Die Kleiderkammer ist Haans LokalStar

Haaner Initiative überzeugt beim neuen Westenergie-Wettbewerb mit 
sozialem und 
nachhaltigem 
Engagement.

Von Sylke Jacobs
Haan – Ein Kaufhaus, in dem niemand Gewinn machen will, in dem gut erhaltene Kleidung und Hausrat ein zweites Leben bekommen – und in dem Menschen mit kleinem Budget trotzdem mit Freude einkaufen können: Mit diesem Konzept hat die Haaner Kleiderkammer beim ersten Westenergie LokalStars-Award in Haan überzeugt. Sie belegte den ersten Platz und erhält 500 Euro Preisgeld. Überreicht wurde die Auszeichnung am Mittwoch, 26. August, im Rathaus. Zuvor hatte es ein digitales Bürgervoting gegeben. Aus den drei beliebtesten Projekten wählte anschließend eine kommunale Jury den Sieger – und schloss sich dabei dem Bürgervotum an. Neben der Kleiderkammer standen die Knösterstube mit ihrem Reparaturcafé und das Projekt „Du–Ich-Wir“ im Finale.
„Wir sind sehr stolz auf das ehrenamtliche Engagement in unserer Stadt und freuen uns, heute gemeinsam mit Westenergie unseren LokalStar 2026 auszeichnen zu dürfen“, sagte Bürgermeister Vincent Endereß. Die Haaner Kleiderkammer sei „ein herausragendes Beispiel dafür, wie ehrenamtliches Engagement, soziale Verantwortung und nachhaltiges Handeln erfolgreich miteinander verbunden werden können“.
Auch Frithjof Gerstner, Kommunalmanager bei Westenergie, betonte den Gedanken hinter dem neuen Preis: „Der LokalStars-Award bietet den Bürgerinnen und Bürgern eine Bühne, um ihr Engagement und ihre Ideen sichtbar zu machen.“ Ausgezeichnet würden Menschen, die sich in ihren Kommunen für die Gemeinschaft einsetzen, nachhaltige Projekte vorantreiben und dazu beitragen, Lebensräume lebenswerter und zukunftsfähiger zu gestalten.
Die Haaner Kleiderkammer ist vor mehr als zehn Jahren aus einer privaten Initiative sozial engagierter Bürgerinnen und Bürger entstanden. Heute firmiert sie als gemeinnützige GmbH und ist eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit geringem Einkommen in Haan und der näheren Umgebung.
Gesammelt werden vor allem gut erhaltene Kleidung, Haushaltstextilien und Hausrat, die gegen einen geringen Kostenbeitrag weitergegeben werden.

„Hier lebt alles vom ehrenamtlichen Engagement“, sagte Brigitte Kuboth, Geschäftsführerin der Haaner Kleiderkammer. Vor allem gehe es darum, Menschen zu helfen. „Unsere Kundinnen und Kunden sollen das Gefühl eines Kaufhauses haben. Hier soll Einkaufen Spaß machen.“
Mehr als 130 Ehrenamtliche unterstützen die Arbeit der Kleiderkammer, viele von ihnen mehrmals pro Woche. Kleidung bekommt dort eine zweite Chance; was nicht mehr verwendet werden kann, geht ins Recycling.
Mögliche Überschüsse fließen nach Angaben der Kleiderkammer an die Bürgerstiftung Haan und Gruiten.
Auch die beiden anderen Finalisten zeigten, wie vielfältig nachhaltiges Engagement in Haan verstanden werden kann. Die Knösterstube setzt mit ihrem Reparaturcafé auf reparieren statt wegwerfen. Seit rund zehn Jahren werden im Forum der katholischen Kirche an der Breidenhofer Straße defekte Gegenstände wieder instand gesetzt.
„Angefangen hat alles mit einem kaputten Karussell“, berichtete Torsten Lauterjung aus dem Team. Heute gehörten 26 Mitglieder dazu, darunter 16 Reparateure. Rund 3.000 Dinge seien bereits repariert und etwa 15.000 Euro an Spendengeldern erwirtschaftet worden. Auch 3-D-Druck für Ersatzteile gehöre inzwischen zum kostenlosen Angebot. Die Spenden kämen gemeinnützigen Projekten zugute.
Beim Projekt „Ich-Du-Wir“ stehen Bildung, Begegnung und Teilhabe im Mittelpunkt. In Gruiten wurde gemeinsam mit Kindern eine bislang wenig gepflegte Außenfläche an der Unterkunft Düsselberger Straße gestaltet. „Die Idee dahinter war, einen Treffpunkt zu schaffen, an dem man sich begegnet“, sagte Claudia Aust, Bildungsreferentin bei „Ich-Du-Wir“. Kinder könnten dort Natur erleben und zugleich selbst etwas gestalten. Dafür wurden Pflanzen und Sträucher gesetzt, Flächen gereinigt und Rasen entfernt, damit eine Blumenwiese entstehen kann.
Als kommunaler Sieger kann die Haaner Kleiderkammer nun am Regionalentscheid teilnehmen. Dort ist ein zusätzliches Preisgeld von bis zu 5.000 Euro möglich.