Wie sich die Innenstadt verändert

Beim neuen Umbau geht es um weit mehr als neue Pflastersteine oder einzelne Bauprojekte.

Von Susanne Schaper
Haan – Mit dem neuen Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) arbeitet die Stadtverwaltung derzeit an einem umfassenden Zukunftsplan für die City. Die Fragen dahinter sind groß: Wie soll die Innenstadt in zehn oder zwanzig Jahren aussehen? Wo sollen Menschen wohnen, einkaufen oder sich treffen? Und wie kann Haan auf Klimawandel, Leerstände und den Wandel im Einzelhandel reagieren?
Dass sich mit solchen Konzepten tatsächlich etwas verändern lässt, zeigt der Blick zurück. Bereits das Integrierte Handlungskonzept aus dem Jahr 2015 brachte zahlreiche sichtbare Projekte hervor. Der Park Ville d’Eu wurde neugestaltet, ebenso der Alte Kirchplatz und der Alte Markt. Fassaden wurden aufgewertet, öffentliche Räume attraktiver gestaltet. Möglich wurde vieles davon durch Fördergelder aus der Städtebauförderung. Gelder, die Kommunen allerdings nur erhalten, wenn sie zuvor ein schlüssiges Entwicklungskonzept vorlegen.
Lebendig, multifunktional 
und klimaresilient
Genau daran arbeitet die Stadt nun erneut. Das neue ISEK soll die Innenstadt als „lebendigen, multifunktionalen und klimaresilienten Ort“ stärken. Hinter diesem planerischen Begriff steckt letztlich die Frage, wie Haan künftig lebenswert bleiben kann. „Die Herausforderungen haben sich verändert. Der Strukturwandel im Einzelhandel sorgt vielerorts für Leerstände, gleichzeitig steigt der Druck auf dem Wohnungsmarkt“, erklärt Stadtplanerin Silke Böhm. Hinzu kommen Klimaschutz, Nachhaltigkeit und der Wunsch nach mehr Aufenthaltsqualität.
Wie die Bürgerinnen und Bürger darüber denken, wurde jetzt beim Tag der Städtebauförderung auf dem Neuen Markt sichtbar. Dort hatte die Stadt am vergangenen Samstag gemeinsam mit dem Dortmunder Büro „scheuvens + wachten plus“ einen interaktiven Mitmachstand aufgebaut. Auf einem begehbaren Luftbild konnten Besucher ihre Ideen markieren, mit Klebepunkten Einschätzungen abgeben und direkt mit dem Planungsteam diskutieren.
Größter Handlungsbedarf bei
Nutzung der Innenstadt
Die ersten Rückmeldungen zeigen deutlich, wo viele Haaner Handlungsbedarf sehen. Besonders kritisch bewerteten die Teilnehmer die Nutzungen in der Innenstadt, also die Mischung aus Wohnen, Einzelhandel, Bildung und sozialen Angeboten. Auch beim Grünraum sehen viele Verbesserungsbedarf.
Etwas besser schnitt die verkehrliche Anbindung ab, während öffentliche Plätze und Aufenthaltsorte eher mittelmäßig bewertet wurden.
Konkrete Ideen gab es reichlich. Gewünscht wurden mehr Grünflächen und Fassadenbegrünungen, die Entsiegelung des Alten Kirchplatzes oder ein multifunktionales Wasserspiel bei künftigen Umgestaltungen. Auch das Rathaus wurde als mögliches neues „Aushängeschild“ der Innenstadt genannt.
Andere Vorschläge zielten stärker auf das gesellschaftliche Leben: ein dauerhafter Bürgertreff nach dem Vorbild von mitte.haan, mehr Angebote für Jugendliche, zusätzliche Seniorenwohnungen oder qualitativ hochwertigere Geschäfte und Gastronomieangebote.
Auch Klimaschutz spielte bei vielen Anregungen eine Rolle. So wurden Zisternen bei Neubauten, mehr Begrünung an Kreuzungsbereichen oder zusätzliche Maßnahmen auf dem Neuen Markt vorgeschlagen. Gleichzeitig wünschen sich manche Bürger die Rückkehr vertrauter Elemente – etwa den Weihnachtsmarkt auf die alte Friedrichstraße.
Realisiert wird, „was den 
Leuten auf dem Herzen liegt“
Für Christoph Schökel vom Planungsbüro ist genau diese Mischung aus Kritik, Ideen und Alltagserfahrung entscheidend. „Wir schauen, was den Leuten auf dem Herzen liegt. Aus den Anmerkungen ziehen wir die Belange heraus, die den Weg in das Konzept finden sollen“, erklärt er. Die Ergebnisse sollen anschließend ausgewertet und öffentlich vorgestellt werden.
Klar ist auf alle Fälle schon jetzt: Die Haaner Innenstadt wird sich weiter verändern. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie. Und genau darüber will die Stadt diesmal möglichst viele Bürgerinnen und Bürger mitentscheiden lassen.⋌