Demenzfrühstück schafft Freiräume

Alle zwei Wochen sollen Demenzpatienten bei der AWO zwei Stunden 
verbringen dürfen.

Antje Götze-Römer
Haan – Ab Dienstag, 10. März, gibt es bei der AWO-Haan im Rahmen des Demenznetzwerkes Haan ein neues 14-tägliches Angebot für Menschen mit einer dementiellen Erkrankung. An jedem zweiten Dienstag können die Patienten hier gemeinsam frühstücken und werden von Ehrenamtlichen betreut. Angesprochen sind Demenzerkrankte jeden Alters. Anfangs soll ein Angehöriger noch als Begleitperson fungieren. „Vor allem, damit sich die Menschen an die neue Umgebung und die neuen Menschen in ihrer Nähe gewöhnen können“, erklärt Cornalia Heinze, Vorstandsvorsitzende der AWO Haan. Kurz- bis mittelfristig aber sollen sich die pflegenden Angehörigen über zwei zusätzliche freie Wochenstunden freuen dürfen, um vielleicht Erledigungen zu tätigen, den dringenden Friseurbesuch zu machen oder auch einfach mal zu sich selbst zu finden. Ein ähnliches Konzept innerhalb des Demenznetzwerkes gibt es mittwochs im Haus am Park. Dieses Angebot ist stark frequentiert und faktisch immer ausgebucht.
Auch beim Demenzfrühstück bei der AWO ist die Teilnehmerzahl begrenzt, daher sind Angehörige von Betroffenen gut beraten sich frühzeitig unter 02129/2550 anzumelden.
Mit vier Ehrenamtlichen und zwei Hauptamtlichen organisiert die AWO das neue Angebot. Neben Sandy Müller und Cornelia Heinze engagieren sich Anita Küpper, Bettina Bruchmann und Petra Herber in dem Projekt, das über das Land NRW und Kassenverbände von der Alzheimer-Gesellschaft Kreis Mettmann finanziert wird. Rund 450 Euro stehen der AWO-Haan für das erste Halbjahr für das Projekt „Demenzfrühstück“ zur Verfügung.
900 Euro pro Jahr und pro Angebot hat Karin Weber von der Alzheimer-Gesellschaft für solche Gruppen zur Verfügung. Als ein entsprechender Gesamtbetrag vor drei Jahren vom Land genehmigt wurde, gab es im Kreis Mettmann gerade einmal 12 Gruppen, die damit gefördert werden konnten. Mittlerweile sind es kreisweit mehr als 35. Der Bedarf ist da, die Förderung bleibt – wird aber trotz steigender Nachfrage nicht angepasst. Weber rechnet sogar mit einer geringeren Gesamtsumme, wenn ein neuer Zuwendungsbescheid des Landes in Haus flattert.
Das ruft natürlich die Ehrenamtler – mal wieder – auf den Plan, die selbstlos ihre Dienste kostenlos anbieten.
Anita Küpper hat jahrelang ihre an Demenz erkrankte Mutter betreut und zu Hause gepflegt, bis ein Umzug in ein Pflegeheim alternativlos wurde. Der Kontakt zur AWO war beruflich bedingt: Sie war Erzieherin in einer der AWO-Kitas. Obwohl es sie zwischenzeitlich in andere Gefilde gezogen hatte, suchte sie nach ihrer Rückkehr nach Haan die Nähe zur AWO, hat für einige Zeit sogar im Vorstand mitgearbeitet und freut sich nun, ihre Erfahrungen beim Demenzfrühstück einbringen zu können.
Bettina Bruckmann und Petra Herber kennen sich aus dem Netzwerk „Wir sind Haan“ und folgten dort einem Aufruf, der an die Gruppen herangetragen wurden. „Ich bringe einiges an Wissen und Erfahrung aus Kursen und Qualifikationen zur Seniorenbetreuung und Altenpflege mit“, erklärt Bruckmann, die aber auch ganz persönlich betroffen war, als sie ihre Schwiegermutter gepflegt hat.
Eine Qualifikation als Seniorenbegleiterin mit dem Schwerpunkt Demenz hat Petra Herber. Sie ist in einem Umfeld groß geworden, in dem die Familie und der Zusammenhalt untereinander noch im Mittelpunkt standen. Mehrere Generation haben miteinander gelebt und gewohnt, und so war es ganz normal, dass die Alten behütet wurden, auch wenn sie sehr, sehr krank waren. Als Besucherin war sie öfter schon mal in der AWO. Gerne auch mit Nachbarn oder Freunden.
Beim Demenzfrühstück bekommen die Gäste nichts serviert, wie man sich das vielleicht vorstellen mag. Die Idee ist, dass die Menschen selber aktiv werden. Wie sich die Zeit nach der gemeinsamen Mahlzeit gestaltet, wollen sich die Frauen von der AWO noch offen lassen: „Das muss sich entwickeln und hängt auch von den Menschen ab“, sagen Heinze, Müller, Küpper, Bruchmann und Herber – und auch die neue Vollzeitkraft (ab April) Sabina Mrosla.