Schön war’s – und teuer auch
Kommentar von Antje Götze-Römer
Es gibt Sätze, die gehören zur Haaner Kirmes wie der Duft von gebrannten Mandeln, das Rattern der Fahrgeschäfte und der Blick vom Riesenrad über die Stadt.
Einer davon lautet: „Schön war’s.“ Und auch in diesem Jahr dürfte ihn kaum jemand ernsthaft bestreiten wollen – noch! Die Rahmenbedingungen stimmten.
Die Kirmes war gut besucht, die Stimmung war friedlich, die Wege einigermaßen voll. Für die Schaustellerinnen und Schausteller war Haan erneut ein wichtiger Platz im Kalender, für viele Besucherinnen und Besucher einer der Höhepunkte im Jahr. Familien, Jugendliche, Vereine, alte Bekannte – sie alle kamen zusammen. Genau davon lebt diese Kirmes.
Und doch war beim Gang durch die Stadt ein anderes Thema kaum zu überhören: die Preise! Ob Fahr- oder Laufgeschäft, Losbude oder Gastrostand – immer wieder wurde gerechnet, verglichen, gestaunt. Was kostet eine Fahrt? Was bleibt nach Pommes, Getränk und einer Runde Dosenwerfen noch übrig? Wie lange reicht das Kirmesbudget einer Familie mit Kindern?
Diese Gespräche sind nicht neu, aber sie werden lauter. Denn Kirmes ist längst kein günstiges Vergnügen mehr. Wer mit Kindern unterwegs ist, merkt schnell, wie rasch sich einzelne Beträge summieren.
Fünf Euro hier, sieben Euro dort, dazu Essen und Getränke – ein Kirmesbesuch kann spürbar ins Geld gehen. Und muss ein kleines Pils mehr als vier Euro kosten?
Gleichzeitig wäre es zu einfach, nur auf die Schausteller zu zeigen. Auch von ihnen ist zu hören, dass die Haaner Kirmes zu den besonders teuren Plätzen zählt.
Standgebühren, ein sehr teurer Stromtarif, der TÜV soll hier besonders viel kosten, Personal, Transport, Auf- und Abbau – all das muss bezahlt werden. Wenn Kosten steigen, landen sie am Ende dort, wo sie immer landen: beim Kunden.
Genau darin liegt das Dilemma. Die Besucherinnen und Besucher wünschen sich bezahlbare Kirmesfreude. Die Schaustellerinnen und Schausteller müssen wirtschaftlich arbeiten. Und die Stadt hat ein Interesse daran, eine attraktive, sichere und gut organisierte Kirmes zu ermöglichen. Immerhin leistet sich die Stadt einen Haani, Mickey Mouse und Co. und ein umfangreiches Merchandise.
Vielleicht braucht es weniger gegenseitige Vorwürfe als mehr offene Gespräche. Was kann getan werden, damit die Kirmes für Familien bezahlbar bleibt? Gibt es Spielräume bei Familientagen, Mengenrabatten oder besonderen Angeboten? Und wo liegen die Belastungen für die Schausteller, die am Ende ebenfalls Teil dieser Kirmestradition sind?
Die Haaner Kirmes ist mehr als ein paar Tage Rummel. Sie ist Treffpunkt, Tradition und ein Stück Stadtgefühl. Damit das so bleibt, muss sie für alle Seiten tragbar bleiben – für die, die sie besuchen, und für die, die sie möglich machen. Und vor allem für die angeblich kinderfreundliche Stadt Haan.
Am Ende bleibt: Schön war’s. Aber eben auch: Teuer war’s.
