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27.06.2018

Kostenlawine rollt auf Gymnasium zu


Die Pläne der Baustelle Gymnasium an der Adlerstraße. Müssen der längeren Schulzeit angepasst werden. HT-Foto: Friedhelm Funk
Die Umstellung auf eine längere Schulzeit führt zu Mehrkosten, die das Land vielleicht erstattet.

Haan - Die Debatte, ob es bis zum Abitur an den Gymnasien acht oder neun Schuljahre braucht, bestimmt die schulpolitische Auseinandersetzung in Nordrhein-Westfalen seit Jahrzehnten. Die Einführung von G8 im Jahr 2005 stieß auf unterschiedliche Akzeptanz an Schulen und in der Öffentlichkeit. Das Haaner Gymnasium entschied sich für die verkürzte Form.
Der Meinungsstreit über G8 und G9 führte dazu, dass die Landesregierung von CDU und und FDP in Düsseldorf die sogenannte Leitentscheidung für nun wieder längeres Lernen in den Koalitionsvertrag schrieb. Demnach werden grundsätzlich alle öffentlichen Gymnasien zum Schuljahr 2019/2020 auf den neunjährigen Bildungsgang umgestellt.
Das betrifft auch die Kinder, die nach den Sommerferien 2018 am Gymnasium aufgenommen werden.
Der Landesbeschluss sieht vor, dass den einzelnen Gymnasien immer noch die Option freisteht, G8 beizubehalten, sofern die Schulkonferenz sich dafür mit zwei Drittel der Stimmen entscheidet.
Haan hat sich mit der mit notwendigen Mehrheit für die Rückkehr zu G9 entschieden. Das hat weitreichende Folgen.
Das Schulgebäude an der Adlerstraße wird neu gebaut. Die Pläne sahen G8 vor, nun muss die räumliche und sachliche Gestaltung um einen Jahrgang erweitert werden.
Die Stadt schaltete einen Gutachter ein. Der kommt zu dem Ergebnis: Das passt. Die vorgesehene Statik lässt ein weiteres Stockwerk gegenüber den ursprünglichen Plänen zu. Natürlich mit entsprechenden Mehrkosten: rund 3,4 Millionen Euro.
Alternativ wäre die Aufstockung auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Der Nachteil: Die 3,4 Millionen Euro würden sich voraussichtlich verdoppeln.
Hinzu kommt, Schüler und Lehrer wären über längere Zeit mit dem Fluidum einer nicht in Gänze abgeräumten Baustelle konfrontiert.
Der Landtag soll das Schulrechtsänderungsgesetz im Juli, also noch vor der Sommerpause, verabschieden. Das betrifft auch den Passus der Kostenverteilung.
Stellt ein Gymnasium auf die längere Laufzeit um, fallen Kosten für mehr Räume und Ausstattung an. Das ist zunächst Sache des Schulträgers, in dem Fall der Stadt Haan, sagt das Land. In Nordrhein-Westfalen gilt aber das Konnexitätsprinzip (wer bestellt, bezahlt).
Demnach muss Düsseldorf Haan die zusätzlichen Ausgaben erstatten. Das hat die Landesregierung auch anerkannt.
Der Pferdefuß: erstattet werden nur die durch Einführung eines neunjährigen gymnasialen Bildungsgangs bedingte wesentliche Belastungen.
Kosten, die etwa Neubauten aufgrund gestiegener Schülerzahlen oder etwa Sanierungszwänge entstehen, nicht. Eine böse Falle.
Naturgemäß ist es schwierig, zu beurteilen, welche Kosten nun mit der Umstellung zusammenhängen und welche nicht. Vorsorglich hat die Landesregierung zur Abschätzung zwei unabhängige Gutachten beim Institut für bildungsökonomische Forschung in Auftrag gegeben.
Daraus gehen kalkulierte Bau- und Ausstattungskosten von 518 Millionen Euro hervor. Landesweit!
Der Rat der Stadt Haan befasst sich am Mittwoch, 4. Juli, mit dem Projekt Gymnasium. Vielleicht sollten die Mandatsträger vorab einen Blick in die Ausarbeitungen der Landes-Gutachter werfen. Das Prinzip , das der bezahlt, der den gymnasialen Salto mit Blick auf den Rhein in Düsseldorf verursacht hat, lässt vermutlich Spielräume. Haans Stadtkasse kann nicht davon ausgehen, dass die 3,4 Millionen Euro eins zu eins an den Kämmerer zurückfließen. ffu
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