Hitze wird zur Aufgabe für Städte
Der Kreistag hat einen Hitzeaktionsplan beschlossen. In Haan liegen Anträge von CDU und SPD vor, in Erkrath fordern die Grünen Maßnahmen.
Von Antje Götze-Römer
Kreis Mettmann – Schatten, Trinkwasser, kühle Orte, mehr Stadtgrün — was früher nach Komfort klang, wird angesichts zunehmender Hitzeperioden zu einer Frage des Gesundheitsschutzes. Im Kreis Mettmann und in den Städten rückt das Thema Hitzeschutz deshalb stärker auf die politische Tagesordnung.
Der Kreistag hat am 16. Juli 2026 mehrheitlich beschlossen, die Umsetzung des „Hitzeaktionsplans für den Kreis Mettmann“ samt Maßnahmenkatalog in enger Zusammenarbeit mit den kreisangehörigen Städten anzuschieben.
Der Plan versteht Hitzeschutz als dauerhafte Aufgabe. Er umfasst unter anderem Hitzewarnsysteme, Information und Kommunikation, kühle Orte, Trinkwasserangebote, den Schutz besonders gefährdeter Gruppen sowie langfristige Maßnahmen in Stadtplanung und Bauwesen.
Der Kreis verweist in seinem Plan darauf, dass die Zahl heißer Tage im Kreisgebiet deutlich zugenommen hat. Während im Zeitraum 1951 bis 1980 im Durchschnitt rund zwei bis drei heiße Tage pro Jahr verzeichnet wurden, lag der Mittelwert im Referenzzeitraum 1991 bis 2020 laut Hitzeaktionsplan bei etwa neun heißen Tagen pro Jahr.
Besonders gefährdet sind unter anderem ältere Menschen, Kinder, Schwangere, chronisch Kranke, Menschen mit Behinderung, Pflegebedürftige, Obdachlose, sozial isolierte Menschen sowie Personen, die im Freien arbeiten oder Sport treiben.
Haan: CDU fragt nach Bäumen und Konzepten
In Haan will die CDU-Fraktion das Thema im Umwelt- und Mobilitätsausschuss am 8. Oktober beraten lassen. Sie beantragt die Vorstellung des auf Haan bezogenen Hitzeaktionsplans und der Endfassung des städtischen „Konzeptes für nachhaltige Klimaanpassung“.
Außerdem soll die Verwaltung prüfen, welche städtischen Flächen entlang von Straßen sich für zusätzliche schattenspendende Bäume eignen. Gefragt wird auch nach Förderprogrammen für Straßen- und Stadtbäume sowie weitere Begrünungsmaßnahmen. Als Beispiel für fehlende Verschattung nennt die CDU die untere Deller Straße. Positiv verweist sie auf Nachpflanzungen entlang der Düsseldorfer Straße.
Auch die Kühle-Orte-Karte soll Thema sein. Die CDU möchte wissen, ob es im Beteiligungsverfahren gute Hinweise für Haan gab und ob ausreichend auf die vom Kreis veröffentlichte Karte hingewiesen wurde.
SPD bringt Sprühnebel ins Spiel
Bereits zuvor hatte die SPD Haan einen eigenen Vorschlag eingebracht. Die Fraktion möchte prüfen lassen, ob sogenannte Sprühnebelduschen im Stadtgebiet installiert werden können. Im Fokus stehen zunächst der Neue Markt in Haan sowie die Bahnstraße in Gruiten. Auch weitere besonders hitzebelastete Standorte sollen geprüft werden.
Hintergrund ist unter anderem das Bade- und Planschverbot am Stadtbrunnen auf dem Neuen Markt. Die SPD sieht darin den Wegfall eines Abkühlungsortes, der vor allem von Kindern genutzt worden sei. Die Verwaltung soll mögliche technische Lösungen, Anschaffungs- und Betriebskosten sowie Fördermöglichkeiten oder Kooperationen prüfen.
Erkrath: Grüne fordern
Maßnahmenpaket
Auch in Erkrath liegt ein Antrag vor. Die Grünen fordern ein konkretes Maßnahmenpaket zur Starkhitzevorsorge. Der Antrag soll am 15. September im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Planung und am 1. Oktober im Rat beraten werden.
Gefordert werden unter anderem öffentliche Kälteräume bei Hitzewellen, mehr Trinkbrunnen, Wassersprühsysteme in besonders aufgeheizten Bereichen, mehr Schatten durch Bäume und Pflanzen auf Schulhöfen, Spielplätzen und anderen stark belasteten Flächen sowie Entsiegelungsmaßnahmen.
Außerdem soll die Stadt ein umfassendes Hitzevorsorgekonzept erarbeiten.
Mehr als ein Sommerthema
Die Anträge unterscheiden sich im Detail, zielen aber in dieselbe Richtung: Städte sollen sich besser auf heiße Tage vorbereiten. Kurzfristig geht es um Information, Trinkwasser, kühle Räume und Abkühlungsmöglichkeiten. Langfristig stehen Begrünung, Entsiegelung, Schatten und klimaangepasste öffentliche Räume im Mittelpunkt.
Für Haan wird nun entscheidend sein, wie die kreisweite Hitzeaktionsplanung vor Ort konkret wird: Wo fehlen Schattenplätze? Welche öffentlichen Gebäude könnten an heißen Tagen als Rückzugsorte dienen? Wo sind zusätzliche Bäume möglich? Und wie werden besonders gefährdete Menschen erreicht?
Der Kreistagsbeschluss sowie die Anträge aus Haan und Erkrath zeigen: Hitzeschutz ist kein Randthema mehr. Er wird zu einer kommunalen Aufgabe — für Gesundheit, Aufenthaltsqualität und eine Stadtplanung, die auf heißere Sommer reagieren muss.
