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30.05.2018

Haaner Seniorenbefragung ist auch für Experten überraschend


Dr. Elke Olbermann, Michael Schneider, Karlo Sattler und Bürgermeisterin Bettina Warnecke präsentierten die Ergebnisse der Hochaltrigen-Befragung. HT-Foto: Antje Götze-Römer
Die Ergebnisse einer Befragung von Hochaltrigen liegen nun vor und wurden präsentiert.

Haan - Es gebe Nichts, was mit der Haaner Befragung der Hochaltrigen vergleichbar wäre. Das sagt der stellvertretende Vorsitzende des Haaner Seniorenbeirats Karlo Sattler.
Der gleichen Meinung ist auch Dr. Elke Olbermann. Sie ist die wissenschaftliche Geschäftsführerin des Instituts für Gerontologie an der TU Dortmund, das unter der Trägerschaft der Forschungsgesellschaft für Gerontologie steht.
Das Institut war mit der Auswertung der Fragebögen aus der Befragung in Haan unter den über 80-Jährigen beauftragt. „Das hat ein wenig länger gedauert, als wir gedacht haben“, sagt Karlo Sattler. Dies aber nicht, weil die Mitarbeiter des Instituts langsam gearbeitet hätten, sondern weil sich in Haan unerwartet viele der insgesamt 2.314 Hochaltrigen (Stand Oktober 2017) an der Befragung beteiligt haben.
„Wir haben mit 600 Rückläufern kalkuliert“, sagt Karlo Sattler. Schlussendlich hatte das Dortmunder Institut 979 Fragebogen auszuwerten.
„Das war schon überraschend“, sagt Dr. Elke Olbermann. Und Sattler ergänzt: „Und auch nicht vergleichbar, auch nicht mit den Befragungen des Kreises oder der Stadt Hilden“. Der Grund liege eindeutig darin, dass Haan besser über die Medien - in diesem Fall den Haaner Treff, vergleichbare Produkte seien woanders nicht vorhanden - mit Informationen versorgt werde.
Dies ist auch ein Ergebnis, dass ausdrücklich aus den Befragungen hervorgeht. Über die sogenannte Einwurfzeitung informieren sich 750 der Befragten, immerhin 80,2 Prozent.
Tatsächlich sei die Befragung, wie sie in Haan im Juli und August des vergangenen Jahres durchgeführt wurde, etwas Besonderes. „Oft stufen die Experten eine Befragung von Hochaltrigen als sehr schwierig ein“, sagt Dr. Elke Olbermann. „Jetzt haben wir den Gegenbeweis angetreten“.
Und darum wird die Befragung auch bundesweit über die Forschungsgesellschaft vorgestellt werden und so etwas wie Modellcharakter bekommen.
Wie aber sehen die Ergebnisse aus?
Die 80-jährigen und älteren Haaner weisen eine hohe Bindung an den Wohnort auf. Mehr als zwei Drittel leben bereits länger als 20 Jahre hier. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil an Ein-Personen-Haushalten, in denen häufigere Frauen als Männer leben.
Insbesondere Eigenheimbesitzer sagen, dass bei ihnen Wohnmängel vorlägen. Dies deute auf einen eventuellen Sanierungsstau und damit einhergehende Einschränkungen der Wohnqualität oder Barrierefreiheit hin.
Erhebliche Unterschiede gibt es in den Quartieren Haan-Ost, Haan-Mitte, Unterhaan und Gruiten bei der Zufriedenheit mit der Umgebung. Während die Mittelhaaner hohe Zufriedenheitswerte haben, weisen die Unterhaaner und die Bewohner in Haan-Ost unterdurchschnittliche Werte auf. Gemeinsam ist allen: Die Barrierefreiheit lässt deutlich zu wünschen übrig.
Die Teilnehmer der Befragung haben ein großes Interesse an kulturellen und geselligen Veranstaltungen, sagen aber auch, dass ein hoher Beratungsbedarf zum Thema Älterwerden besteht.
Auch die Aufrechterhaltung der Mobilität variiert je nach Wohnlage. Die Senioren in Haan-Ost, Gruiten und Unterhaan nutzen eher das Fahrrad als das Auto. Der öffentliche Personennahverkehr hat eine hohe Bedeutung für viele der Befragten.
Alle Befragungsergebnisse, auch zu den Themen soziale Kontakte und Unterstützungspotenziale, Gesundheit und Pflege sowie die finanzielle Situation, wurden in einem ausführlichen Bericht vorgelegt, der auf der Internetseite der Stadt Haan www.haan.de abrufbar ist.
Erste Konsequenzen hat der Bericht aber bereits nach sich gezogen. In zwei Workshops wurden Handlungsempfehlungen ausgearbeitet. „Wir haben schnell entwickelt“, sagt Michael Schneider, der das Sozialamt in Haan leitet.
Als Erstes wurde die 0,6-Stelle des Seniorenbüros auf eine volle Stelle erweitert. Nun sollen Runde Tische mit allen Beteiligten durchgeführt werden.
„Es zeigt sich, dass wir raus aus dem Rathaus und rein in die Quartiere müssen“, sagt Schneider. Das zeige auch die Besucherfrequenz im Beratungszentrum, das regelmäßig donnerstags in den Räumen der AWO an der Breidenhofer Straße stattfindet. Alle vier Wochen berät die Stadt Haan zu Fragen bei der Pflege und beim Wohnen.
„Wir überlegen mit der AOK auch einen Versicherer mit ins Boot zu holen“, erklärt der Sozialamtsleiter. Viele weitere Ideen sollen in Kürze entwickelt werden - auch solche, die ehrenamtliches Engagement bedingen.
„Das alles muss jetzt koordiniert werden“, sagt Bürgermeisterin Bettina Warnecke, darum sei es auch wichtig gewesen die Stelle im Seniorenbüro aufzustocken. agr
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