Bahnunterführung in Gruiten gesperrt
Entgegen anderer Absprachen hat die Bahn die Unterführung in Gruiten gesperrt.
Von Antje Götze-Römer
Haan – Da staunten Passanten – vor allem Schülerinnen und Schüler – nicht schlecht, als sie in der vergangenen Woche die Unterführung am Gruitener Bahnhof zwischen Kastanienweg und Thunbuschstraße nutzen wollten und sich vor einem Bauzaun wiederfanden. Im Rahmen der Sanierungsarbeiten der Bahnstrecke von Köln über Wuppertal nach Hagen hatte die Deutsche Bahn den Zugang und damit eine sichere Möglichkeit von der einen Seite Gruitens auf die andere zu kommen, unmöglich gemacht. Als einzige Möglichkeit stand nun nur noch der Weg über die Brücke zur Verfügung.
Die Haaner Politik reagierte schnell. „In den vergangenen Monaten wurde seitens der Deutschen Bahn AG immer wieder erklärt, dass die Unterführung erst dann geschlossen wird, wenn die Überführung erstellt ist und in die Benutzung gegangen ist“, empörte sich die CDU in einem Schreiben an die Bahn.
Sie stellte die Wichtigkeit der Unterführung heraus, denn immerhin diene die Unterführung nicht nur als direkter Schulweg zur Grund- und zur Waldorfschule, sondern auch als Zuwegung zum Schienenersatzverkehr in Richtung Haan und Erkrath zu den weiterführenden Schulen.
„Wir haben vor Ort die Auskunft bekommen, dass die Unterführung für die nächsten fünf Monate dauerhaft geschlossen bleibt“, ärgern sich Tobias Kaimer, Annette Leonhardt und Annette Braun-Kohl (alle CDU) über die Vorgehensweise der Bahn und verlangen eine ausgeschilderte Wegführung und sichere Überquerung zur und über die Brücke in der Hochstraße.
Die Wählergemeinschaft Lebenswertes Haan (WLH) zeigt in einer E-Mail an Bürgermeister Vincent Endereß Verständnis für die Gefühlslage der Gruitener und meint: „Es ist zwingend erforderlich, dass die bestehende Unterführung erst außer Betrieb genommen wird, wenn die neue Überführung als sichere und benutzbare Alternative dauerhaft zur Verfügung steht“. Die Fraktionsvorsitzende fragt, ob das Eisenbahnbundesamt (EBA) ohne vorherige Absprache mit der Stadt Haan Fakten geschaffen habe. Sie geht sogar noch einen Schritt weiter und fordert Endereß auf, sich mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Verbindung setzt, um die Unterführung für Schutzzwecke zu erhalten.
Die SPD Gruiten hat derweil einen Antrag im Ausschuss für Umwelt und Mobilität angekündigt, mit dem Ziel Maßnahmen zur Sicherung des Schulweges zu ergreifen. Jens Niklaus, Vorsitzender der Gruitener SPD erinnerte daran, dass die SPD die einzige Ratsfraktion gewesen sei, sich für den Erhalt der Unterführung gestimmt habe. „Dass das Thema nun mit voller Wucht in der Öffentlichkeit ankommt, überrascht uns leider nicht“, erklärte Niklaus. „Wir haben frühzeitig darauf hingewiesen, welche zentrale Bedeutung diese Verbindung für den Alltag in Gruiten hat – gerade für Kinder auf dem Schulweg. Jetzt zeigt sich: Die Sorgen waren mehr als berechtigt.“
Besonders kritisch sieht die SPD, dass die Sperrung offenbar ohne ausreichende, frühzeitige Information der Betroffenen und ohne tragfähiges Sicherheitskonzept für den Fuß- und Schülerverkehr erfolgt ist.
Die Stadtverwaltung ist von der Maßnahme überrascht worden. Dies teilte sie Mitte dieser Woche mit: „Die Zusage zur Erreichbarkeit der Verkehrsstation sieht vor, dass die Hauptpersonenunterführung bis zur vollständigen Inbetriebnahme der neuen barrierefreien Personenüberführung in Betrieb bleibt“.
Aus Sicht der Stadt Haan sei das Vorgehen nicht durch die erteilte Plangenehmigung gedeckt. Die Verwaltung habe unmittelbar das EBA über die Schließung der Personenunterführung, die aus Sicht der Stadt Haan ein Verstoß gegen die Nebenbestimmungen ist, unterrichtet. Sie hat auch das ausführende Unternehmen auf den entsprechenden Punkt in der Plangenehmigung aufmerksam gemacht.
„Die Stadt geht davon aus, dass die Verantwortlichen bei Bahn und EBA die Zusagen gegenüber der Stadt einlösen. Die Stadt geht von einer kurzfristigen Lösung in diesem Sinne aus. Sollte es zu Verzögerungen kommen, ist aus Sicht der Stadt zunächst die Bahn in der Verantwortung, aber dennoch wird die Stadt selbstverständlich alles in der Kürze der Zeit Mögliche versuchen, um insbesondere für die Schulwegsicherheit zu sorgen“, teilt eine Sprecherin der Stadt Haan mit.
Derweil hat die Deutsche Bahn auf eine Anfrage des Haaner Treff geantwortet: „Für die neue Personenüberführung über die Gleise setzt die DB oberhalb der bestehenden Personenunterführung erste Arbeiten um. Außerdem modernisieren sie die Bahnsteige. Um diese Arbeiten sicher und planmäßig umsetzen zu können, muss die darunter liegende Personenunterführung temporär gesperrt werden. Die Einschränkungen, die dadurch für die Anwohnenden und Reisenden entstehen, bedauern wir sehr´“, sagt eine Sprecherin, ohne dabei auf die Abweichung von den Absprachen einzugehen.
In Kürze werde vor Ort eine Wegeleitung zum Schienenersatzverkehr zur besseren Orientierung angebracht werden. Spätestens in der kommenden Woche sollen die Hinweise angebracht sein.
Parallel hätten die Fachleute geprüft, ob sie die Personenunterführung nicht doch öffnen können: „Hierzu haben in den letzten Tagen intensive Gespräche zwischen DB InfraGO und den ausführenden Baufirmen stattgefunden. Eine Öffnung der Personenunterführung aus Richtung Kastanienweg wird vor dem 10. Juli jedoch leider nicht möglich sein. Aufgrund der dort stattfindenden Arbeiten ist eine Nutzung der Unterführung aus Sicherheitsgründen nicht möglich“.
Demnach wird die Personenunterführung erst nach Ende der Generalsanierung am 10. Juli wieder geöffnet. Bis zur Fertigstellung der neuen Personenüberführung Ende 2027 können Anwohnende und Fahrgäste dann wieder die Unterführung nutzen. ⋌
