Felderlauf feiert riesiges Comeback
Mehr als 400 Teilnehmer gingen am Sonntag über die verschiedenen Distanzen ins Rennen.
Von Knut Reiffert
Gruiten – Als der Gruitener Felderlauf 2019 seine erfolgreiche Premiere feierte, waren rund 160 Teilnehmer dabei. Dann kam Corona. „Und dann hatten wir organisatorische Engpässe“, erklärt Thomas Schönenberg vom TSV Gruiten, der zusammen mit dem Lauftreff Gruiten-Neandertal auch für die Neuauflage am vergangenen Sonntag verantwortlich zeigte. Und die hatte es in sich: Mehr als 400 Starter machen den 2. Gruitener Felderlauf zur größten Laufveranstaltung, die die Gartenstadt je gesehen hat. „Allein in der letzten Woche hatten wir noch 120 Last-Minute-Anmeldungen“, staunte Schönenberg nicht schlecht. Die Folgen der Teilnehmerexplosion: Beim morgendlichen Registrieren und Abholen der Startnummern gab es eine lange Warteschlange, der Start zum Hauptlauf über 10 Kilometer musste eine Viertelstunde nach hinten verlegt werden.
Organisation besser als durch
professionelle Veranstalter
„Aber daraus lernen wir fürs nächste Jahr“, verspricht Andrea Breuer. Bei der Leiterin der TSV-Schwimmabteilung liefen im Vorfeld alle Drähte zusammen. „Zusammen mit den anderen Mitgliedern des Orga-Teams hat sie eine dreistellige Stundenzahl investiert“, weiß Schönenberg, der die Großveranstaltung per Mikrofon moderierte. Für ihren Einsatz erhielten die Ehrenamtlichen bei der Siegerehrung nicht nur einen fetten Applaus. „An dem ganzen Ablauf hier können sich viele professionelle Veranstalter ein Beispiel nehmen“, lobt 10-Kilometer-Sieger Renee Bongers, der regelmäßig an Laufveranstaltungen in ganz Europa teilnimmt. Der 33-Jährige aus Ratingen-Hösel startet für das Ayyo Team Essen, läuft pro Woche um die 100 Kilometer und liegt aktuell auch beim Neanderland-Cup ganz vorne.
Das ist die zehn Termine umfassende Laufserie, zu der erstmals auch der Felderlauf gehört. Sicher mit ein Grund, warum am Sonntag so viele Spitzenläufer aus den Rheinmetropolen und dem Ruhrgebiet am Start waren. Platz 2 und 3 über 10 Kilometer bei den Männern gingen an David Sudowé und Oliver Christeleit (beide Team Essen 99). Bei den Frauen liefen über die gleiche Distanz Sabina Hillebrecht (Bridgerunners Düsseldorf), Sandra Herbst (LG Wuppertal) und Lena Melsa (LT Essen-Stoppenberg) allen davon. Die weiteste Anreise hatte ein Starter aus Bayern in Kauf genommen.
Doch selbst für Renee Bongers war die Topographie der Felderlaufstrecke eine echte Herausforderung. Genauer gesagt die auf Mettmanner Stadtgebiet liegenden Serpentinen zwischen dem Anfang vom Diepensiepen und Gut Thunis. Die mussten die 5-Kilometer-Läufer einmal und die 10-Kilometer-Läufer zweimal erklimmen. Dazu kam für beide Distanzen der Steilhang bei Bauer Schmitz (Gut Ehlenbeck) zwei Kilometer vor dem Ziel. „Puh, das war sehr, sehr anspruchsvoll“, räumt Bongers ein.
Topoprafie verlangt sogar
Spitzenläufern alles ab
Kein Wunder, dass Thomas Schönenberg bei der Siegerehrung erklärte: „Jeder, der ins Ziel gekommen ist, ist ein Sieger.“ Einen Tag vor der Veranstaltung war er die Strecke ganz langsam abgetrabt und dabei an seine aktuellen Grenzen gestoßen.
„Das war ursprünglich auch nicht so vorgesehen“, erklärte Schönenberg dem Haaner Treff fast schon entschuldigend, warum beim Felderlauf echte Gipfelstürmer gefragt waren. „Wir hatten die Strecke ähnlich der von 2019 schon fest geplant und kartiert, als der Wanderweg entlang der Düssel gesperrt wurde.“ Die einzig schnell zu realisierende Ausweichroute sei dann die mit den mehr als 200 Höhenmetern gewesen.
Für erstklassigen Support für Hobby- wie für Leistungssportler sorgten Mitglieder des Orga-Teams als Streckenposten an allen relevanten Abzweigungen, an zwei Erfrischungsständen und auf Mountainbikes für mögliche Zwischenfälle unterwegs.
Besonders stark vertreten war bei der Gesamtveranstaltung die Haaner Stadtverwaltung: Bürgermeister Vincent Endereß machte sich an seinem 35. Geburtstag selbst ein Geschenk, indem er die Langdistanz im Laufen in starken 54 Minuten absolvierte. Seine Zielvorgabe „unter einer Stunde“ hatte er somit deutlich unterschritten. Auf das Siegertreppchen schaffte es unterdessen sogar Annette Herz. Die Beigeordnete walkte als Zweite über 5-Kilometer ins Ziel.
Beim Fünf-Kilometer-Lauf der Männer sorgte Maximilian Fröhlich vom Team Happy Family für Aufsehen. Er startet in der Altersklasse U 14 (unter 14 Jahre) und erreichte den dritten Platz, obwohl er mindestens doppelt so viele Schritte machen musste wie die mehr als dreimal so alten Erstplatzierten Jan Schneider und Tobias Kordel (Haaner TV).
Junge Haanerinnen machen
5 Kilometer unter sich aus
Wie gut es um den Haaner Laufnachwuchs bestellt ist, wurde beim 5-Kilometer-Lauf der Frauen deutlich. Siegerin Elise Dieudonné (Haaner TV) gehört wie die Zweitplatzierte Gruitenerin Karla Tews (LG Hilden) zur Altersklasse U 20. Nora Römer (Platz 4/TSV Gruiten) zur U 16 und Julia Tonn (Platz 6/Haaner TV) zur U 18.
Doch nicht nur auf den Gruitener und Mettmanner Straßen und Wegen gaben die Felderlauf-Teilnehmer ihr Bestes. Rund um den Sportplatz wurden der Bambinilauf (400 Meter), der Kinderlauf (800 Meter) sowie Schüler- und Jugendläufe über einen oder zwei Kilometer ausgetragen.
„Das war ein echtes Wimpernschlagfinale“ verkündete Schönenberg bei der Siegerehrung der männlichen Jugend (U 12) über zwei Kilometer. Mit minimalem Vorsprung setzte sich Mika Hense (TSV Gruiten) gegen Emil Preden (DJK Unitas Haan) durch. Weil Sekundenbruchteile nicht erfasst wurden, steht bei beiden die herausragende Endzeit von 8 Minuten und 7 Sekunden auf der Urkunde.
Die Mannschaftswertung ging an ein 12-köpfiges Team aus Gruiten, das sich auch beim Namen sehr kreativ zeigte: „Wir dachten es gibt Kuchen“.
