home Haaner Treff - Haaner Treff
23.02.2018

Er sammelt Haaner Erinnerungsstücke


Peter Heimansfeld mit seinen anfassbaren Erinnerungsstücken, neben vielen Schriftstücken aus Haan gehört dazu auch der alte Münzfernsprecher. HT-Foto: Stephan Korfe
Peter Heimansfeld hat einen Schatz an Kuriositäten und Raritäten aus 100
Jahren Haan.

Haan - Eine Parkuhr fehlt noch in der Sammlung. Eine Haaner Parkuhr. „Die suche ich noch“, sagt Peter Heimansfeld. „Zur Not würde es auch ein Ortsschild von Haan tun“, grinst er. Obwohl Letzteres nicht ganz ernst gemeint ist, würde das Schild tatsächlich gut in sein Wohnzimmer passen.
Dabei hat Peter Heimansfeld im klassischen Sinne gar keine Sammlung. Er möchte auch nicht als Sammler im Sinne eines hortenden „Messis“ gelten. „Ich bin einfach ein Jäger und Sammler von Haaner Sachen“, erklärt er. Diese Haaner Sachen sucht er nicht systematisch und er nimmt nur das, was ihn irgendwie berührt.
Es sind Dinge, die er im Laufe von rund fünfundzwanzig Jahren mal zufällig gefunden oder geschenkt bekommen hat. Wichtig scheint nur, dass sie einen Bezug zu Haan haben müssen. Und dass sie eine Geschichte erzählen.
Zum Beispiel der Notgeld-Schein über eine Million Mark, datiert auf den 5. August 1923, das Jahr der Hyperinflation, das auch Haan nicht verschonte. Bis heute ist die Angst vor der Geldentwertung nicht zuletzt aufgrund dieses Jahres im kollektiven Gedächtnis verankert. Umso ironischer erscheint es dann, wenn Peter Heimansfeld gleich darauf ein altes Haaner Sparbuch mit der Nr. 157 aus dem Jahr 1924 auf den Tisch legt.
„Das ist das älteste, erhaltene Sparkassenbuch von Haan“, erzählt er. Ein besonders kurioses Stück unter all seinen Sachen ist ein vergilbter Werbeprospekt von 1938 vom „Landesfremdenverband Rheinland“, der Haan mit den Worten „reizende bergische Gartenstadt“ als Reiseziel anpreist. Vorgeschlagene Sehenswürdigkeiten dabei? Zum Beispiel der „Adolf-Hitler-Hain mit Ehrenmal“.
Dieses Reiseprospekt ist so ein Stück, das einen herausfordert. Gräueltaten des NS-Regimes wollen partout nicht mit der Idee von beschaulichen Landreisen in dieser Zeit, zusammenpassen, das Heftchen ruft eine enorme Dissonanz hervor. Peter Heimansfeld weiß das.
„Man darf das aber nicht verdrängen, das gab es auch in Haan“, mahnt er. Er hat aber auch noch ganz andere Dinge. Gegenstände aus der jüngeren und jüngsten Vergangenheit, die einen klaren Fokuswechsel zeigen: Überwiegt bei den ältesten Stücken noch ein gewisser Sammlerstolz über die Unikate und Kuriositäten, zeichnen sich die jüngeren durch ihren persönlichen Nostalgiewert aus. Es sind Alltagsdinge, mit denen er in Haan aufgewachsen ist. Sie erzählen einen Teil seiner persönlichen Geschichte.
Deshalb hat er sich zum Beispiel auch die Leuchtreklame von „Fahrrad Fischer“ gesichert. „Ich bin viel mit dem Fahrrad durch Haan in meiner Kindheit gefahren“, sagt er. „Und ich kannte den Heinz Fischer schon seit ich ein kleiner Junge war - jeder kannte den in Haan!“ Oder die alte Waage der Bäckerei „Frings“, die ihm Bäckereimeister Hans Gerd Adams geschenkt hat. Auch ein altes Kontokorrentbuch aus der Bettfedernfabrik Hammerstein, in der sein Vater lernte, hat für ihn Bedeutung.
Ebenso wie uralte Biergläser und eine Reklameleuchttafel aus dem Becherhus oder eine (leere) Flasche Sinziger Mineralwasser.
Sein teuerstes Teil ist übrigens ein Münzfernsprecher, wahrscheinlich aus dem alten Postamt in Haan - gekauft für 20 D-Mark damals.
Auch die Postkarten sind spannend. Sie zeigen Haan in den fünfziger, sechziger Jahren, vielleicht. Das „Hotel Windhövel“ ist in schwarz-weiß drauf - Haan, mit leeren Straßen und alten Limousinen.
All diese Sachen - das ist Peter Heimansfeld wichtig zu betonen - liegen nicht nur rum, sondern werden regelmäßig angeschaut. Man glaubt ihm das. Und irgendwann, zwischen Fahrradreklame und Fernsprecher, sagt er es doch: „Ich erinnere mich schon gerne an die „guten, alten Zeiten“.“
Als Ur-Haaner findet Peter Heimansfeld dabei markige Worte dafür, was ihm im Vergleich zu früher heute in Haan fehlt. „Haan ist keine Einkaufsstadt“, sagt er. Wenn er die Ideen zu einem Windhövel-Center hört, graust es ihm. Was er heute an Geschäften vermisst sind zum Beispiel Spielzeugläden wie es sie einst mit Dünnhoff und Siepen gab. „Und Damenboutiquen gibt es, aber gibt es hier einen ordentlichen Herrenausstatter?“ Oder: „Hugo Liefering - da konnte man einen Dübel kaufen, einen!“ Außerdem: „Lieber eine Hälfte weniger Frisöre und dafür eine vernünftige Metzgerei.“
Peter Heimansfeld hat eine ganze Menge Vorschläge zur Stadtplanung. Mehr Kneipen fände er auch schön; mehr Möglichkeiten zur wochenendlichen Abendgestaltung allgemein in Haan. „Am Wochenende ist hier in Haan Totentanz“, sagt er.
„Da können sie den Neuen Markt als Fallschirmspringerlandeplatz an die Bundeswehr vermieten, dann wäre mal Leben in der Bude!“ Vorschlag des Autors: das Sammeln von Haaner Sachen forcieren und eine Art Eventmuseum in den eigenen vier Wänden aufziehen - dann wäre auch was los. Aber da winkt Peter Heimansfeld ab - und grinst. Eine Haaner Parkuhr würde schon reichen. sk
Zurück