Wirtschaft macht Schule – Schule macht Wirtschaft

Kommentar von Knut Reiffert

Haan – Wenn sich Unternehmen über die mangelnde Qualität von Ausbildungsbewerbern beschweren, ist die Zielrichtung der Schuldzuweisungen klar: die weiterführenden Schulen. Und in der Tat ist es nicht schön, wenn nach zehn, zwölf oder dreizehn Jahren die Grundrechenarten oder die Rechtschreibung nur bruchstückhaft beherrscht werden. Doch statt nur zu kritisieren oder – was noch schlimmer ist – gar nicht mehr auszubilden, sollten die Arbeitgeber ihre Einflussmöglichkeiten nutzen, um Zugriff auf bessere Azubis zu bekommen. Zum Beispiel durch das Eingehen einer Lernpartnerschaft. So wie sie gerade in Haan zwischen der vergleichsweise noch jungen städtischen Gesamtschule und der Eduard Kronenberg GmbH vertraglich festgeschrieben worden ist.

Teufelskreis der 
Armut kann durchbrochen werden
Einhelliger Tenor alle Beteiligten bei der offiziellen Unterzeichnung der Urkunde war: Je früher Kinder und Jugendliche mit der realen Arbeitswelt konfrontiert werden, desto besser. Für sie und für die Unternehmen. Denn in der Tat ist es nicht mehr selbstverständlich, dass es zuhause ein Vorbild gibt, das jeden Tag zur Arbeit geht. „Einmal Bürgergeld, immer Bürgergeld“ ist zwar ein Klischee, aber Studien belegen, dass Kinder aus finanziell benachteiligten Familien ein höheres Risiko haben, später selbst auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein.
Diesen Teufelskreis zu durchbrechen, kann mit Hilfe von Initiativen wie der Lernpartnerschaft gelingen. Dann nämlich, wenn Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Betriebsbesichtigung, eines Workshops oder Praktika sehen, dass Arbeiten auch Spaß, zufrieden und sogar glücklich machen kann. Mit Sicherheit steigt mit dieser Erfahrung beim Nachwuchs auch die Motivation zum Lernen in der Schule. Vor allem, wenn die Perspektive besteht, einen passenden Beruf in einem gut geführten Unternehmen zu ergreifen, das man schon kennengelernt hat.

Vertrag mit Kronenberg ist Meilenstein für die Gesamtschule