Extravagant: Klassik trifft Betriebshof
Die „Klassik Fusion Lounge“ hat sich in Haan in kurzer Zeit zu einem außergewöhnlichen Kulturformat entwickelt.
Von Susanne Schaper
Haan – Am Samstag, 18. April, geht die Veranstaltungsreihe „Klassik Fusion Lounge“ bereits in ihre dritte Auflage und bleibt ihrem Konzept treu, klassische Musik neu zu denken und sie mit anderen künstlerischen Ausdrucksformen zu verbinden.
Im Gespräch mit dem Haaner Treff wurde bereits deutlich, dass auch der neue Spielort wieder eine besondere Rolle spielt: die Fahrzeughalle des Haaner Betriebshofs. Wo normalerweise Fahrzeuge und Maschinen untergebracht sind, entsteht für einen Abend ein Raum für Musik, Tanz und Performance. Die Idee hinter der „Klassik Fusion Lounge“ ist so einfach wie wirkungsvoll: Klassische Musik wird aus ihrem gewohnten Rahmen gelöst und an Orte gebracht, die man zunächst nicht mit Konzertkunst verbindet.
Bereits die ersten beiden Veranstaltungen sorgten für Aufmerksamkeit. Im März 2024 startete die Reihe in einem Autohaus, im Februar 2025 folgte eine Aufführung im Foyer des Haaner Gymnasiums. Beide Male wurde der jeweilige Raum aktiv in das künstlerische Konzept einbezogen.
Auch diesmal spielt die Umgebung eine zentrale Rolle. Initiatorin und Pianistin Lisa Eisner-Smirnova entwickelt gemeinsam mit den beteiligten Künstlerinnen ein Programm, das speziell auf den Betriebshof zugeschnitten ist. „Wir denken den Raum immer mit“, erklärt sie. „Die Akustik, die Wege, die Atmosphäre – all das fließt in die Inszenierung ein.“ Selbst unerwartete Elemente werden integriert: Wenn eine Taube durch den Raum fliegt, wie beim Pressegespräch, wird das spontan Teil der Performance.
Für die aktuelle Ausgabe haben sich drei Künstlerinnen zusammengefunden: Neben Eisner-Smirnova sind die Medienkomponistin Antonia Beeskow und die Tänzerin Sophia Otto beteiligt. Gemeinsam entwerfen sie eine interdisziplinäre Performance, die Musik, Bewegung und elektronische Klänge miteinander verschmelzen lässt.
Das Programm spannt dabei einen weiten Bogen: Werke von Mozart und Chopin treffen auf Einflüsse von Yoko Ono sowie auf Live-Elektronik. Tanz, klassisches Klavier und experimentelle Klangkunst gehen ineinander über. Dabei steht nicht nur das Hören, sondern auch das Erleben im Mittelpunkt. Die Grenzen zwischen Bühne und Zuschauerraum verschwimmen bewusst. Eine klassische Bühne im herkömmlichen Sinne gibt es nicht. Stattdessen steht ein Flügel im Zentrum des Geschehens, ergänzt durch ungewöhnliche Elemente wie ein Planschbecken.
Inhaltlich orientiert sich die Performance an den vier Naturelementen Wasser, Erde, Feuer und Luft. Inspiriert vom Gartenstadtgedanken und der Arbeit des Betriebshofs entsteht so ein vielschichtiges Klang- und Bewegungskonzept, das den Raum in eine eigene Erlebniswelt verwandelt.
Der „Lounge“-Gedanke zeigt sich nicht nur in der Inszenierung, sondern auch im Ablauf des Abends. Nach der Aufführung sind die Besucher eingeladen, zu bleiben, sich auszutauschen und mit den Künstlerinnen ins Gespräch zu kommen. Diese Nähe ist ein wesentlicher Bestandteil des Formats und unterscheidet es von klassischen Konzertformen.
Dass ein Betriebshof zur Bühne wird, ist für die Verantwortlichen der Stadt Haan keineswegs ungewöhnlich – im Gegenteil. „Wir sind eine Verwaltung, die auch Visionen möglich macht“, betont Gartenbaumeister Peter Kannemann. Die Mitarbeitenden des Betriebshofs unterstützen das Projekt aktiv und tragen zur Umsetzung bei. So wird die Fahrzeughalle eigens für die Veranstaltung geräumt und umgestaltet. Über den Bodenbelag – ob Sand oder Holzspäne – wird noch kurzfristig entschieden.
Auch aus der Kulturabteilung kommt große Unterstützung. „Mit etwas Dekoration wird der Raum noch schöner“, sagt Carolina Jördell und Diana Klöckers-Wolf ergänzt: „Rund 120 Gäste finden Platz, für Sitzgelegenheiten und eine passende Atmosphäre ist gesorgt“. Den Getränkeverkauf übernimmt das Café Karabusta.
Die organisatorische Zusammenarbeit zwischen Künstlerinnen, Stadt und Betriebshof zeigt, wie eng Kultur und kommunales Engagement in Haan miteinander verknüpft sind. „Wir danken dem Betriebshof, dass er uns die Fahrzeughalle zur Verfügung stellt“, unterstreicht Dr. Jürgen Simon von der Wirtschaftsförderung.
Die intensive Vorbereitung läuft derzeit noch in Düsseldorf. Dort probt das Ensemble und versucht, die Gegebenheiten des Betriebshofs möglichst genau nachzubilden. „Wir modellieren den Raum nach, damit wir die Wege kennen“, erklärt Eisner-Smirnova. Erst zur Generalprobe wird direkt vor Ort gearbeitet.
Die künstlerische Qualität der Beteiligten verspricht dabei ein besonderes Erlebnis. Pianistin Lisa Eisner-Smirnova stand bereits auf internationalen Bühnen wie der Carnegie Hall in New York, der Wigmore Hall in London und dem Concertgebouw in Amsterdam. Zudem ist sie Professorin an der Robert Schumann Hochschule. Sophia Otto, 1993 in Wuppertal geboren, sammelte früh Bühnenerfahrung im Umfeld von Pina Bausch und arbeitet heute als freischaffende Tänzerin und Choreografin. Antonia Beeskow, Jahrgang 1992 aus Düsseldorf, ist vielfach ausgezeichnet und bewegt sich künstlerisch zwischen Klangkunst, Performance, Hörspiel und Tanz.
Mit dieser Kombination verspricht die dritte „Klassik Fusion Lounge“ erneut ein außergewöhnliches kulturelles Ereignis zu werden – eines, das weit über ein klassisches Konzert hinausgeht. Für die Gartenstadt Haan ist das Format längst zu einem Aushängeschild geworden, das zeigt, wie lebendig und experimentierfreudig Kultur vor Ort sein kann.
