenznetzes für ihre Arbeit und ihr Engagement.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Vorträge, die von einem Rahmenprogramm ergänzt wurden. Eigentlich wollte Ursula Krause von der AWO Sozialstation ein Interview mit ihrer neunjährigen Großnichte Leonie führen, deren Urgroßmutter an Demenz erkrankt ist.
Leider konnte Leonie dann wegen eines Krankenhaus-Aufenthaltes doch nicht dabei sein, so dass Ursula Krause mit anschaulichen Beispielen erzählte, wie eine Demenz-Erkrankung auf ein Kind wirkt.
Zum Beispiel als die Urgroßmutter bei einem Besuch ihre Unterhose auf den Kopf gezogen hatte und kurzerhand erklärte, dann sei der Popo heute eben oben.
„Es ist wichtig, den Kindern die Wahrheit zu erzählen, auch warum die erkrankte Person manchmal aggressiv reagiert. Es gibt viele sehr gute Videos und Bücher zu dem Thema“, erzählte Ursula Krause.
„Symptome, Diagnose, Therapieansätze“, lautete das Thema des Fachvortrages von Prof. Dr. Marcel Dihne, der Chefarzt der neurologischen Abteilung der St. Lukas Klinik in Solingen ist. In seinem Vortrag beantwortete er Fragen wie „Was ist eine Demenz und wie äußert sie sich?“, „Wie wird sie untersucht und diagnostiziert?“, „Gibt es außer der Alzheimer-Krankheit noch andere Demenzformen?“.

Noch ist Demenz nicht heilbar, aber es gibt Therapieansätze


Noch ist Demenz nicht heilbar, aber es gibt Therapieansätze und Möglichkeiten durch ein sozial erfülltes Leben und gesunde Ernährung Demenz vorzubeugen.
Annelie Gilles von der Pflegeberatung des St. Josef Krankenhauses referierte darüber, wie es ist, wenn „Oma geschimpft bekommt“ und Peter Heinrich von der Seniorenbetreuung Home Instead informierte in seinem Fachvortrag darüber, wie es funktionieren kann, mit Demenz in den eigenen vier Wänden zu leben.
Ein durchdachtes Rahmenprogramm klärte pflegende Angehörige, Betreuer und Bezugspersonen, aber auch Betroffene selbst über Hilfsmöglichkeiten bei Demenz auf. So stand Stefanie Görtz vom Friedensheim Haan als Ansprechpartnerin für den Werdenfelser Weg zur Verfügung.
Der Werdenfelser Weg, der vom Friedensheim praktiziert wird, ist ein Pflegekonzept, durch das Freiheitseinschränkungen durch Fixierung oder Medikamente auf ein Minimum reduziert werden können - ein Konzept, das auch für die anderen Haaner Senioreneinrichtungen von Bedeutung sein könnte.
Eines dieser „sanften Fixierungsmittel“ kann ein Sitzsack sein, den Besucher am Stand des Sanitätshaus Böge ausprobieren konnten. „Für gesunde Menschen stellt es in der Regel kein Problem dar, sich daraus zu erheben. Demenz-Patienten kommen daraus nur mit Unterstützung wieder hoch“, erklärte Jutte Barz.
Neben dem Sitzsack stellte Simone Grätz, Medizinproduktberaterin von Böge, zahlreiche weitere Hilfsmittel rund um die Demenz vor, angefangen bei Kraftbällen über Trinktassen und Geschirr bis hin zu Schutzbekleidung für Demenzkranke.
Wer den Infotag verpasst hat, aber Informationen zum Thema benötigt, kann den Angehörigenabend besuchen. Es ist ein „runder Tisch“ für Angehörige, Pflegende und Betreuende von Menschen mit Demenz.
Die Gruppe trifft sich an jedem ersten Dienstag im Monat von 19.30 bis 21 Uhr im AWO-Treff an der Breidenhofer Straße 7.
Interessenten wenden sich an Jutta Barz, Telefon 02129/2550. sus

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