home Haaner Treff - Haaner Treff
11.07.2018

Das Flattern macht den Anfang


In der vergangenen Woche haben Mitglieder der AGNU Haan die Ausgleichsfläche für den Technologiepark II genau unter die Luge genommen. Seit etwa acht Wochen kümmern sie sich um das Areal. HT-Foto:
Die zweite Ausgleichsfläche für den Technologiepark steht unter der
Aufsicht der AGNU.

Haan – Gerade will Armin Dahl den Rundgang über die Ausgleichsflächen neben dem „Technopark“ fortsetzen, als ihn ein aufgeregter Hinweis aus der Besuchergruppe abrupt stoppen lässt: Keinen Meter vor den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Umwelt und Natur Haan (AGNU) will einer der Insektenkundler eine „Goldene Acht“, einen Schmetterling, entdeckt haben.
Kameras werden sofort gezückt, viele Finger zeigen hektisch auf eine Furche am Boden, aber dann ist das Insekt auch schon davon geflattert. Ob es wirklich der Falter war, ist trotz Fotos und Bestimmungsbüchern später nicht eindeutig zu ermitteln.
Bemerkenswert wäre es jedoch. Denn der Schmetterling steht in NRW auf der „Roten Liste“. Die BUND NRW Naturschutzstiftung hat die „Goldene Acht“ zum Falter des Jahres 2017 gekürt, um damit auch auf den Rückgang dieser Art aufmerksam zu machen. Eine Ausbreitung auf der Ausgleichsfläche wäre daher nicht nur für die AGNU erfreulich.
Bislang finden sich dort Falter aus der Familie der Weißlinge, zu der auch die „Goldene Acht“ gehört, aber vor allem viele „Kleine Kohlweißlinge“. Eigentlich sind es sogar sehr, sehr viele.
„Nach den Schnellbegrünern und dem warmen Mai haben sich die Falter hier zu Tausenden vermehrt“, erklärt Armin Dahl, der vor allem als Fachmann im Arbeitskreis Biotopschutz der AGNU tätig ist. Dabei befindet sich die mehr als sieben Hektar große Ausgleichsfläche zwischen A 46, Hofschaft Kriekhausen und Stropmütze für den gerade entstehenden zweiten Bauabschnitt des Technoparks erst seit April dieses Jahres in der Obhut der Naturschützer.
Fast 300 Kilogramm „Regio-Saatgut“ hat die AGNU Haan dabei bereits in den Boden eingebracht, darunter Dutzende Kräuter- und Gräserarten. Diese Schnellbegrüner halten die Feuchtigkeit in der ehemaligen Ackerfläche und sorgen gleichzeitig für ein für die weitere Belebung wichtiges Wurzelwerk.
„Denn das Ziel ist, hier artenreiches Grünland zu entwickeln“, sagt Sven Kübler, Vereinsvorstand der AGNU. „Eine bunte Wiese“, fügt Armin Dahl erklärend hinzu. Tagpfauenaugen, Ochsenaugen oder Distelfalter - die Schmetterlinge machen dabei den Anfang der angezogenen Insekten.
Daneben finden sich noch unzählige weitere Arten, wie auch ein Schwung mit Armin Dahls Kescher im bereits blühenden Brachstreifen zur Stropmütze hin zeigt. Vorsichtig präsentiert Dahl der Gruppe eine etwa fingerlange, fingerbreite Heuschrecke, ein sogenanntes „Grünes Heupferd“. Ein Stück weit fliegen kann die Heuschrecke sogar auch.
Bei der Dokumentation der vorgefundenen, eigentlichen Fluginsektenarten hilft dabei weniger der Kescher als eine sogenannte „Malaisefalle“ aus der Kooperation der AGNU mit dem Entomologischen Verein Krefeld.
Mit dem Kescher als Zeigestab erläutert Armin Dahl die Teile dieser mitten auf dem Feld aufgebauten Zeltkonstruktion. Dunkle Netzwände werden dabei von einem weißen Netzdach überspannt. Insekten können dunklere Flächen schlechter wahrnehmen, verheddern sich daher beim Anflug in den Netzwänden und steigen danach in die weiße Dachkuppel auf, weil sie sich oft an der Helligkeit orientieren. Am höchsten Zeltpunkt werden sie schließlich in eine Fangdose gelockt. Die Fangdosen schickt Dahl dann zur Artenbestimmung dem Entomologischen Verein zu.
„Im Kreis Mettmann lassen sich auf diese Weise etwa 3.000 Arten pro Jahr erfassen“, erläutert Dahl. Vor allem sind dabei aber Fliegen, Wespen und eher seltener Schmetterlinge zu finden. Diese Dienstleistung ist aber nicht ganz billig. Hinzu kommt die Pacht, wobei die AGNU das Areal jetzt für zehn Jahre von der Stadt zur Pflege übernommen hat.
Ein beauftragter Lohnunternehmer übernimmt dabei einen Teil der Pflegearbeiten. Zwar erhält die AGNU dabei einen Geldbetrag pro Hektar und Jahr, aber um zumindest kostendeckend wirtschaften zu können, braucht es Mehreinnahmen. Die AGNU hofft daher, dass bei der Mahd einige Tonnen Heu für den Verkauf zusammenkommen.
Sorge bereitet den Mitgliedern dabei das Jakob-Greiskraut (oder Jakobs-Kreuzkraut). „Seit etwa fünfzehn Jahren hat die Ausbreitung stark zugenommen“, sagt Armin Dahl und zeigt eine der gelb blühenden Pflanzen. An vielen Stellen auf der Ausgleichsfläche stehen die bislang hüfthohen Krautpflanzen bereits in voller Blüte.
Will man Heu zur Fütterung herstellen und verkaufen, wäre ein mit dem Kraut versetztes Futter zum Beispiel für Pferde aufgrund der leberschädigenden Alkaloide in den Kräutern aber gefährlich.
Armin Dahl zeigt neben dem Kraut aber auch gleich einen Teil der möglichen Lösung: Den „Jakobskrautbär“, eine Raupe, die wie eine Kreuzung aus Wurm und Wespe aussieht und sich bereits an den Krautpflanzen gütlich tut. „Wäre schön, wenn der noch ein bisschen abknabbert“, grinst Dahl.
Vermutlich müssen die AGNU-Mitglieder demnächst aber selbst Hand anlegen; Handschuhe sind dabei Pflicht. Für die Zukunft will die AGNU dabei außerdem prüfen, ob sie den grünen Wallstreifen an der Niederbergischen Allee ebenfalls zur Pflege übernehmen könnte. Vorerst hat die AGNU jedoch genug mit der neuen Fläche zu tun - auch weil noch ein paar Zaunprobleme gelöst werden müssen.
Interessant wird auch die weitere Entwicklung einer Feuchtstelle. Diese hatte sich nach Entfernung der Drainage aus der Ackerfläche gebildet. Vielleicht befindet sich hier die Quelle des Mahnerter Baches, schließlich liegt die Ackerfläche im Quellgebiet. Den Schmetterlingen wird das Wasser jedenfalls zu weiterem Wachstum verhelfen, können sie doch hier bereits viele Mineralien aufnehmen. sk
Zurück