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08.03.2018

Prüfer des VRR zeigen Haaner Bahnhöfen die rote Karte


Der Bahnhof Gruiten grüßt Reisende mit bunten Farben. Der Gang zu den Bahnsteigen ist für Fahrgäste beklemmend. Dunkel, beschmiert und verdreckt. Für die Beseitigung, sagt die Stadt Haan, sei man
Jährlich ermittelter Zustand der Stationen im Nahverkehrsverbund Rhein-Ruhr deckt Mängel auf.

Haan/Gruiten - Es ist ein Trauerspiel. 2017 gaben die Prüfer noch mehr Bahnhöfen die Note „Zustand ist nicht akzeptabel“. Das trifft auch für die Stationen Haan und Gruiten zu.
Die Tester des Nahverkehrsverbunds Rhein und Ruhr (VRR) schauen mehrmals im Jahr bei den Haltepunkten der regionalen Züge genau hin. Sie bewerten das Erscheinungsbild insgesamt und überprüfen die Funktion der Fahrscheinautomaten oder Informationsanzeigen.
54 Stationen stuften sie als „nicht akzeptabel“ ein. 2016 waren es „bloß“ 39 von den 296 Stationen innerhalb des Verbunds VRR.
Was den Nutzern der Züge kaum zu erklären ist: Selbst bei erheblichen Mängeln, die dringend behoben werden müssten, besteht keine Handhabe, die Beseitigung einzufordern.
Die Verantwortung für die Stationen habe die Deutsche Bahn AG (DB) an das Tochterunternehmen Station & Service ausgegliedert. Der VRR schließe die Verträge mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen insgesamt ab, daher könne man nur an die Verantwortlichen appellieren, heißt es schriftlich gegenüber der Presse.
Was nichts Anderes bedeutet als dass der Preis, den der VRR für die Beförderung verlangt, die Verantwortung für Funktion und Zustand der Bahnhöfe ausklammert. Der schwarze Peter liegt bei den Kommunen, die sich um ihr Image sorgen.
Dem Halt in Haan attestieren die Prüfer im dritten Jahr in Folge ein „nicht akzeptables“ Gesamtbild. Die schlechte Note hat nichts mit der Sauberkeit oder fehlenden Sitzgelegenheiten zu tun, das schlechte Urteil resultiert von den schäbigen Zugängen: Unebene Treppen, Kieswege, die Gleisüberführung stammt vermutlich noch aus dem 19. Jahrhundert. Zur Krönung sehen sich Bahnreisende auch noch mit schriller Graffiti-Schmiererei konfrontiert.
Für die Zustände in Gruiten leuchtete 2016 die Bewertungsampel bereits gelb, nun zeigt sie rot. In erster Linie durch die Unterführung verursacht: Schummerig, beklemmende Beleuchtung und die versprühten Schweinigeleien schaffen eine Atmosphäre, den engen Gang schnell hinter sich zu lassen. Dabei gibt sich die Stadt Haan durchaus Mühe.
In Gruiten treffen wir Dieter Kückemanns bei der Arbeit an. Drei blaue Säcke voll mit dem, was unverbesserliche Dreckspatzen an Wegrändern der Parkplätze hinterlassen und in die Büsche pfeffern, hat er schon eingesammelt. Der vierte Sack wird wohl auch noch voll.
40 Jahre arbeitet der gelernte Gärtner bei der Stadt. Leider nehme das rücksichtslose Verhalten im öffentlichen Raum immer noch zu, sagt er, und klaubt eine zerknüllte Plastikflasche aus den Hartriegel-Sträuchern. Die Parkfläche ist dann wieder frei von den Spuren der Wegwerfgesellschaft.
Im Turnus von zwei Wochen schaut er wieder nach Rechten. Für den verlotterten hinteren Teil des Gruitener Bahnhofs ist er nicht zuständig. Es wäre Aufgabe des privaten Eigentümers, angesammeltes Laub und den unsäglichen Graffitivandalismus endlich zu beseitigen.
Das Attribut Gartenstadt passt schlecht zum Urteil nicht akzeptabler Bahnstationen. Schriftlich heißt es auf Nachfrage der Redaktion: Im Rahmen der Modernisierungsoffensive der Bahn bis 2023 sind die Bahnhöfe Haan und Haan-Gruiten mit folgenden Punkten vertreten: Aufzugnachrüstung, Absenken der S-Bahnsteige und Modernisierung der Bahnsteigausstattung. Das werde zu einer deutlichen Serviceverbesserung der Bahnhöfe führen.
Was die Graffiti betreffe, hier könne die Stadt lediglich an die Bahn appellieren. Was offensichtlich bisher kaum Eindruck macht. Nicht, dass die Bahn untätig ist. Inzwischen können Reisende Verschmutzungen sogar per WhatsApp melden. Der Reinigungsdienst beseitigt die Mängel vor Ort dann so schnell wie möglich, heißt es.
In der akuten Lage hilft das der Stadt Haan vermutlich nicht weiter. Immerhin sagt das Rathaus zu, der Betriebshof rücke bei steigenden Frühlingstemperaturen nach Gruiten aus und säubere die dämmerige Unterführung. Am besten bei Sonnenschein. Dann sieht man mehr. ffu
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