Auch Lob gehört zu 
einer Demokratie dazu

Das dürfte einer der Termine gewesen sein, die ein Bürgermeister gern wahrnimmt: Auf der Bühne des Haaner Sommers bekam Vincent Endereß keine Beschwerdeliste überreicht, sondern rund 250 Karten mit positiven Rückmeldungen von den Bürgern und Bürgerinnen der Gartenstadt. Lesen Sie dazu auch den Bericht auf Seite 1.
Die Aufgabe, die die Gruppe „Demokratie stärken“ den Haanerinnen und Haaner gestellt hatte, war einfach: Menschen sollten aufschreiben, was sie an Haan schätzen.
Gerade das ist im Alltag aber gar nicht so selbstverständlich. Denn oft fällt zuerst auf, was nicht funktioniert: der kaputte Gehweg, der volle Mülleimer, die Entscheidung, über die man sich ärgert, Kita-Gebühren oder Brunnen-Affären.
Kritik ist wichtig. Demokratie braucht Widerspruch, Kontrolle und Menschen, die sich einmischen. Aber wenn nur noch kritisiert wird, kippt der Blick. Dann wird das Gute zwar genutzt, aber kaum noch wahrgenommen.
Dabei lebt Haan von vielem, was nicht selbstverständlich ist: vom Haaner Sommer, von Vereinen, Initiativen, Nachbarschaft und vom Ehrenamt.
All das entsteht nicht von allein. Menschen investieren Zeit, Kraft und Herzblut – oft ohne große Aufmerksamkeit und meist ohne Applaus, der mehr als verdient wäre, aber selten die Motivation für ehrenamtliches Engagement ist.
Deshalb ist die Aktion mehr als eine nette Idee. Sie erinnert daran, dass man das Gute nicht nur konsumieren sollte. Man darf es auch benennen. Und zwar laut. Denn Lob stärkt die, die sich kümmern – und es tut auch der Stadtgesellschaft gut. Vielleicht wäre das ein guter Vorsatz für jeden Tag: nicht nur sehen, was fehlt, sondern auch sagen, was gelingt.