Bahnhofsfassade wird zur Zeitreise

Der Künstler Eric Ventker hat am 
Haaner Bahnhof eine historische Bahnhofsszene auf die Fassade 
gesprüht.

Von Antje Götze-Römer
Haan – Wer am alten Haaner Bahnhof zu den Gleisen geht, kommt derzeit kaum daran vorbei: Eine großformatige Bahnhofsszene zieht sich über die seitliche Fassade des Gebäudes. Zu sehen sind unter anderem eine Dampflok, Laternen, eine Bahnhofsuhr und ein angedeutetes Bahnhofsgebäude.
Geschaffen hat das Wandbild der Künstler Eric Ventker. Der 1995 in Wuppertal geborene freischaffende Künstler ist Meisterschüler von Siegfried Anzinger an der Kunstakademie Düsseldorf. Sein Schwerpunkt liegt auf figurativer Malerei, die er auf Leinwand ebenso wie großformatig im öffentlichen Raum umsetzt. Bei Wandarbeiten interessiert ihn besonders, wie sich Motiv, Architektur und Umgebung miteinander verbinden.
Genau das war auch am Haaner Bahnhof ein wichtiger Punkt. Die Fassade verläuft nicht einfach gerade, sondern erstreckt sich über mehrere Winkel und Gebäudeteile. Diese Besonderheit wollte Ventker bewusst einbeziehen.
Statt die einzelnen Flächen getrennt zu gestalten, entwickelte er eine zusammenhängende Bahnhofsszenerie, die sich perspektivisch um das Gebäude zieht. „Je nach Standpunkt verändern sich Blickwinkel, Ausschnitte und Perspektiven, so dass die gesamte Szenerie erst in der Bewegung erfahrbar wird“, erklärt der Künstler.
Auch der Bezug zum Ort spielte für ihn eine Rolle. Während der Haaner Bahnhof modernisiert wird, greift das Wandbild bewusst die Atmosphäre eines historischen Bahnhofs auf. So stehen Vergangenheit und Gegenwart unmittelbar nebeneinander.
Auftraggeber sind Petra und Andreas van der Lest, denen das Gebäude gehört. Früher betrieben sie dort ihr Catering-Unternehmen und ihre Gastronomie, bis sie 2019 den Betrieb verkauften.
Das Gebäude blieb in ihrem Besitz. Heute befinden sich dort neben dem neuen Gastronomiebetrieb auch eine private Musikschule sowie zwei vermietete Wohnungen.
Ganz pflegeleicht ist das Haus nach Angaben der Eigentümer nicht. „Eigentlich haben wir mit dem Bahnhof ein Groschengrab gekauft, es ist immer wieder was zu tun“, sagen Petra und Andreas van der Lest. Ein Problem seien immer wiederkehrende Graffiti an dem Fassadenbereich unmittelbar am Zugang zu den Gleisen gewesen. Die Wand musste deshalb mehrfach neu gestrichen werden.
Die Idee für eine künstlerische Gestaltung entstand bereits vor etwa ein bis zwei Jahren. Den Kontakt zu Eric Ventker fand Petra van der Lest über Facebook, wo ihr seine Arbeiten aufgefallen waren. Der Künstler entwickelte den Entwurf und setzte das Wandbild innerhalb von vier Tagen um – ohne Vorzeichnung, ausschließlich mit der Spraydose.
Wer genau hinschaut, entdeckt neben der großen Lok und der Bahnhofsszene auch kleine Details: den Namen van der Lest, eine Bahnhofsuhr und das Gleis 9 ¾ aus „Harry Potter“. Bei vielen Passantinnen und Passanten kommt das neue Bild offenbar gut an. Einige bedankten sich einfach, andere zeigten sich begeistert, berichten die Eigentümer.
Nun hoffen Petra und Andreas van der Lest, dass das Werk lange erhalten bleibt. „Wir hoffen, dass andere Sprayer die Arbeit respektieren und das Werk nicht zerstören“, sagen sie.