Digitalisierung darf 
niemanden abhängen

Digitale Tickets sind praktisch. Wer ein Smartphone besitzt, sich sicher durch Apps bewegt und die passende Bezahlmöglichkeit hinterlegt hat, kommt damit oft schnell ans Ziel. Doch genau darin liegt das Problem: Dieses „Wer“ gilt eben nicht für alle.
Wenn Fahrkarten, Eintrittskarten oder andere Angebote nur noch digital erhältlich sind, wird aus technischem Fortschritt schnell eine Hürde. Für ältere Menschen, für Menschen ohne Smartphone, ohne stabiles Internet, ohne digitale Routine oder ohne Vertrauen in Online-Zahlungen kann ein rein digitales Angebot bedeuten: Ich komme nicht mehr mit. Ich werde ausgeschlossen.
Eine Gesellschaft, die Digitalisierung ernst meint, darf sie nicht mit Zwang verwechseln. Fortschritt entsteht nicht dadurch, dass analoge Wege vorschnell gestrichen werden. Fortschritt bedeutet, neue Möglichkeiten zu schaffen – ohne bewährte Zugänge sofort abzubauen.
Deshalb ist es richtig, digitale Angebote auszubauen. Aber es ist ebenso richtig, analoge Alternativen so lange zu erhalten, wie nicht alle Menschen sicher und selbstverständlich digital unterwegs sind. Ein Ticket am Schalter, ein Ausdruck, eine telefonische Buchung oder eine andere nicht-digitale Lösung sind keine Rückschritte. Sie sind ein Zeichen von Rücksicht.
Gerade bei grundlegenden Dingen wie Mobilität, Verwaltung, Gesundheit oder öffentlicher Teilhabe darf niemand daran scheitern, dass ihm ein Gerät, eine App oder digitales Wissen fehlt. Digitalisierung muss den Menschen dienen – nicht umgekehrt.
Ein Leserbrief, der uns in der vergangenen Woche erreichte, zeigt: Dieses Thema bewegt. Und es ist gut, dass darüber diskutiert wird. Denn die Frage ist nicht, ob die Zukunft digitaler wird. Die Frage ist, ob sie dabei offen bleibt für alle.