Demokratie stärken mit positivem Blick auf Haan

Beim Netzwerktag des Haaner 
Sommers übergab die Gruppe „Demokratie stärken“ rund 250 positive Rückmeldungen an den Bürgermeister.

Von Antje Götze-Römer
Haan – Was gefällt den Menschen an Haan? Was macht die Stadt lebenswert? Und wie verändert sich ein Gespräch, wenn nicht zuerst über Ärger, Probleme und Beschwerden gesprochen wird, sondern über das, was gut läuft?
Mit diesen Fragen hat sich die Gruppe „Demokratie stärken“ des Netzwerks „Wir sind Haan“ beschäftigt – und beim Netzwerktag am Dienstag, 4. August, auf der Bühne des Haaner Sommers die Ergebnisse ihrer Aktion vorgestellt.
Bereits im Mai hatte die Gruppe unter dem Titel „Wir drehen den Blick – Ein Tag für positive Perspektiven“ Menschen in der Innenstadt angesprochen. In und vor dem von der Stadt angemieteten Raum Mitte.Haan am oberen Neuen Markt konnten Bürgerinnen und Bürger auf Karten notieren, was sie an Haan schätzen.
Die Rückmeldungen wurden anschließend an Wäscheleinen aufgehängt, die quer über diesen Innenstadtbereich gespannt waren. Am Ende reichte eine Leine nicht aus – eine zweite musste her. Insgesamt kamen nach Angaben der Gruppe rund 600 Karten zusammen. Etwa 250 davon wurden nun an Bürgermeister Vincent Endereß übergeben.
Beim Haaner Sommer war das Zelt zum Auftakt des Netzwerktags nahezu voll besetzt. Hermann Neumann und Tom Hegermann begrüßten die Besucherinnen und Besucher. Hegermann, der ebenfalls zur Gruppe „Demokratie stärken“ gehört, erinnerte an die Idee der Aktion: Nicht nur das Negative solle im Mittelpunkt stehen. Die Gruppe wolle zeigen, dass es in Haan viele Dinge gebe, die Menschen verbinden und die das Leben in der Stadt angenehm machen.
Jorge Inostroza brachte es auf den Punkt: Häufig werde darüber gesprochen, was schlecht laufe oder was alles nicht funktioniere. Das könne die Stimmung prägen. Gleichzeitig gebe es in Haan aber vieles, das positiv wahrgenommen werde – etwa der Haaner Sommer, das vielfältige Engagement in Vereinen, Gruppen und Initiativen oder das Miteinander vor Ort. Genau darüber habe die Gruppe mit den Menschen ins Gespräch kommen wollen.
Auch Bürgermeister Vincent Endereß griff diesen Gedanken auf. Er berichtete, dass beim Beschwerdemanagement der Stadt täglich etwa zehn bis 15 Eingaben eingingen. Diese beträfen nicht immer unmittelbar die Stadt Haan. Kritik sei Teil einer Demokratie, machte Endereß deutlich. Zugleich sei es wichtig, auch wahrzunehmen, was funktioniere. In Haan gebe es eine eher familiäre Atmosphäre, gewachsene Strukturen und eine stabile Stadtgesellschaft. „In Haan wird aber das Gute oft einfach konsumiert, während das Schlechte kommentiert wird“.
Unter den Karten fanden sich nach Angaben von Jorge Inostroza auch positive Rückmeldungen zur Verwaltung. Genannt worden seien etwa Freundlichkeit und gute Organisation. Inostroza berichtete dazu von eigenen Erfahrungen aus einer anderen Stadt, wo er lange auf einen Termin habe warten müssen. In Haan sei es deutlich schneller gegangen.
Den Blick auf positive 
Erfahrungen lenken
Im anschließenden Pressegespräch erzählten Inostroza und Detlef Tappen, dass manche Gespräche bei der Aktion im Mai zunächst eher negativ begonnen hätten. Im Verlauf sei es aber häufig gelungen, den Blick auf positive Erfahrungen zu lenken. Tappen erinnerte sich an eine Begegnung, bei der jemand zunächst gesagt habe, es gebe nichts Gutes in Haan. Seine Antwort: „Das glaube ich nicht.“
Die Gruppe „Demokratie stärken“ ist Teil des Netzwerks „Wir sind Haan“. Das Netzwerk beschreibt sich selbst als offene, überkonfessionelle, interkulturelle, überparteiliche und ehrenamtlich organisierte Gemeinschaft. Es ist Teil der Seniorenarbeit der Evangelischen Kirchengemeinde Haan, steht aber allen Interessierten offen. Mitgliedsbeiträge oder Verpflichtungen gibt es nicht. Ziel ist es, Begegnung zu ermöglichen, Einsamkeit entgegenzuwirken und Menschen zusammenzubringen.
Die Demokratie-Gruppe selbst ist aus der Frage heraus entstanden, wie Demokratie angesichts zunehmender Herausforderungen geschützt und gestärkt werden kann. Mehr als 20 Teilnehmende kamen nach Angaben des Netzwerks zum Auftakt zusammen. Einig waren sie sich darin, dass Demokratie vom Engagement der Bürgerinnen und Bürger lebt.
Seitdem hat die Gruppe verschiedene Angebote entwickelt. Dazu gehörten eine Podiumsdiskussion im Vorfeld der Kommunalwahl 2025, ein Workshop unter dem Titel „Parolen Paroli bieten“ und nun die Aktion „Wir drehen den Blick“.
Detlef Tappen sagte, Ziel sei es, etwas für die Gesellschaft zu tun, politische Bildung zu ermöglichen und demokratisches Engagement wertzuschätzen. Jorge Inostroza ergänzte, die große Zahl der Karten habe die Gruppe überrascht. Man wolle das Feld nicht denen überlassen, die alles schlechtredeten. Eine dauerhaft negative Stimmung könne gesellschaftliche Entwicklungen befördern, die der Demokratie schadeten.

Bürgermeister Endereß verwies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung demokratischer Regeln und Verfahren. Die Haanerinnen und Haaner sollten die Grundregeln der Demokratie respektieren – ebenso wie demokratisch getroffene Entscheidungen des Rates. Bürgerentscheide seien ein wichtiges demokratisches Instrument, könnten aber nicht in jedem Fall das Mittel der Wahl sein, wenn demokratische Prozesse tragfähig bleiben sollten.
Einigkeit bestand auf der Bühne und im Gespräch darin, dass Ehrenamt und Engagement eine wesentliche Grundlage für das Leben in Haan sind. Endereß erinnerte an die Ehrengabe der Stadt Haan, mit der bereits verschiedene Organisationen und Personen für ihr ehrenamtliches Wirken ausgezeichnet wurden – darunter auch das Netzwerk „Wir sind Haan“. Das sei ein Zeichen der Wertschätzung und zugleich Ausdruck einer lebenswerten Stadt.
Für die Gruppe „Demokratie stärken“ soll die Aktion nicht der Schlusspunkt gewesen sein. Nach Angaben von Inostroza und Tappen gibt es Überlegungen, in Haan künftig eine Woche der Demokratie mit unterschiedlichen Angeboten zu organisieren. Konkrete Einzelheiten stehen noch nicht fest.
Klar ist aber schon jetzt: Die Gruppe möchte weiter daran arbeiten, Menschen ins Gespräch zu bringen – über Demokratie, über Verantwortung und über das, was Haan zusammenhält.