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28.02.2018

Ein Friedhof ist kein Lunapark


Hans Georgi gestaltete einen Abend mit Texten des Schriftstellers Erich Kästner in der Stadtbücherei Haan. HT-Foto: Wolf de Haan
In der Stadtbücherei gestaltete Hans
Georgi einen
feinsinnigen Abend für Erich Kästner.

Haan - Punktgenau zum 119. Geburtstag von Erich Kästner am 23. Februar feierten Stadtbücherei und VHS Haan/Hilden Geburtstag mit einem wunderbaren Querschnitt durch die Texte des Autors von „Herz auf Taille“, „Fabian“ oder den weltberühmten Kinderbüchern „Emil und die Detektive“, „Das fliegende Klassenzimmer“ oder „Pünktchen und Anton“.
Hans Georgi präsentierte sein nachdenklich unterhaltsames Musik-Kabarett mit Texten und feinsinnigen Anekdoten zum Leben Erich Kästners. Dazu amüsante geschichtliche Randnotizen. Eine runde Sache wie der Titel des Abends: „Die Welt ist rund – Erich Kästner für Erwachsene“.
Mit Gedanken und Sätzen, die hängen bleiben: „Ein Friedhof ist kein Lunapark“ oder „wickelt die Sorgen in Seidenpapier.“ Merksätze mit dem bitteren Beigeschmack eines Künstlerlebens als Mahner und satirischer Pessimist.
Mal singt Hans Georgi die von ihm vertonten Kästner-Texte melodisch, dann thematisch bewusst schnulzig zur Tisch-Orgel. Zwischen die literarische Nummern-Revue baut er immer wieder Anekdoten und Fakten aus Kästners Leben. Dazu eingespielt O-Töne des Autors, der 1957 mit dem Büchner Preis ausgezeichnete wurde.
Die Facetten des Menschen Kästner mit all seinen Widersprüchen und Enttäuschungen werden sichtbar. Dann wieder der messerscharfe Beobachter, Humorist und Kritiker seiner Zeit. Kästners persönliche Erfahrungen in der Wirtschaftskrise, während der Weimarer Republik und unter dem Terror des Naziregimes, als seine Bücher verbrannt wurden.
Wie Georgi das alles verbindet und herausarbeitet, zeigt Klasse. Mit feinem Gespür für Konzept, Textauswahl und auch mit spielerischen Kostüm-Momenten in einem fast zweistündigen Programm. Immer wieder arbeitet er die aktuellen Bezüge zu den Texten, Couplets und Gedichten heraus. Da klingt Kästner nahezu zeitlos, intelligent und unterhaltsam.
Gerade im Vergleich zur flachen „Comedialisierung“ bei Mario Barth und anderen Klamauk-Kollegen. Gebrauchslyrik, wie Kästner es nannte, die wirklich zu gebrauchen ist. Gedanken, die immer noch aktuell sind, werden in kleine Lieder und Sprechgesänge verpackt. Musikalische Bearbeitungen, die Thomas, der Sohn Erich Kästners, autorisiert hat.
Ein Abend bester Kleinkunst, prächtiger Satire und scharfer Pointen. Und wenn „Ein Busen marschiert“, dann so charmant, dass #metoo weit weg scheint. Ein amüsierter Blick auf die ewig wiederkehrenden Probleme der Frauen mit der aktuellen Mode und ihrer eigenen Figur.
Erich Kästner und Hans Georgi verbindet das Vergnügen an einer auch spöttischen Art der Weltbetrachtung. So animiert Georgi mit Kästners Werk zum Konflikt zwischen Arm und Reich das Publikum zum Mitsingen. In einer abgewandelten Version von Weihnachtsliedern stellt Kästner mit Sätzen wie „Morgen kommt der Weihnachtsmann, allerdings nur nebenan“ und „Stille Nacht, heilige Nacht, weint, wenn’s geht, nicht, sondern lacht“ die Probleme armer Menschen am Weihnachtsabend dar.
Das geht auch im Februar und ist so zeitlos wie der Blick auf Banken und Bänker: „Der kann sich freuen, der die nicht kennt“, sagt Kästner schon damals – was den sichtlich amüsierten Zuhörern wohl aus der Seele sprach.
„Aktuell wie nie, dieser Kästner“, rief eine Besucherin in der ausverkauften Stadtbücherei.
Das Programm hat Hans Georgi mehr als 500 mal gespielt. Für Kulturämter und Volkshochschulen, im Düsseldorfer Kom(m)ödchen und Kölner Senftöpfchen. Eine vergnügliche Geburtstagsfeier mit und über Erich Kästner und einer überraschenden Beichte am Ende.
Hans Georgi gab zu aus Würselen zu kommen und einst in einer Thekenmannschaft mit Martin Schulz gespielt zu haben. Da bleibt nur Erich Kästner zu zitieren: „Die Welt ist ein Theaterstück! Ich spiel nicht mit in jedem Stück.“
Publikum und Roman Reinders, Leiter der Stadtbücherei, zeigten sich bestens unterhalten und in froher Erwartung des angekündigten Fontane Abends im Herbst diesen Jahres. wdh
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