Jahresbericht der Kreispolizei: Haan verliert bei der Sicherheit
Pro Kopf hat es im vergangenen Jahr in der Gartenstadt wesentlich mehr Straftaten gegeben als 2024.
Von Knut Reiffert
Haan – Wie sicher ist die Gartenstadt im Vergleich zu den anderen Städten im Kreis Mettmann? Aufschluss darüber gibt die sogenannte Kriminalitätshäufigkeitszahl (KHZ). Sie gilt als Indikator für die Gefährdung der Bevölkerung durch Kriminalität. Die KHZ dokumentiert die Zahl der bekanntgewordenen Fälle auf jeweils 100.000 Einwohner. Und bietet so die Möglichkeit, die Zahl der Straftaten in einzelnen Kommunen unabhängig von der jeweiligen Bevölkerungsgröße zu vergleichen.
Aus dem aktuellen Jahresbericht der Kreispolizeibehörde Mettmann geht hervor, dass Haan im vergangenen Jahr eine KHZ von 6385 hatte. Damit liegt sie zwar noch knapp unter den Vergleichswerten für den gesamten Kreis Mettmann (6563) und ganz NRW (7542), hat aber im Ranking der einzelnen Städte im Vergleich zu 2024 gleich vier Plätze verloren.
Die Statistik für 2025 verzeichnet nur noch vier kreisangehörige Städte, die eine höhere Kriminalitätshäufigkeitszahl als Haan haben: Monheim (8050), Langenfeld (7725), Hilden (7459) und Ratingen (6631).
Im vorangegangenen Jahr sah das noch ganz anders aus. 2024 lag die KHZ für Haan bei 5462. Acht Städte hatten einen höheren Vergleichswert. Niedriger war nur der für Erkrath (5235). Der für den Kreis lag 2024 bei 6424.
Geht man davon aus, dass die Stadt mit der niedrigsten Kriminalitätshäufigkeitszahl der Spitzenreiter in Sachen Sicherheit ist, ist Haan im Vergleich der beiden letzten Jahre von Rang 2 auf Rang 6 abgerutscht.
Das dokumentiert auch die Entwicklung: Von 2024 auf 2025 ist die Haaner Kriminalitätshäufigkeitszahl um knapp 17 Prozent gestiegen. Dramatischer sieht es nur für Langenfeld mit einem Anstieg von gut 20 Prozent aus. In Wülfrath, Heiligenhaus, Ratingen, Hilden und der Stadt Mettmann ging die Kriminalitätshäufigkeitszahl von 2024 auf 2025 sogar zurück. Dementsprechend fällt der Anstieg für das Kreisgebiet mit etwas mehr als 2 Prozent wesentlich moderater aus als für Haan alleine.
Zu den Treibern der steigenden Fallzahlen im Kreis Mettmann zählen insbesondere Taten der leichten und mittleren Kriminalität. Dazu gehören Diebstahls- und Betrugsdelikte (plus 1207 Fälle).
Währenddessen gingen die Zahlen der Delikte, die erfahrungsgemäß das Sicherheitsgefühl bei den Bürgerinnen und Bürgern besonders beeinträchtigen, deutlich zurück: So registrierte die Polizei weniger Sexualdelikte (minus 16 Prozent) und sexuelle Belästigungen (minus 20 Prozent). Auch die Anzahl der Körperverletzungsdelikte ist leicht gesunken (minus 2 Prozent).
Haan ist Schlusslicht bei
der Aufklärungsquote
Ebenfalls im Jahresbericht der Kreispolizeibehörde Mettmann aufgeführt ist die Aufklärungsquote. Und die ist in keiner Stadt im Kreis Mettmann niedriger als in Haan. 47,2 Prozent der im vergangenen Jahr in der Gartenstadt aktenkundig gewordenen Fälle konnten gelöst werden. Gegenüber 2024 ist das ein Rückgang von knapp 2 Prozent. Zum Vergleich: In Velbert – Spitzenreiter im Kreis Mettmann – konnten im vergangenen Jahr 56,58 Prozent der Straftaten aufgeklärt werden.
Für den gesamten Landkreis lag die Aufklärungsquote 2025 bei 51,73 Prozent. Während in Monheim und Heiligenhaus die Aufklärungsquote im Vergleich zu 2024 gesteigert werden konnte, ist sie aber nicht nur in Haan gesunken, sondern in den sieben anderen Städten ebenso. Folgerichtig heißt es im Jahresbericht der Kreispolizeibehörde: „Generell weisen die Kommunen des Kreises keine homogene Verteilung in Bezug auf die Aufklärungsquoten auf.“
Zwei Mal Ausschreitungen
zu Silvester in Hochdahl
Zu den Einsätzen, auf die der Jahresbericht der Kreispolizeibehörde wegen ihrer Schwere im Detail eingeht, gehören auch zwei aus dem Verbreitungsgebiet des Haaner Treffs. Das sind zum einen die Ausschreitungen in den beiden letzten Silvesternächten in Hochdahl (Haaner Treff berichtete). Nach den Unruhe-ähnlichen Zuständen 2024/25 mit mehreren verletzten Polizeibeamten waren für 2025/26 umfangreiche Vorkehrungen getroffen und im Vorfeld sogar auf Social Media Aufklärungsarbeit geleistet worden.
Trotzdem mussten Polizei und Feuerwehr auch zu Beginn dieses Jahres wieder zu einer Vielzahl von Einsätzen im Bereich des Hochdahler Markts und der Sandheide ausrücken. Unter anderem setzten Jugendliche erneut gezielt Müllcontainer in Brand. In einem Fall wurde ein Stromverteilerkasten in Brand gesetzt, so dass ein angrenzendes Mehrfamilienhaus geräumt werden musste.
Die Polizei nahm zahlreiche Personalien auf und erteilte insgesamt 49 Platzverweise – unter anderem gegen eine Person, die mit Pyrotechnik auf ein Einsatzfahrzeug gezielt hatte. Bei einem Minderjährigen wurden zwei Schreckschusswaffen sichergestellt, aus denen Schüsse abgegeben wurden.
Versuchtes Tötungsdelikt im Thunbuschpark in Gruiten
Im Abschnitt „Straftaten gegen das Leben“ geht der Jahresbericht der Kreispolizeibehörde zudem ausführlich auf das versuchte Tötungsdelikt im Thunbuschpark in Gruiten ein. Am 15. Januar 2025 hatte ein angeblich 13-Jähriger einen 17- und einen 18-Jährigen bei einem Streit mit einer zerbrochenen Weinflasche schwer verletzt. Bei dem 17-Jährigen konnte Lebensgefahr zunächst nicht ausgeschlossen werden. Er musste notoperiert werden.
Als Tatverdächtigen machte die Kriminalpolizei kurz darauf einen syrischen Staatsangehörigen ausfindig, der mit seiner Familie in einer nahe gelegenen Unterbringungseinrichtung lebte. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass das vermeintliche Kind bereits seit November 2024 14 Jahre alt und somit sehr wohl strafmündig war. Aufgrund der geänderten Sachlage kam es umgehend zum Haftbefehl und zur Festnahme. Mittlerweile wurde der Jugendliche zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt.
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