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31.01.2018

Skulpturen laden zum Berühren ein


Machen Sie es bei Ihrem Besuch in der katholischen Kirche einfach wie Johannes Küßner es vormacht: „Berühren!“ HT-Foto: Stephan Korfe
Kunstausstellung mit Werken von Johannes Küßner findet in der katholischen Kirche statt.

Haan - Die am Sonntag, 28. Januar, eröffnete, 24. Kunstausstellung der katholischen Kirche an der Königstraße, zeigt in diesem Jahr unter dem Titel „Berühren“ Holzskulpturen von Johannes Küßner. Umrahmt wurde die Eröffnung musikalisch durch das Flötenensemble „Esodia“ und verbal durch den Domkapitular Prälat Josef Sauerborn, der in seiner Einführungsrede vor allem auf die Besonderheiten des „Künstlerstoffs“ Holz einging.
„Herr Küßner kommt in eine kontemplative Grundstimmung der Wahrnehmung, wenn er arbeitet“, erläuterte Sauerborn. „Er muss das Holz berühren, er muss sehen und es in gewissen Sinne auch hören“.
Jedes Holz habe dabei seinen eigenen Charakter und diesen besonderen Charakter gelte es, freizulegen. „Es ist ein Vorgang der Würdigung, wenn man diesen besonderen Charakter freilegen kann“, sagte Sauerborn.
„Stimmt alles“, bestätigte Johannes Küßner Sauerborns Erklärungen und versuchte auch gleich zu erläutern, warum Holz zum Beispiel einen eigenen Charakter habe.
Küßner bearbeitet vorrangig Hölzer aus Abbruch- und Sanierungsarbeiten. Zum Teil sind die Stücke dabei mehr als tausend Jahre alt. „Da merken Sie gleich am Geruch: Aha! Mittelalter!“, sagte Küßner.
In der Ausstellung jetzt sind beispielsweise auch Figuren zu sehen, die aus Holzbalken aus Konrad Röntgens Geburtshaus stammen. „Diese Hölzer haben also eine Geschichte und das spüren Sie sofort, das ist zum Beispiel etwas, was den Charakter eines Holzstücks ausmacht“, erläuterte Küßner.
Neben dem Geruch weisen die von Küßner verwendeten Stücke etwa auch Holzwurmlöcher oder alte Schmiedenägel auf, an denen ihm bei der Bearbeitung schon Werkzeuge zerbrochen sind. „Aber wenn das nicht so wäre, wäre es ja langweilig!“, erklärte Küßner auch gleich den Reiz, lieber alte Hölzer zu verwenden.
Interessant ist auch, dass Küßner das Publikum explizit darum bat, die Figuren zu berühren. „Die Figuren laden doch dazu ein, also warum sollte man es nicht tun?“
Und tatsächlich. Auf beiden Bankseiten der Kirche stehen so viele einladend gemaserte Holzfiguren, dass man sie wahrscheinlich gerade bei einem etwaigen Verbot berührt hätte. Fährt man mit den Fingern über deren unterschiedliche Oberflächen, und nimmt gleichzeitig, Farbe, Temperatur, Alter und auch die „Makel“ des Holzes wahr, entstehen seltsame Eindrücke.
Hinzu kommt, dass die Figuren keine Gesichter haben, nein, es sind nur plane Flächen. „Das ist Absicht“, erklärte Küßner lächelnd. Genauso übrigens wie die recht einfachen Figurenformen. „Man ergänzt, man fantasiert sich den Rest dazu. Jeder sieht folglich etwas anderes darin. Und dadurch werden die Figuren lebendig!“.
Beispielsweise beim Stück „Seelenverwandtschaft“. Man sieht zwei Figuren, die einander anblicken, aber nicht stützen und beide durch Insektenfraß unterhalb der „Brust“ so stark ausgehöhlt sind, dass man sich fragt, warum sie eigentlich noch stehen können.
„Ich finde, gerade dadurch haben diese Figuren eine wunderbare Ausstrahlung“, sagte Besucherin Gisela Reprich-Schult. „Sie sehen so zerbrechlich aus, und sie sind ja sehr ausgehöhlt, aber trotzdem stehen sie fest und wirken auch selbstbewusst“, beschrieb sie die Wirkung dieser Form.
Gleiches Spiel beim Werk „Vollkommen“ an anderer Stelle: Eine unterhalb des Kopfes zerfressene Holzfigurine. „Vollkommen? Ja! Vollkommen kaputt, wenn sie mich fragen“, war hier der Eindruck einer Dame aus Hochdahl, die nicht genannt werden möchte.
Wer lieber auf eigene Interpretationen setzt, statt sich auf textlich eingefangene Eindrücke wie hier zu verlassen, der kann die Ausstellung noch bis Sonntag, 4. Februar in der Kirche St. Chrysanthus und Daria an der Königstraße besuchen. sk
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