Brunnen am Neuen Markt: Stadt erklärt Badeverbot
Stadt Haan verweist auf Hygiene, Sicherheit, Technik und Wasserverbrauch, räumt aber ein: Konkrete Gesundheitsfälle sind nicht bekannt.
Von Antje Götze-Römer
Haan – Der Brunnen am Neuen Markt soll nicht länger als Planschbecken genutzt werden. Die Stadt Haan hat dort ein Hinweisschild angebracht, das die Nutzung als Bade- oder Wasserspielbereich untersagt.
Nach den heißen Tagen, an denen viele Kinder und Familien im Brunnen Abkühlung gesucht hatten, erläutert die Verwaltung nun die Hintergründe. Sie verweist auf Hygiene, Sicherheit, den Zustand der Technik und den Wasserverbrauch.
Eine dauerhafte Überwachung des Brunnens ist nicht geplant. Die Stadt setzt nach eigener Darstellung zunächst auf die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger.
Der Kommunale Ordnungsdienst und andere städtische Mitarbeitende sollen die Situation im Rahmen ihrer regulären Streifen- und Kontrolltätigkeit im Blick behalten. Anlassbezogene Kontrollen seien möglich, wenn Hinweise oder Beschwerden aus der Bevölkerung eingehen.
Ganz unverbindlich ist das Schild allerdings nicht. Die Stadt verweist auf ihre Ordnungsbehördliche Verordnung. Danach können öffentliche Anlagen geschützt und Nutzungseinschränkungen auf Hinweistafeln verbindlich sein. Wer das Schild missachtet, muss nach Angaben der Verwaltung zunächst mit einer mündlichen Verwarnung oder der Aufforderung rechnen, den Brunnen zu verlassen.
Wird eine solche Anordnung nicht befolgt, kann im Einzelfall auch ein Platzverweis ausgesprochen werden. Auch Verwarn- oder Bußgelder seien grundsätzlich möglich. Eine konkrete Höhe nennt die Stadt nicht.
Als wichtigsten Grund nennt die Verwaltung den Gesundheits- und Sicherheitsschutz. Der Brunnen sei als gestalterisches Wasserelement angelegt worden, nicht als Bade- oder Wasserspielanlage. Zwar wird nach Angaben der Stadt im laufenden Betrieb täglich der Chlorwert kontrolliert. Diese Kontrolle diene jedoch dem Betrieb des Brunnens und nicht einer Bewertung als Badewasser. Eine Untersuchung der Wasserqualität als Badewasser nennt die Stadt nicht.
Bei Sichtkontrollen sei zuletzt aber eine deutliche Verschlechterung festgestellt worden: Das Wasser sei trüb und grün gewesen, außerdem seien Sand, Müll und Essensreste im Becken gefunden worden. Das begründe aus Sicht der Verwaltung Zweifel an der hygienischen Unbedenklichkeit.
Konkrete gesundheitliche Beschwerden im Zusammenhang mit der Nutzung des Brunnens sind der Stadt nach eigener Auskunft bislang nicht dokumentiert.
Auch das Verletzungsrisiko habe sich durch die intensive Nutzung erhöht. Der 1997 in Betrieb genommene Brunnen des Haaner Künstlers Wolfgang Niederhagen war nach Angaben der Stadt zwar so konzipiert, dass Besucherinnen und Besucher das Wasserspiel durchqueren können. An heißen Tagen hielten sich inzwischen jedoch deutlich mehr Menschen gleichzeitig im Wasser auf.
Die Stadt verweist auf rutschige Betonflächen, fehlenden Fallschutz und im Boden eingelassene Düsenköpfe, die bei Stürzen zu Verletzungen führen könnten.
Hinzu kommt der technische Zustand der Anlage. Wesentliche Teile der Pumpen- und Filtertechnik stammen nach Angaben der Stadt noch aus dem Jahr 1997, die Steuerungstechnik wurde 2006 teilweise erneuert oder angepasst.
Die Filteranlage sei zwar vor zwei Jahren erneuert worden, aber auf den Betrieb als Zierbrunnen ausgelegt. Eine umfassende Modernisierung der gesamten Brunnentechnik ist derzeit nicht vorgesehen. Die Stadt verweist dabei auf die geplante künftige Betrachtung des Neuen Marktes im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes.
Durch die intensive Nutzung musste das Wasser zuletzt vollständig ausgetauscht werden. Dafür waren nach Angaben der Stadt rund 25 Kubikmeter beziehungsweise 25.000 Liter Wasser nötig. Im normalen Betrieb sei ein solcher Austausch während der Saison üblicherweise nicht erforderlich. Der laufende Wasserverbrauch durch Verdunstung liege bei etwa einem Kubikmeter pro Monat.
Das Hinweisschild ist nach Angaben der Verwaltung zunächst wegen der außergewöhnlich intensiven Nutzung während der Hitzeperiode aufgestellt worden. Weitere Maßnahmen wie Absperrungen, bauliche Veränderungen oder eine Anpassung des Brunnenbetriebs sind aktuell nicht geplant.
Die Stadt will die Situation weiter beobachten.
