MGV singt sich klangvoll in die Zukunft
Der Männergesangverein Gruiten feiert im Oktober sein 120-jähriges Bestehen.
Von Antje Götze-Römer
Gruiten – Auf dem Tisch liegen alte Zeitungsausschnitte, Chroniken und Fotos aus vielen Jahrzehnten Vereinsgeschichte. Daneben sitzen drei Männer in dunkelblauen Polohemden mit MGV-Schriftzug und erzählen von der Zukunft des Männergesangvereins Gruiten. Die weinroten Jacken von früher sind eingemottet, der Ton ist lockerer geworden – doch die Freude am gemeinsamen Singen ist geblieben. In diesem Jahr feiert der MGV Gruiten sein 120-jähriges Bestehen.
„Traditionell und modern“ – so beschreiben der 1. Vorsitzende Matthias Bieniek, Pressesprecher Jens Lemke und Robert Kubach, einer der neueren Sänger, den Verein. Und genau das soll im Jubiläumsjahr hörbar werden. Das Repertoire reicht vom Klassiker „Kein schöner Land“ bis zum Seemannslied „Wellerman“. Auch „Bella Ciao“ gehört inzwischen dazu. Der MGV will damit zeigen, dass Männergesang nicht in alten Klischees steckenbleiben muss, sondern auch heute Menschen zusammenbringen kann.
Gegründet wurde der Männergesangverein Gruiten im Jahr 1906. Das erste auffindbare Protokoll datiert auf den 26. Juni 1906. Damals trafen sich sangesfreudige Bürger im Geigis’schen Lokal in Gruiten, dem heutigen Ratskeller, um die Vereinssatzung auszuarbeiten und einen Vereinsstempel anzuschaffen. 15 Sänger gehörten dem Verein zu dieser Zeit an – verteilt auf ersten und zweiten Tenor sowie ersten und zweiten Bass.
Die Vereinsgeschichte war seitdem von guten Zeiten, Unterbrechungen und Neuanfängen geprägt. Kriegsjahre, wirtschaftliche Krisen und gesellschaftliche Veränderungen gingen auch am MGV nicht spurlos vorbei. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Chor 1952 wiedergegründet. Seither gehört er fest zum Gruitener Vereinsleben.
Doch der Blick in die Chronik soll beim Jubiläum nicht zu viel Raum einnehmen. Viel wichtiger ist den Sängern die Gegenwart: Heute zählt der MGV 22 aktive Sänger. Vier Auftritte im Jahr gehören fest zum Programm, darunter das Adventssingen und das Weihnachtskonzert. Hinzu kommen gesellige Termine, Proben und Auftritte, bei denen der Chor zeigt, wie breit Männergesang klingen kann.
Der runde Geburtstag wird am 3. Oktober im Bürgersaal gefeiert. Eingeladen sind Vereinsmitglieder mit Partnerinnen und Partnern sowie Freunde und Förderer des Vereins. Es soll also kein öffentliches Konzert im klassischen Sinne werden, sondern ein Festabend im Kreis der Menschen, die den MGV tragen, begleiten und unterstützen.
Dafür wird bereits geprobt. Der Rahmen soll festlich, aber nicht steif werden; die Liedauswahl abwechslungsreich. Neben klassischen Männerchorstücken sollen auch modernere Titel erklingen. Damit möchte der Verein nicht nur seine Geschichte würdigen, sondern auch zeigen, dass er offen bleibt für neue Sänger und neue Wege.
Robert Kubach ist ein Beispiel dafür. Er gehört zu den neueren Stimmen im Chor und hat beim MGV genau das gefunden, was viele Vereine heute ausmacht: Gemeinschaft, Verlässlichkeit und ein gemeinsames Ziel. Wer mitsingen möchte, muss keine Chorerfahrung mitbringen. Entscheidend sei vor allem die Freude am Singen und die Bereitschaft, sich auf die Gruppe einzulassen.
Auch Notenkenntnisse sind keine Voraussetzung. Wer Interesse hat, kann einfach vorbeischauen und ausprobieren, ob der Männerchor zu ihm passt. Geprobt wird donnerstags um 20 Uhr im „Keglerheim Förster“ an der Hochstraße 1. Dort arbeitet der Chor an seinem Repertoire – und daran, auch künftig hörbar zu bleiben.
Denn Nachwuchs ist für den MGV Gruiten ein wichtiges Thema. Viele Vereine kennen die Herausforderung, neue Mitglieder zu gewinnen und gleichzeitig die gewachsene Gemeinschaft zusammenzuhalten. Beim MGV soll das über Offenheit, ein vielseitiges Programm und eine Atmosphäre gelingen, in der auch neue Sänger schnell Anschluss finden.
Mit den dunkelblauen Polohemden, einem Repertoire zwischen Volkslied, Klassiker und modernerem Liedgut sowie der Lust auf neue Stimmen zeigt der MGV Gruiten, dass 120 Jahre Vereinsgeschichte kein Grund sind, stehenzubleiben. Im Gegenteil: Das Jubiläum soll auch ein Zeichen für Aufbruch sein.
So wird der Geburtstag mehr als ein Blick zurück. Der Männergesangverein Gruiten pflegt seine Geschichte – aber er singt weiter: klangvoll, gemeinschaftlich und mit Zukunft.
