Wenn aus grauem Beton ein Zeichen für Zuversicht wird
An der Städtischen Gesamtschule Haan haben Jugendliche im Rahmen eines Projekts des Vereins Neue Wege eine Betonwand gestaltet.
Von Sylke Jacobs und
Antje Götze-Römer
Haan – Ian Zupan lässt die Spraydose über die Schablone kreisen. Es ist der letzte Feinschliff, den der Graffiti-Künstler aus Erkrath auf die Mauer am Lehrerparkplatz der Städtischen Gesamtschule Haan sprüht.
Die einst graue Betonwand leuchtet nun in kräftigen Blau- und Violetttönen. Darauf stehen die Worte „Respekt“, „Vielfalt“ und „Freiheit“ – dazwischen sind die Erdkugel und der Haaner Hahn zu sehen.
Entstanden ist das Graffiti-Kunstwerk in der ersten Sommerferienwoche gemeinsam mit sechs Jugendlichen, die im Rahmen der Jugendhilfe im Strafverfahren Arbeitsstunden ableisteten. Initiiert wurde das Projekt vom Verein Neue Wege. Das jährliche Graffiti-Projekt des Vereins ist inzwischen überregional bekannt und wird in den fünf Mitgliedsstädten Erkrath, Haan, Heiligenhaus, Mettmann und Wülfrath umgesetzt.
Das zentrale Anliegen beschreibt Silvia Böhm, Vorsitzende des Vereins Neue Wege, so: „Wir wollen den Jugendlichen die Chance geben, wieder Teil der Gemeinschaft zu sein. Hier erleben sie, was man gemeinsam erreichen kann, übernehmen Verantwortung und entdecken vielleicht sogar neue Interessen.“
In diesem Jahr war bei dem Projekt einiges anders als zuvor. Zum ersten Mal übernahm Ian Zupan die künstlerische Leitung. Der Erkrather Künstler hat zwar bereits Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen; bislang kamen diese nach Angaben des Vereins jedoch freiwillig zu seinen Workshops. Auch die Arbeitsweise änderte sich: Früher erstellte der Künstler den Entwurf, den die Jugendlichen anschließend umsetzten. Diesmal lag die Entwicklung der Botschaft stärker bei den Jugendlichen selbst.
„Respekt“, „Vielfalt“ und „Freiheit“ waren die Begriffe, die ihnen besonders wichtig waren. Bereits im Vorfeld hatte Zupan gemeinsam mit der Schülervertretung und der Schulleitung Themen gesammelt, die zur Schule passen. Zu Beginn der Projektwoche wurden diese Ideen mit den Jugendlichen weiterentwickelt. Sie übten zunächst mit Bleistift und Papier, wie unterschiedlich Buchstaben gestaltet werden können.
Bevor Farbe auf die Wand kam, stand allerdings zunächst handfeste Arbeit an. Die Mauer musste mit einem Hochdruckreiniger von Moos und Schmutz befreit und anschließend grundiert werden. Danach lernten die Jugendlichen, wie man eine Spraydose richtig hält und warum eine Skizze auf der Wand wichtig ist.
Zupan ließ der Gruppe bewusst viel gestalterischen Freiraum. „Es kann nichts Schlimmes passieren“, lautete nach Angaben des Vereins sein Credo. Im schlimmsten Fall hätte ein Teil der Wand noch einmal grundiert werden müssen.
Nach und nach entwickelte sich Teamgeist: Die Jugendlichen arbeiteten gemeinsam an den Buchstaben, brachten eigene Fähigkeiten ein und entdeckten dabei auch neue Talente.
Besonders auffällig ist der Schriftzug „Freiheit“, der auf den ersten Blick nicht leicht zu lesen ist. Für Özkan Aksoy von der Jugendhilfe im Strafverfahren Erkrath passt das zum Inhalt. „Freiheit bekommt man nicht geschenkt, die muss man sich erarbeiten“, erklärte er augenzwinkernd.
Auch Schulleiter Christian Hoffmann zeigte sich beeindruckt von dem Ergebnis. Er lobte, was die Jugendlichen in nur vier Tagen geschaffen hatten, und kann sich nach Angaben des Vereins vorstellen, Ian Zupan auch für weitere Schulprojekte zu engagieren.
Zum Abschluss griff Hoffmann selbst zur Spraydose und sprühte unter Anleitung das Logo des Vereins Neue Wege auf die Wand. Dabei war auch Haaner Erste Beigeordnete Annette Herz anwesend.
Für den Verein ist das Ergebnis mehr als eine optische Aufwertung einer grauen Wand. Die Jugendlichen hätten gemeinsam Verantwortung übernommen, Ausdauer gezeigt und sichtbar etwas für die Schulgemeinschaft geschaffen. Oder, wie es in der Mitteilung des Vereins heißt: Respekt müsse man sich erarbeiten – die Jugendlichen hätten ihn sich mit ihrer Zusammenarbeit verdient.
