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25.07.2018

„Oft geht es um die böse, böse Hecke“


Peter Kürten, Peter Schüller, Petra Hansen, Kerstin Beyer und Birgitt Wedel (v.l.) sind die in den drei Haaner Schiedsamtsbezirken tätigen Schiedsleute. Es fehlt Dirk Posthum. HT-Foto: Antje Götze
Für eine Amtszeit von fünf Jahren sind in drei Bezirken in Haan Schiedspersonen tätig.

Haan - In Sachsen werden sie Friedensrichter genannt, überall sonst in der Republik heißen sie Schiedspersonen.
Das gemeindlich organisierte Schiedswesen in Deutschland dient der Beilegung weniger bedeutsamer strafrechtlicher und zivilrechtlicher Angelegenheiten.
„Meist ist es die böse Hecke vom Nachbarn“, schmunzelt Kerstin Beyer. Sie ist eine von drei Schiedspersonen in Haan neben Peter Kürten und Dirk Posthum. Ihnen zur Seite gestellt in den drei Haaner Schiedsamtsbezirken Süd/Ost, West/Mitte und Nord/Gruiten sind Peter Schüller, Petra Hansen und Birgitt Wedel als Stellvertreter.
Schiedspersonen kommen dann zum Einsatz, wenn ein Schiedsverfahren eingeleitet wird. Dies ist teilweise sogar gesetzlich vorgeschrieben, bevor es zu einem Zivilrechtsprozess kommt. Oder wenn das öffentliche Interesse der Staatsanwaltschaft an der Strafverfolgung fehlt, beispielsweise bei Hausfriedensbruch, Beleidigung, Verletzung des Briefgeheimnisses, Körperverletzung, Bedrohung, Sachbeschädigung und Vollrausch.
Schiedspersonen werden für fünf Jahre gewählt und haben die Aufgabe zwischen streitenden Parteien zu schlichten.
„Vieles lässt sich aber schon bei einem Ortstermin klären“, sagt Peter Kürten - und er muss es wissen. Der 66-Jährige ist bereits im achten Jahr als Schiedsperson tätig.
„Wenn man vor Ort ist, erhält man einen viel besseren Einblick in den Sachverhalt“. Und auch er bestätigt, dass es sich häufig um einen Überwuchs auf Nachbars Grundstück handelt, wenn sich zwei in „die Wolle kriegen“ - in 70 Prozent der Fälle sogar. Oftmals aber stecke etwas ganz anderes hinter dem Streit ums Gartengrün - ein Zwist aus der Vergangenheit, Eifersucht oder auch Neid. „Sehr oft kommt es in der zu schlichtenden Angelegenheit bei einem Ortstermin zu einer Einigung“, sagt Kürten, der aber auch weiß, dass damit der eigentliche Grund des Streites nicht aus der Welt ist.
Andrea Kronauer arbeitet beim Schiedsamt der Stadt Haan, das beim Ordnungsamt angesiedelt ist, und hat die Aufgabe der Mittlerin zwischen den streitenden Parteien und der zuständigen Schiedsperson.
Und sie trägt dafür Sorge, dass die ehrenamtlich tätigen Schiedspersonen - sie erhalten lediglich eine geringe Aufwandsentschädigung - sich fortbilden können. Die Kosten für die Seminare übernimmt voll die Stadt Haan. „Wir wollen qualifizierte Ehrenamtler“, sagt Kronauer, und dass dies eine richtige und wichtige Investition sei.
Und darum hat auch Bürgermeisterin Bettina Warnecke ein offenes Ohr für die Schiedspersonen und lädt sie einmal im Jahr zu sich ins Büro zu einem Gespräch ein. agr
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