Haaner Gastronomen 
stehen unter Druck

Die Lage in der 
Gastronomie bleibt angespannt – auch in Haan. Höhere Kosten und weniger Gäste erzeugen Druck.

Von Susanne Schaper
Haan – Wie unterschiedlich die Situation ist, zeigen die Stimmen mehrerer Haaner Gastronomen. Eines jedoch eint sie alle: die Sorge um die Zukunft und der Wunsch, dass die Menschen wieder häufiger essen gehen.
„Die Gastronomie hat sich sehr gewandelt“, sagt Patrick Schälte von Fisch-Delikatessen Schälte. „Man weiß heute nicht mehr, wie der nächste Tag läuft.“
Die Zurückhaltung der Gäste führt er auch auf die allgemeine Kostensteigerung zurück: „Die Menschen haben nicht mehr so viel Geld zur Verfügung, weil in vielen Bereichen die Preise gestiegen sind.“ Gleichzeitig seien auch die eigenen Kosten deutlich höher geworden.
Die gesenkte Mehrwertsteuer helfe zumindest dabei, die Preise stabil zu halten. „Ohne sie wäre es schwierig“, erklärt Schälte.
Dennoch wirbt er leidenschaftlich für den Restaurantbesuch: „Die Leute sollten essen gehen, weil es lecker ist, Spaß macht und eine schöne Abwechslung bietet. Wir als Fischrestaurant bieten viele Gerichte an, die es anderswo nicht gibt.“
Auch bei Ni Hao setzt man auf ein klares Konzept. „Bei uns wird alles frisch gekocht, vieles von Hand gemacht wie Teigtaschen, Nudeln und Frühlingsrollen“, schildert Xiang Liuxiang.
Auch Service und Flexibilität spielten eine große Rolle. „Wir gehen auf Wünsche ein, haben eine gute Bedienung. Bei uns kann man sich verwöhnen lassen.“
Dennoch spürt auch er die steigenden Kosten deutlich: „Eine Kiste Paprika oder Zucchini, die im Dezember noch 15 Euro gekostet hat, kostet jetzt schon 25 Euro.“ Die Mehrwertsteuersenkung sei wichtig, um die Preise für die Gäste halten zu können.
Deutlich ernster klingt die Einschätzung von Mino Carafa, Inhaber des Restaurants Va Bene. „Die aktuelle Lage in der Gastronomie ist eine Katastrophe“, sagt er offen.
Noch im vergangenen Jahr habe er gehofft, es könne nur besser werden: „Leider muss ich mich korrigieren“. Die Kosten seien in allen Bereichen gestiegen, während die Gäste seltener kämen.
„Auf der einen Seite ist der Mehrwertsteuersatz gesenkt worden, auf der anderen Seite wurde der Mindestlohn erhöht“, erläutert Carafa. Unter dem Strich sei man froh, die Preise überhaupt halten zu können.
Seine Sorge gilt der gesamten Branche: „Wir hoffen, dass die Menschen weiter essen gehen, sonst befürchte ich, dass viele Restaurants schließen müssen“. Er setzt weiterhin auf Qualität: „Wir versuchen, unsere Gäste mit unserer guten Küche zu überzeugen.“
Auch Konstantinos Dimoulas vom Restaurant Artemis beobachtet einen deutlichen Rückgang der Gästezahlen. „Sie müssen die Haaner Bürger fragen, warum sie nicht mehr so oft essen gehen“, sagt er. „Jeden Tag haben wir weniger Gäste. Und das ist nicht nur bei uns so.“
Zwei Restaurants in Haan hätten bereits schließen müssen. Besonders auffällig sei die Verteilung der Gäste: „Am Wochenende kommen rund 65 Prozent unserer Gäste von außerhalb, aus Hilden oder Erkrath. Dienstag bis Donnerstag sind es vor allem Hotelgäste.“
Die Preise habe man trotz gestiegener Kosten seit zwei Jahren nicht verändert. „Im Dezember sind unsere Einkaufspreise gestiegen, seit Anfang des Jahres auch der Mindestlohn“, so Dimoulas.
Trotz der Unterschiede in den einzelnen Betrieben wird eines deutlich: Die Haaner Gastronomie lebt von ihren Gästen und kämpft zugleich mit großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Die Mehrwertsteuersenkung hilft vielen, Preissteigerungen zumindest abzufedern, doch sie löst nicht alle Probleme.
Der Appell der Gastronomen ist klar: Essen gehen ist mehr als Konsum. Es ist Unterstützung für lokale Betriebe, für Arbeitsplätze und für eine lebendige Stadt.
Oder, wie Patrick Schälte es formuliert: „Essen gehen macht Spaß. Und wir brauchen die Menschen, damit wir das weiter anbieten können.“