Diskussion um Mäharbeiten in der Grube 7
Mäharbeiten in der Grube 7 sorgen für Diskussionen: BUND, Stadt und AGNU bewerten Naturschutz und Verkehrssicherheit unterschiedlich.
Von Antje Götze-Römer
Haan – Wie viel Pflege braucht ein Naturschutzgebiet – und ab wann wird sie zum Problem für die Artenvielfalt? Diese Frage stellt sich derzeit im Zusammenhang mit Mäharbeiten im Naturschutzgebiet Grube 7.
Ursula Ripke vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Kreisgruppe Mettmann, kritisiert das frühe und wiederholte Mähen von Wald- und Gehölzrändern entlang mehrerer Wege. Dadurch würden aus ihrer Sicht wertvolle Blühpflanzen entfernt, die für Insekten und andere Kleintiere wichtig seien.
Ripke hatte sich bereits im April an die Stadt Haan gewandt und darum gebeten, die Mähpraxis zu überprüfen. Sie verweist darauf, dass an den Wegesrändern eigentlich Pflanzen wie Wilder Dost, verschiedene Kleearten, Flockenblumen, Königskerzen, Nachtkerzen oder Disteln blühen könnten. Stattdessen seien viele Bereiche abgemäht. Die Ränder sähen zwar „gepflegt“ aus, seien aus ökologischer Sicht aber ein trauriger Anblick. Auch Vorkommen von Orchideen, Großem Klappertopf und Königskerzen sieht sie durch die wiederholten Arbeiten beeinträchtigt.
Die Stadt Haan weist den Eindruck zurück, dass die Flächen aus optischen Gründen kurz gehalten werden. Auf Anfrage unserer Zeitung argumentiert sie, dass die Unterhaltung der Wege nicht aus gestalterischen Gründen erfolge, sondern vor allem der Verkehrssicherheit, der Sicherung notwendiger Betriebs- und Rettungswege sowie der Erfüllung gesetzlicher und fachlicher Anforderungen im Naturschutzgebiet diene. Dabei würden Natur- und Artenschutz ebenso berücksichtigt wie die öffentliche Sicherheit.
Nach Angaben der Verwaltung werden insbesondere die Randbereiche der Wege gepflegt, die für den öffentlichen Verkehr sowie für Betriebs- und Rettungsfahrzeuge vorgesehen sind. Die Arbeiten richteten sich nach dem jeweiligen Vegetationsaufwuchs und den Erfordernissen der Verkehrssicherung. Außerdem würden Flächen bearbeitet, auf denen invasive Pflanzenarten bekämpft werden müssten oder die zur Unterhaltung technischer Anlagen zugänglich bleiben müssen.
Als Gründe nennt die Stadt unter anderem die Passierbarkeit für Feuerwehr, Rettungsdienst, Forst-, Unterhaltungs- und Entsorgungsfahrzeuge. Auch Fahrzeuge zur Unterhaltung der Kalkwerksanlagen, für Zaun- und Absturzsicherungen sowie Versorgungsträger wie Amprion müssten bestimmte Wege nutzen können.
Nur ausreichend freigehaltene Wege ermöglichten im Notfall eine schnelle Bergung verletzter Personen oder eine wirksame Waldbrandbekämpfung, so die Verwaltung.
Ein weiterer Punkt ist die Bekämpfung invasiver Pflanzenarten, vor allem des Riesen-Bärenklaus. Ripke hatte infrage gestellt, warum manche Bestände gemäht würden, andere nahe gelegene Bestände aber stehen blieben. Die Stadt erklärt dazu, dass die Bekämpfung abschnittsweise erfolge und sich nach Arbeitsabläufen sowie örtlichen Gegebenheiten richte. Nicht jeder Bestand könne gleichzeitig bearbeitet werden; einzelne Flächen würden bei späteren Einsätzen nachbehandelt.
Auch die AGNU Haan bewertet die Situation differenziert. Der Verein verweist darauf, dass er seit vielen Jahren mit der Stadt im Austausch steht, unter anderem zu Themen wie Biodiversität, Nachhaltigkeit und Klimaanpassung.
Grundsätzlich sei es wünschenswert, wenn rechts und links der teils schmalen Wege Pflanzen stehen bleiben könnten. Auch abschnittsweises Mähen sei zu begrüßen. Gleichzeitig sieht die AGNU die Stadt aber in der Verantwortung, Gefahren auf den Wegen zu vermeiden. Pflanzen, die bei Trockenheit oder nach Regen auf die Wege fallen, könnten unter anderem für Radfahrer ein Risiko darstellen.
Dennoch sieht die AGNU Verbesserungsmöglichkeiten. Mitunter könne der gemähte Streifen kleiner sein, und auch ein späterer Zeitpunkt der Mahd sei denkbar. Der Verein weist allerdings darauf hin, dass die Pflegearbeiten nicht immer von geschulten städtischen Mitarbeitern ausgeführt würden, sondern aus Kosten- und Personalgründen auch von Fremdunternehmen.
Beim Riesen-Bärenklau bestätigt die AGNU, dass es sich um ein wichtiges Thema handelt. Die Stadt habe die wegnahen Flächen im Blick, weitere Bereiche würden in Zusammenarbeit mit der AGNU bearbeitet.
Auch die Bekämpfung des Japan-Knöterichs durch die Stadt begrüßt der Verein. Die übrigen Flächen in der Grube 7 pflegt die AGNU nach eigenen Angaben in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Mettmann.
Die Stadt erklärt, ihre Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen regelmäßig zu überprüfen und bei Bedarf weiterzuentwickeln. Anpassungen seien grundsätzlich möglich, sofern sie mit den Anforderungen von Natur- und Artenschutz, Verkehrssicherheit und Gefahrenabwehr vereinbar seien.
Zugleich verweist sie darauf, dass die Untere Naturschutzbehörde die Stadt bereits Ende 2025 aufgefordert habe, zahlreiche Wege wieder dauerhaft für Erholungssuchende passierbar zu machen.
Damit bleibt die Grube 7 ein Ort, an dem unterschiedliche Interessen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen: der Schutz wertvoller Blühpflanzen und Lebensräume, die Bekämpfung invasiver Arten, die sichere Nutzung der Wege und die Unterhaltung technischer Anlagen. Während Ursula Ripke eine naturschonendere Mähpraxis fordert, sehen Stadt und AGNU die Pflege grundsätzlich als notwendig an – mit möglichem Spielraum bei Umfang und Zeitpunkt der Mahd.
