Kirchenkreise vor Fusion: Haan und Gruiten bald unter einem Dach?

Die Kreissynoden haben bereits zugestimmt: Niederberg, Düsseldorf-Mettmann und Solingen wollen in naher Zukunft eine Verwaltungseinheit bilden.

Von Knut Reiffert
Haan – Die drei benachbarten evangelischen Kirchenkreise Niederberg (mit Gruiten-Schöller), Düsseldorf-Mettmann (mit Haan) und Solingen stehen vor einer Fusion. Das hat Rainer Kaspers auf Nachfrage des Haaner Treffs bestätigt. „Seit Januar arbeiten eine monatlich tagende Steuerungsgruppe und seit Ostern vier themenspezifische Arbeitsgruppen intensiv an der Umsetzung“, erklärt der Superintendent des Kirchenkreises Düsseldorf-Mettmann. Die Rede ist dabei vom „Dreikirch-Prozess“. Wie die neue Verwaltungseinheit am Ende tatsächlich heißen wird, ist noch völlig offen. Genau wie seine Leitung oder sein Sitz. Das erste Treffen der Steuerungsgruppe fand jedenfalls in Haan statt.
Grundlage für deren Tätigkeit sind die Beschlüsse der drei Kreissynoden, der obersten Leitungsorgane der Kirchenkreise. „Alle Resultate sind eindrucksvoll für die Vorbereitung einer Fusion ausgefallen“, berichtet Kaspers. In Solingen und für Düsseldorf-Mettmann sogar einstimmig. Und in der Synode des niederbergischen Kirchenkreises habe es auch nur eine Gegenstimme gegeben.
Der Handlungsbedarf ist offensichtlich. Die Zahl der Mitglieder der evangelischen Kirche geht immer weiter zurück. Und damit auch die Kirchensteuer. Kaspers macht das an Zahlen für den Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann deutlich. „1980 hatten wir noch rund 116.000 Mitglieder, heute liegen wir bei 57.000.“ Halbiert hätten sich im gleichen Zeitraum auch die Zahlen der Haaner Stadtkirchengemeinde. Von 11.700 auf etwa 5900.
„Und dass, obwohl gerade in Haan, aber auch in den anderen Gemeinden vor Ort sehr gute Arbeit geleistet wird“, stellt der Superintendent klar. „Es sind nur immer weniger Leute bereit, das zu finanzieren.“
Allerdings sieht er auch bei der Institution Kirche selbst eine Mitschuld an der Misere. Zum Beispiel bei der viel zu späten Aufarbeitung von sexualisierter und anderer Gewalt im Gemeindeumfeld. „In den Kirchenkreisen Düsseldorf-Mettmann und Niederberg geschieht das immerhin seit Jahresbeginn “, berichtet Kaspers und stellt auch schon bald erste Ergebnisse in Aussicht.
Für Haan hat die geplante Fusion natürlich eine ganz besondere Dimension. Denn dann würden alle Protestanten der Stadt erstmals zum selben Kirchenkreis gehören.
Doch bis es soweit ist, werden nach Einschätzung von Rainer Kaspers noch drei, wenn nicht vier Jahre ins Land gehen. Anderthalb Jahre seien für die Ausarbeitung der Rahmenbedingungen angesetzt und mindestens noch einmal der gleiche Zeitraum für entsprechende Genehmigungsverfahren. „Da mischt dann zum Beispiel auch das Land NRW mit“. Und wenn alles soweit geklärt sei, gebe es eine erneute Abstimmung, ob alle mit dem erarbeiteten Konzept einverstanden sind.
Dafür, dass die Fusion der Kirchenkreise den Gemeindemitgliedern mitunter Sorgen bereiten kann, hat der Superintendent vollstes Verständnis: „Es ist ein Abschied von gewohnten Strukturen. Der ist für Menschen immer schwer.“
Der Zusammenschluss zu einem neuen Kirchenkreis mit schätzungsweise 130.000 Mitgliedern geschieht unter der Prämisse „Weniger Aufwand für Strukturen, mehr Energie für die Menschen.“
Als stellvertretender Vorsitzender der zwölfköpfigen Steuerungsgruppe, die den Fusionsprozess am Laufen halten und den Kirchenkreis und die Öffentlichkeit über die weitere Entwicklung informieren soll, kennt Rainer Kaspers die ganze Dimension des Projekts, das auch Auswirkungen auf die Einrichtungen der Diakonie und auf die Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft hat: „Gemeinden und Kirchenkreise sind im Prinzip mittelständische Unternehmen mit vielen Mitarbeitern.“
Dementsprechend zieht man für die Vorbereitung der Fusion auch Wirtschafts- und Rechtsberater hinzu. Mit Christian Weyer begleitet und überprüft zudem ein langjährigen Superintendent und systemischen Berater den Prozess.
Die vier themenspezifischen Arbeitsgruppen kümmern sich um „Finanzen und Gebäude“, „Pfarrstellen und Personal“, „Einrichtungen und Dienste“ sowie „Diakonie, Kitas und Beteiligungen“.
„Letztendlich werden alle Entscheidungen basisdemokratisch in den Gemeinden vor Ort getroffen“, stellt Kaspers klar. Auch was mögliche Einschnitte betrifft.
Dass es bei der Fusion auch zur Schließung einzelner Kirchen kommen kann, wird nicht bestritten. Darin sieht Wolfhard Günther aber auch eine Chance. Der Superintendent des Kirchenkreis Niederberg ist der Überzeugung: „Kirche muss heute dorthin gehen, wo das Leben stattfindet – auf Märkte, Feste, in Cafés und in Nachbarschaften.“


Gemeinden der Kirchenkreise

Düsseldorf-Mettmann: Erkrath, Haan, Hilden, Hochdahl (Erkrath), Hösel (Ratingen), Homberg (Ratingen/Düsseldorf), Linnep (Ratingen), Lintorf-Angermund (Ratingen/Düsseldorf), Mettmann und Ratingen.
Niederberg: Dönberg (Wuppertal), Düssel (Wülfrath), Gruiten-Schöller (Haan/Wuppertal), Heiligenhaus, Velbert und Tönisheide, Langenberg (Velbert), Neviges (Velbert), Velbert-Dalbecksbaum und Wülfrath.
Solingen (Klingenkirche): Dorp, Gräfrath, Ketzberg, Lutherkirche, Merscheid, Ohligs, St. Reinoldi Rupelrath, Stadtkirche, Wald und Widdert.

Kommentar: Kirche muss bleiben