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29.08.2018

Kurt Rössner hat die Linien O und V gesteuert


Kurt Rössner hat noch viele Fotos und Dokumente aus der Zeit als in Haan noch die Straßenbahnlinien O und V fuhren. HT-Foto: Antje Götze-Römer
Fast zehn Jahre lang hat der Haaner Kurt Rössner viele Haaner nach Ohligs und Vohwinkel gebracht.

Haan - Als in der Ausgabe des Haaner Treffs vom 15. August ein Foto der Straßenbahnlinie V in der Rathauskurve zu sehen war, hat sich ein Leser ganz besonders gefreut. Kurt Rössner hat die Bahn nämlich von 1952 bis 1961 höchst selbst gesteuert.
„Das war beruflich meine schönste Zeit“, sagt der heute 87-Jährige, der immer noch in Haan wohnt.
Bei der Rheinbahn habe er als 20-Jähriger angefangen und genau an seinem 21. Geburtstag hatte er die Ausbildung zum Straßenbahnfahrer abgeschlossen und durfte seine erste Alleinfahrt machen.
Die Straßenbahnlinie V fuhr von Benrath nach Vohwinkel, die Linie O von Benrath nach Ohligs. „In einer Schicht haben wir entweder drei Mal Ohligs und zwei Mal Vohwinkel angefahren, oder umgekehrt“, sagt Kurt Rössner, der auch gerne Pilot geworden wäre, aber dazu fehlten dem elterlichen Haushalt die Mittel.
Fast wäre er noch nicht mal Straßenbahnfahrer geworden, denn der Vater hatte für ihn eine Ausbildungsstelle zum Graveur besorgt. Die Ausbildung hat er auch gemacht, aber während dessen festgestellt, dass dieser Beruf nicht der ist, den er zeit seines Lebens ausüben wollte.
Dann bekam er die Chance zur Umschulung und 1952 lenkte er zum ersten Mal eine der Straßenbahnen der Rheinbahn ganz alleine.
Neun Jahre lang war Kurt Rössner für die Rheinbahn tätig und hat in dieser Zeit so einiges erlebt. „Wenn morgens im Berufsverkehr ein Fahrgast fehlte an der Haltestelle, haben wir geschaut, ob er nicht doch noch um die Ecke kommt, und dann haben wir gewartet“, erzählt der zweifache Vater und Großvater.
Viele Menschen habe er kennengelernt, einige von ihnen, wie der inzwischen verstorbene Vohwinkler Polizist Paul Westebbe, habe immer einen Witz auf den Lippen gehabt.
Aber nicht alles war fröhlich - auch schlimme Ereignisse habe es gegeben. Auf einer Fahrt in Höhe der Waldkaserne habe er einen Unfall beobachtet, die Straßenbahn zum Stehen gebracht und versucht der schwer verletzten Fahrerin des Unfallautos zu helfen.
„Sie ist in meinen Armen verblutet“, erinnert sich Kurt Rössner an das wohl schlimmste Erlebnis während seiner Zeit als Straßenbahnfahrer.
1961 wurden die Straßenbahnlinien in Haan eingestellt, weil die Eisenbahnbrücke in Unterhaan höher gelegt werden musste aufgrund dessen, dass die Eisenbahnen elektrifiziert wurden. Kurt Rössner hätte dann auf den Bus umsteigen können oder auf die Schwebebahn.
Wollte er aber nicht, und er ist so im kaufmännischen Bereich einer großen Firma in Hilden gelandet und dort mit 63 Jahren in den Ruhestand verabschiedet worden. agr
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